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10. Februar 1999 Jungle World

Richtungswechsel beim PDS-Blatt Neues Deutschland?

Zoff im Jurassic-Park

Ich kenne einen guten Witz: Bei der Tageszeitung Neues Deutschland regt sich was. Lustig, nicht wahr?! Aber diesmal stimmt es wirklich. Wenn auch nicht von Spannung, so ist immerhin doch von Spannungen die Rede. Zwischen Chefredakteur Reiner Oschmann und Geschäftsführer Wolfgang Spickermann soll es, erzählt man sich, so gar nicht mehr laufen. Die Scheidung steht offenbar kurz bevor. Wer dabei den Hausstand behält, läßt sich nur vermuten. Aber wie wir wissen, sitzen Geschäftsführer in der Regel am längeren Hebel. Oschmanns Stunden jedenfalls scheinen gezählt. Doch auch Spickermann kann sich nicht sicher sein, am Ende als Sieger aus dem Machtkampf hervorzugehen. 

Die Redaktion steht - auch das ist nichts Neues - eher zu ihrem Chefredakteur. Das hat nun aber keine politischen Gründe. Es sind eher Stilfragen. Wer nur noch durch offiziellen Aushang am Schwarzen Brett mit den Kollegen kommuniziert, kann nicht mit allzu großer Sympathie rechnen, klar. Am Ende ist es aber egal, was die rund 90 Mitarbeiter der Zeitung denken, und auch was Oschmann, ja sogar, was Spickermann denkt, ist nicht entscheidend. Denn entscheiden kann und wird demnächst einzig und allein die PDS, die Eigentümerin des ND. 

Mit Osch- und Spickermann stehen sich zwei verschiedene Zeitungskonzepte gegenüber. Der Geschäftsführer steht für einen sich der PDS anbiedernden, auf die Altleser fixierten Kurs - zurück zum Zentralorgan. Der Chefredakteur will die Zeitung feuilletonistischer halten, für Debatten öffnen, das Leserspektrum erweitern - allerdings nach rechts. Da werden sogar schon mal Nazis ins Blatt gehievt, um die Linke auf den nationalen Kurs des Chefredakteurs einzuschwören. - Dabei ist das bei der Leserschaft überhaupt nicht nötig. 

Für die PDS stellt sich nun die Frage, welchem Konzept sie den Vorzug geben soll. Eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Beide Konzepte bieten keinerlei Perspektive für das ND. Dies könnte auch zur Einsicht führen, daß es nur mit einer ganz neuen Spitze weitergehen kann. Doch egal, wen man sich an Bord holt: Es ändert nichts an der Tatsache, daß es für das ND keine Zukunft gibt. Die Leserschaft ist nicht nur spießig und DDR-nostalgisch-rückwärtsgewandt, sondern auch völlig überaltert. Die Leser würden ihr Blatt zwar nie abbestellen, was immer man auch unter dem Titel Neues Deutschland druckt, aber sie sterben weg. 

Und neue Leser kommen einfach nicht dazu. Im Westen vertreibt der Verlag weniger Exemplare als so manche Schülerzeitung. Und um junge Leute anzusprechen, müßte man erstens Stil und Outfit ändern und damit die alten Leser brüskieren und zweitens vorher die gesamte Redaktion austauschen. Denn die ist größtenteils ebenso verknöchert wie ihre Kunden. Junge, aufgeschlossene Köpfe ins Blatt zu holen - auf die Idee ist dort noch niemand gekommen. Wie auch: Für Neueinstellungen ist kein Geld da (die Zeitung schreibt tote Zahlen) und die Alten können ja nicht mal eben gekündigt werden - nach 400 Dienstjahren ... 

Tja, die PDS hält sich da ein ziemlich prähistorisches Reptil als Haustier. Aber sie kann den kleinen Liebling ja nicht einfach einschläfern lassen. Da würden ihr die Ossis auch ordentlich aufs Dach steigen. Da fällt mir noch ein Witz ein: Sagt ein Dinosaurier zum anderen. "Du, ich hab' gestern ein Ufo gesehn." Sagt der andere: "Kann gar nicht sein, die sind doch schon vor 100 Millionen Jahren ausgestorben."

  •  Fabian Rooker
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