Hombachs günstiger Marmor
Schröders Kanzleramtsminister
und Lieblings-Ghostwriter soll bei der Errichtung seiner Prunkvilla in
Mülheim an der Ruhr von der Veba Immobilien AG finanzstarke Unterstützung
erfahren haben
"Junge, das stehst du durch." Die
aufmunternden Worte seines Chefs kann Kanzleramtsminister Bodo Hombach
zur Zeit gut brauchen. Denn das Zwei-Zentner-Schwergewicht an Schröders
Seite droht über eine Affäre zu stolpern, die er für längst
erledigt hielt.
In ihren neuesten Ausgaben berichten
Spiegel und Focus, Hombachs ehemaliger Bauleiter Hans Hebers beschuldige
ihn, bei seinem Hausbau 1986 Bauleistungen für mindestens 200 000
Mark nicht bezahlt zu haben. Vor der Bochumer Staatsanwaltschaft hat der
ehemalige Veba-Mitarbeiter ausgesagt, der damalige Landesgeschäftsführer
der nordrhein-westfälischen SPD sei im Rahmen des konzerneigenen VIP-Service
der Veba Immobilien AG betreut worden. Die Rechnungen für den insgesamt
1,5 Millionen Mark teuren Hausbau seien teilweise gesplittet gewesen: Ein
Teilbetrag sei Hombach offiziell in Rechnung gestellt worden, den Rest
habe die Veba auf andere Projekte des Konzerns "umgelegt". Damit widerrief
Hebers frühere anderslautende Aussagen - und brachte Hombach in Bedrängnis.
Seit Monaten laufen Prozesse gegen
Ex-Topmanager von Veba. Es geht um Veruntreuungen und Betrug in Millionenhöhe.
Auf Kosten ihrer Mieter soll der größte private Immobilienbesitzer
der Bundesrepublik schwarze Kassen angelegt haben, aus denen Luxusbedürfnisse
von Spitzenmanagern und -politikern befriedigt worden sein sollen. Dafür
seien Nebenkostenabrechnungen manipuliert worden. Für den Bochumer
Staatsanwalt Bernd Bieniossek, "besteht der Verdacht, daß derartige
Manipulationen bereits in den siebziger Jahren vorgekommen sind und sich
bis in die neueste Zeit hingezogen haben".
Eine weitere Manipulationsvariante:
Veba-Manager ließen Teile ihrer privaten Baukosten für Gartenhäuser,
Weinkeller oder Teichanlagen "umbuchen". Die Veba habe über spezielle
VIP-Betreuer verfügt, sagte der ehemalige Veba-Immobilien-Prokurist
Rolf-Dieter Weinreich vor Gericht, die "ausschließlich oder überwiegend
die Aufgabe" gehabt hätten, "private Leistungen an führende Veba-Mitarbeiter
oder denen nahestehende Personen, sogenannte VIPs, zu erbringen und anschließend
in den Bauvorhaben der Veba zu verrechnen". Nach den Aussagen seines früheren
Bauleiters Hebers und des Ex-Vebavorstandsmitglieds Michael Kretschmer,
war Hombach einer dieser "VIPs".
Die Begebenheit liegt über
dreizehn Jahre zurück. Das damals 33jährige sozialdemokratische
Wunderkind ließ sich gerade ein extravagantes Haus in Mülheim
an der Ruhr bauen. Mit Kosten von 400 000 Mark hatte Hombach, der stolz
ist auf seinen ökonomischen Sachverstand, für das geplante Fertighaus
kalkuliert - eine Fehlkalkulation. Die Kreativität seines Bochumer
Architekten Karl-Friedrich Gehse und Hombachs Sonderwünsche ließen
den Bau schnell zu einem Geldgrab werden. Und er hätte noch viel teurer
werden können. Wenn ihm nicht die Veba mit Hans Hebers als Bauleiter
einen Immobilien-Profi an die Seite gestellt hätte. Der sei teilweise
regelrecht "verzweifelt" gewesen, da Architekt Gehse "auf immer neue architektonische
Ideen" verfallen sei, berichtet der damalige Veba-Prokurist Johannes Borgmann.
Hinzu kamen Hombachs Änderungswünsche.
So war ihm sein Schlafzimmer zu klein. Da könnte man doch die gerade
fertiggestellte Wand einfach mal um einen Meter versetzen. Für Gehse
kein Problem: "Das kost' nur 'n Dusender." Hebers jedoch hatte nachgerechnet
und warnte: "Das kostet mindestens zehntausend." Zum Schluß hatten
sich Kosten von 1,491 Millionen Mark angehäuft. Noch heute muß
der Mülheimer 5 222,50 Mark monatlich für Zins und Tilgung zahlen.
Dafür hat Schröders Lieblingsghostwriter immerhin ein Haus, das
seinen Ansprüchen genügt - mit marmorierter Wohnhalle und holzgetäfelter
Bibliothek, Wintergarten und Kamin. "Hombach pflegt sich in seiner Mülheimer
Villa gern barock zu inszenieren", spöttelte die Welt.
Erstmalig geriet Hombachs Mülheimer
Wohnkunstwerk im Juni letzten Jahres ins Visier des Spiegel: Der frühere
Vorstandsvorsitzende der Veba-Immobilien Ludwig Staender habe vor der Bochumer
Staatsanwaltschaft den sozialdemokratischen Vordenker belastet und über
"Wohltaten und eine gewisse Großzügigkeit" gegenüber dem
damaligen SPD-Landesgeschäftsführer gesprochen. Damit sei Staender,
der Anfang 1998 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Veruntreuung
verurteilt worden war, einer Bitte des SPD-Landesschatzmeisters Fritz Ziegler
gefolgt, der signalisiert habe, "daß ein solcher Gefallen auch für
uns von Vorteil sein könnte".
Hombach stand damals unmittelbar
vor seiner Ernennung zum nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister.
Der frisch gewählte Ministerpräsident Wolfgang Clement forderte
eine umgehende Aufklärung der Vorwürfe, sonst könne sein
Freund nicht ernannt werden. Die unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
C & L Deutsche Revision wurde eingeschaltet. Eine Blitzprüfung
von nur zwei Tagen erbrachte einen Persilschein: Es gebe "keine Anhaltspunkte
dafür, daß andere als die durch die vorgenannten Unterlagen
belegten Arbeiten zur Errichtung des Gebäudes geleistet wurden". Hombach
jubilierte: Er sei "dem politischen Tod von der Schippe gesprungen". Strafrechtlich
sei die Sache ohnehin verjährt gewesen.
Jetzt hat der Spiegel wieder zur
Jagd geblasen. Nach über einem halben Jahr Recherche haben die Spiegel-Redakteure
Richard Rikkelmann und Klaus Wirtgen nun einen zweiten Anlauf gegen den
Kanzleramtsminister genommen. In der vergangenen Woche präsentierten
sie zunächst die Aussagen des einstigen Vorstandsmitglieds der Veba-Immobilien,
Michael Kretschmer. Der hatte vor der Bochumer Staatsanwaltschaft ausgesagt,
daß Vorstandschef Staender ihm über Hombachs Finanzierungsschwierigkeiten
berichtet habe. Kretschmer solle sich des dilettierenden Häuslebauers
hilfreich annehmen, so der heutige Geschäftsführer der Bundesbaugesellschaft
Berlin. Das habe er zusammen mit Bauleiter Hebers auch getan. Hebers habe
arrangiert, daß ein Teil der beim Hausbau angefallenen Kosten - nach
Kretschmer ein sechsstelliger Betrag - nach der üblichen Veba-Methode
verrechnet worden sei. Der Coup sei so geschickt eingefädelt gewesen,
daß nicht einmal der Begünstigte selber Lunte gerochen haben
soll.
Allerdings wirkte der Artikel trotz
des neuen Zeugen merkwürdig blutleer. Das hatte einen Grund: Der Spiegel,
angeführt von Chefredakteur Stefan Aust, hatte sich vor dem Erscheinen
der Geschichte mit Hombach im Kanzleramt getroffen, um ihn mit seinen Recherchen
zu konfrontieren. Darüber, ob der Minister die Vorwürfe tatsächlich
vollständig ausräumen konnte, waren die Meinungen im Augstein-Blatt
geteilt. Den anschließend veröffentlichten Artikel verantwortete
die Chefredaktion. Und die dementierte die eigene Enthüllungsstory
bereits im Vorspann: "Für diese Behauptung fehlen bislang Beweise."
Und am Schluß heißt es: "Bislang konnte Hombach alle zusätzlichen
Indizien für eine Vorteilsnahme ausräumen - so auch in einem
mehrstündigen Gespräch mit dem Spiegel." Die ursprünglichen
Autoren Rikkelmann und Wirtgen sahen das anders und hatten sich daher geweigert,
ihren Namen unter den entschärften Text zu setzen.
Inzwischen scheint auch Chefredakteur
Aust nicht mehr gänzlich von der Unschuld Hombachs überzeugt
zu sein. Denn die neuen Aussagen von Ex-Bauleiter Hebers vor der Bochumer
Staatsanwaltschaft bestätigen die Ausführungen Michael Kretschmers.
Hombach bestreitet weiterhin vehement
alle Vorwürfe. Gegenüber dem Spiegel drohte er forsch: "Gegen
jeden, der behauptet, ich hätte von einer solchen Praxis gewußt,
werde ich umgehend Strafanzeige erstatten." Schließlich sei ihm gegenüber
zu keinem Zeitpunkt "auch nur die Andeutung für eine Bevorzugung gemacht
worden".
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