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Richtungswechsel beim PDS-Blatt Neues
Deutschland?
Zoff im Jurassic-Park
Ich kenne einen guten Witz: Bei
der Tageszeitung Neues Deutschland regt sich was. Lustig, nicht wahr?!
Aber diesmal stimmt es wirklich. Wenn auch nicht von Spannung, so ist immerhin
doch von Spannungen die Rede. Zwischen Chefredakteur Reiner Oschmann und
Geschäftsführer Wolfgang Spickermann soll es, erzählt man
sich, so gar nicht mehr laufen. Die Scheidung steht offenbar kurz bevor.
Wer dabei den Hausstand behält, läßt sich nur vermuten.
Aber wie wir wissen, sitzen Geschäftsführer in der Regel am längeren
Hebel. Oschmanns Stunden jedenfalls scheinen gezählt. Doch auch Spickermann
kann sich nicht sicher sein, am Ende als Sieger aus dem Machtkampf hervorzugehen.
Die Redaktion steht - auch das ist
nichts Neues - eher zu ihrem Chefredakteur. Das hat nun aber keine politischen
Gründe. Es sind eher Stilfragen. Wer nur noch durch offiziellen Aushang
am Schwarzen Brett mit den Kollegen kommuniziert, kann nicht mit allzu
großer Sympathie rechnen, klar. Am Ende ist es aber egal, was die
rund 90 Mitarbeiter der Zeitung denken, und auch was Oschmann, ja sogar,
was Spickermann denkt, ist nicht entscheidend. Denn entscheiden kann und
wird demnächst einzig und allein die PDS, die Eigentümerin des
ND.
Mit Osch- und Spickermann stehen
sich zwei verschiedene Zeitungskonzepte gegenüber. Der Geschäftsführer
steht für einen sich der PDS anbiedernden, auf die Altleser fixierten
Kurs - zurück zum Zentralorgan. Der Chefredakteur will die Zeitung
feuilletonistischer halten, für Debatten öffnen, das Leserspektrum
erweitern - allerdings nach rechts. Da werden sogar schon mal Nazis ins
Blatt gehievt, um die Linke auf den nationalen Kurs des Chefredakteurs
einzuschwören. - Dabei ist das bei der Leserschaft überhaupt
nicht nötig.
Für die PDS stellt sich nun
die Frage, welchem Konzept sie den Vorzug geben soll. Eine Entscheidung
zwischen Pest und Cholera. Beide Konzepte bieten keinerlei Perspektive
für das ND. Dies könnte auch zur Einsicht führen, daß
es nur mit einer ganz neuen Spitze weitergehen kann. Doch egal, wen man
sich an Bord holt: Es ändert nichts an der Tatsache, daß es
für das ND keine Zukunft gibt. Die Leserschaft ist nicht nur spießig
und DDR-nostalgisch-rückwärtsgewandt, sondern auch völlig
überaltert. Die Leser würden ihr Blatt zwar nie abbestellen,
was immer man auch unter dem Titel Neues Deutschland druckt, aber sie sterben
weg.
Und neue Leser kommen einfach nicht
dazu. Im Westen vertreibt der Verlag weniger Exemplare als so manche Schülerzeitung.
Und um junge Leute anzusprechen, müßte man erstens Stil und
Outfit ändern und damit die alten Leser brüskieren und zweitens
vorher die gesamte Redaktion austauschen. Denn die ist größtenteils
ebenso verknöchert wie ihre Kunden. Junge, aufgeschlossene Köpfe
ins Blatt zu holen - auf die Idee ist dort noch niemand gekommen. Wie auch:
Für Neueinstellungen ist kein Geld da (die Zeitung schreibt tote Zahlen)
und die Alten können ja nicht mal eben gekündigt werden - nach
400 Dienstjahren ...
Tja, die PDS hält sich da ein
ziemlich prähistorisches Reptil als Haustier. Aber sie kann den kleinen
Liebling ja nicht einfach einschläfern lassen. Da würden ihr
die Ossis auch ordentlich aufs Dach steigen. Da fällt mir noch ein
Witz ein: Sagt ein Dinosaurier zum anderen. "Du, ich hab' gestern ein Ufo
gesehn." Sagt der andere: "Kann gar nicht sein, die sind doch schon vor
100 Millionen Jahren ausgestorben."
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