Euro Nachrichten
Euro-Armee im Anmarsch
Die gemeinsame Währung ist
schon da. Jetzt fehlt nur noch die Armee, die so hart ist wie der Dollar.
Lange wird es nicht mehr dauern. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz
sprach sich Bundeskanzler Gerhard Schröder am vergangenen Wochenende
für ein stärkeres militärisches Engagement der EU aus. Eine
eigene Außen- und Sicherheitspolitik der EU sei ein zusätzlicher
Garant für die Handlungsfähigkeit der Nato, erklärte er.
Über den Wolken
Der Chef der kurdischen PKK, Abdullah
Öcalan, kreist ohne Landeerlaubnis über den Wolken. Bilanz einer
Woche: Am Sonntag schloß der italienische Premier Massimo d'Alema
eine Rückkehr von Öcalan nach Italien, das er am 16. Januar mit
unbekanntem Ziel verlassen hatte, kategorisch aus. Am selben Tag verboten
die niederländischen Behörden dem PKK-Chef nach eigenen Angaben
die Landung in einem Privatflugzeug auf dem Flughafen von Rotterdam. Apos
Anwältin Britta Boehler zufolge wollte er den internationalen Gerichtshof
von Den Haag um Vermittlung zwischen der Türkei und der kurdischen
Bewegung ersuchen bitten.
Griechenland und Rußland erklärten,
Öcalan halte sich nicht auf ihrem Territorium auf. Ebenfalls am Montag
rief der Sprecher des US-Außenministeriums, James Rubin, dazu auf,
Öcalan vor Gericht zu bringen. Am Dienstag sagte der türkische
Premier Ecevit, Öcalan finde in Europa keinen Unterschlupf mehr. Am
Freitag haben nach Auskunft des belgischen Verteidigungsministeriums Kampfflugzeuge
die Landung eines Privatflugzeuges in Belgien verhindert und die Maschine
außer Landes eskortiert. Daß Öcalan sich an Bord befand,
konnte nicht bestätigt werden. Auch Estland und Belorußland
haben dementiert, daß sich Öcalan auf ihrem Territorium befinde.
Neue deutsche Arroganz
"Ist Deutschland gefährlich?"
fragte wenige Tage nach dem Besuch des deutschen Umweltministers Jürgen
Trittin in Paris das französische Wochenmagazin L'Express. Die von
Trittin und seiner französischen Kollegin besprochenen Themen Wiederaufarbeitung
und Schadenersatzforderungen dienten dem Blatt dabei lediglich als Aufhänger
dafür, daß das "neue" Deutschland den einstigen Partner Frankreich
innerlich längst hinter sich gelassen habe und sich nunmehr als rücksichtlose
Wirtschaftsnation geriere. Die Berliner Republik Fischers und Schröders
stehe, so L'Express, für ein "natürliches Einflußgebiet
von 180 Millionen Menschen", die allesamt an "germanische Befehlsgeber"
gewohnt seien. Während Frankreichs Banken und Unternehmen unterkapitalisiert
seien und die Politik in einer Entscheidungskrise stecke, habe Deutschland
Osteuropa als politisches und ökonomisches Handlungsfeld hinzugewonnen.
In dieselbe antideutsche Kerbe wie
L'Express schlug nach dem Trittin-Besuch auch der konservative Le Figaro:
In Anspielung auf das Münchener Abkommen von 1938 faßte die
Tageszeitung das linksnationale Auftreten Trittins bei den Rücknahmeverhandlunge
deutschen Atommülls kurz und bündig als "le diktat" zusammen.
Lega, Law and Order
Für die Ausstellung irgendeines
Dokuments auf dem Einwohnermeldeamt der norditalienischen Stadt Treviso
müssen dort lebende Immigranten aus Nicht-EU-Ländern seit Anfang
Februar - neben den üblichen Papieren - nun auch ein Gesundheitsattest,
einen Strafregisterauszug und eine eidliche Erklärung darüber
vorlegen, daß in der eigenen Familie keine Erbkrankheiten aufgetreten
sind. Die städtische Polizei wurde angewiesen, "Nicht-EU-Bürger,
die sich illegal in der Stadt aufhalten, besonders umsichtigen und tiefgreifenden
Kontrollen zu unterziehen". Die neue Verordnung ist mit dem Votum des Lega-Nord-Bürgermeisters
Giancarlo Gentilini, der sich gerne auch als "der Sheriff" bezeichnet läßt,
und den Stimmen der Lega-Mehrheit im Stadtparlament beschlossen worden.
Während die Lega Nord in dieser Maßnahme einen "konkreten Vorschlag"
zur Wahrung der Sicherheit der Bürger sieht, erzeugt die Verordnung
nach Meinung der Opposition nur eine zusätzliche Diskriminierung der
Immigranten.
Am vorletzten Wochenende forderte
der Sheriff-Bürgermeister weitere Notmaßnahmen für die
Städte in Veneto, die wegen ihrer Grenznähe zu Ex-Jugoslawien
der Verbrechensgefahr am stärksten ausgesetzt seien.
Trotzki-Konjunktur in Frankreich
So viele Menschen hatten sich schon
lange nicht mehr auf einer Veranstaltung der radikalen Linken gedrängt.
Rund 3 000 Besucher füllten vergangenen Freitag den traditionsreichen
Pariser Mutualité-Saal, als Arlette Laguiller von der Gruppe Lutte
Ouvrière und Alain Krivine von der Ligue Communiste Révolutionnaire
(LCR) zum ersten Mal ihre gemeinsame Liste für die Europawahlen im
Juni 1999 präsentierten. Die beiden trotzkistischen Parteien treten
zum ersten Mal seit 1979 mit einer gemeinsamen Liste zu Wahlen an. Nach
einer Umfragen des CSA-Instituts für das Wochenmagazin Marianne, die
vergangene Woche veröffentlicht wurde, kann die Liste mit rund acht
Prozent der Stimmen rechnen. Arlette Laguiller hatte beim ersten Wahlgang
zu den Präsidentschaftswahlen im April 1995 bereits einen Achtungserfolg
mit 5,3 Prozent (1,6 Millionen Stimmen) erzielt.
Licht und Schatten
Wo viel Licht ist, da gibt es auch
viel Schatten. Und das besonders in China. Diese bahnbrechende Erkenntnis
hat den Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Erdmann, ereilt: Denn
einerseits habe es in China in jüngster Vergangenheit strenge Urteile
gegen Dissidenten gegeben. Andererseits zeige die Volksrepublik guten Willen,
indem sie einige wichtige Menschenrechtsakten der UN unterschrieben habe.
Anlaß der tiefsinnigen Betrachtungen sind die Bemühungen von
Joseph Fischer, die EU zu einer gemeinsamen Haltung in Menschenrechtsfragen
gegenüber China zu bewegen. Am 22. März wollen die EU-Außenminister
in Brüssel dazu eine Entscheidung treffen.
Euro-Wahn
Drei Tage saß Mary O'Neill
von der University of Dublin vor dem PC. Dann rief sie einen Experten an,
um endlich das verdammte Symbol zu finden. Der Euro treibt nach und nach
Angestellte in Verwaltung, Banken oder an der Börse zur Verzweiflung.
Denn nach einem Bericht des Wall Street Journal ist das Euro-Symbol auf
vier von fünf PC-Tastaturen nicht verhanden und läßt sich
mit älteren MS-Word-Versionen nicht erzeugen.
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Die Nachrichten wurden
von Beier, Bickel, Kreuseler, Schmid zusammengestellt
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