 |
 |
Inland Nachrichten
Schwarz-grün verfilzt
Acht Monate vor den Kommunalwahlen
ist die schwarz-grüne Koalition in Mülheim an der Ruhr gescheitert.
Die CDU hat den Grünen die Partnerschaft aufgekündigt. "Es macht
keinen Sinn, den Schein eines schwarz-grünen Bündnisses zu wahren,
wenn es eine grüne Blockade gegen die ehemaligen gemeinsamen schwarz-grünen
Inhalte gibt", begründeten CDU-Stadtchef Andreas Schmidt und der Ratsfraktionsvorsitzende
Johannes Brands in einer gemeinsamen Erklärung den Ausstieg der Christdemokraten.
Die erste und bislang einzige schwarz-grüne Koalition, angetreten
als "Notgemeinschaft gegen SPD-Filz und Genossenfilz", scheiterte an der
Besetzung der Geschäftsführerstelle der stadteigenen Mülheimer
Stadtwerbung und Tourismus GmbH. Die grüne Ratsfraktion hatte sich
nicht dazu durchringen können, geschlossen für den christdemokratischen
Kandidaten, den CDU-Kreisgeschäftsführer Stefan Zowislo, zu stimmen.
Da auch aus den Unions-Reihen mit Gegenstimmen gerechnet werden mußte,
hätte der CDU-Mann keine Mehrheit im Rat gefunden. Der grüne
Bürgermeister Wilhelm Knabe, einst Bundessprecher seiner Partei, bereut
den schwarz-grünen Versuch nicht: "Das Bündnis ist die einzige
Chance, eine neue Politik jenseits der SPD im Revier zu ermöglichen."
Allerdings sieht es zur Zeit nicht danach aus, als würde es nach den
Kommunalwahlen im September zu einer Neuauflage der Verbindung kommen:
In Umfragen wird der Mülheimer SPD inzwischen wieder eine satte absolute
Mehrheit vorausgesagt.
Bayerische Manager-Weisheiten
Ein Manager weiß, daß
keiner ihn liebt, wenn allein das Gerücht über seine Absetzung
der Unternehmensaktie Kursgewinne von sieben Prozent innerhalb von 24 Stunden
bringt. So etwas durfte am Donnerstag vergangener Woche Noch-BMW-Chef Bernd
Pischetsrieder erleben. Daß ihn die Shareholder nicht lieben, war
dem Ingenieur Pischetsrieder klar: Verluste von mehr als 700 Millionen
Euro (rund 1,4 Milliarden Mark) fuhr die Nobel-Prolo-Marke mit einem Jahresumsatz
von mehr als 63 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ein, 1999 soll es Analysten
zufolge nicht sehr viel besser aussehen. Vor allem der Kauf des britischen
Autoherstellers Rover ein Jahr nach Pischetsrieders Amtsantritt 1993 stellte
sich als verlustreiches Geschäft heraus. Als der Vorstandsvorsitzende
dann auch noch eigene Führungsschwächen zugab und Versäumnisse
bei der Sanierung der britischen Werke eingestand, war sein Schicksal eigentlich
schon besiegelt. Dabei ist Pischetsrieder für das Minusgeschäft
längst nicht allein verantwortlich. Aufsichtsratsvorsitzender Eberhard
von Kuenheim galt in der Konzernzentrale am Münchener Olympiagelände
lange Zeit ebenfalls als großer Fan der Fusion. Doch Kuenheim, der
seinen Posten seit 20 Jahren unangefochten innehat, ist beliebt, Pischetsrieder
war es zuletzt nicht mehr. Klar, wer in einem solchen Fall den Metzger
spielen darf und wer das Lämmlein. Schon am Freitag mußte Pischetsrieder
den Gang zu einer von Kuenheim eilends einberufenen Sondersitzung des Aufsichtsrats
machen, wo er nach acht schweren Stunden erfuhr, daß für ihn
bei BMW künftig kein Bedarf mehr besteht. Ein Trost bleibt Pischetsrieder
vielleicht doch noch: Entwicklungsvorstand Wolfgang Reitzle muß ebenfalls
gehen. Reitzle, der zum Lager der Fusionsgegner zählte, hatte sich
schon als Pischetsrieders Nachfolger feiern lassen. Und so etwas lieben
die Shareholder auch nicht.
Politiker rechnen
Bayerns Innenminister Günther
Beckstein ist, wie wir wissen, ein ganz ein gescheiter. Mit einem Ausländeranteil
von 8,9 Prozent, rechnete er vor, nehme Deutschland einen "Spitzenplatz
in Europa" ein. Daß die Bundesrepublik sofort ins hintere Mittelfeld
zurückfallen würde, wenn sie wie andere Länder jedem, der
eine Weile hier wohnt, auch einen Paß ausstellen würde, paßt
Beckstein nicht ins Argument, also sagt er es auch nicht. Denn insgeheim
hält der CSU-Mann natürlich auch einen Ausländer mit deutschem
Paß für einen Ausländer. Damit gar niemand erst in Versuchung
kommt, solche durchmischten Zustände herzustellen, brachte Beckstein
im Bundesrat einen Entschließungsantrag zur Zuwanderungsbegrenzung
ein. Am Freitag vergangener Woche scheiterte das Gesetz an der SPD-Mehrheit
in der Länderkammer. Ein Fehlschluß wäre es allerdings,
die Sozialdemokraten deswegen insgesamt für vernünftige Leute
zu halten. Bundesinnenminister Otto Schily lehnte bei gleicher Gelegenheit
ein Zuwanderungsgesetz, wie es die Grünen fordern, mit dem Argument
ab, ein solches Gesetz würde "Hoffnungen bei Einwanderungswilligen
wecken", selbst wenn die Zuzugsquote auf Null gesetzt werde. Und da sage
noch einer, in Bayern ist das Abitur besonders schwer zu bekommen.
Gründlich zivilisiert
103 Tage nach dem Amtsantritt des
grünen Außenministers Joseph Fischer meldet die Frankfurter
Rundschau, daß Kurden in der Türkei nach bisherigen Lageberichten
des Auswärtigen Amtes "nicht allein aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit
als verfolgt gelten". Eine Dokumentation, welche Fischers Grüne Partei
in Zusammenarbeit mit türkischen Menschenrechtsvereinen erstellt hat,
schildert dagegen allein für das Jahr 1998 sieben Fälle, in denen
die abgeschobenen Kurden bei ihrer Ankunft in der Türkei festgenommen
wurden, "verschwanden" oder wegen politischer Delikte angeklagt wurden.
Beobachter, so die FR, rechneten damit, daß der Lagebericht des Auswärtigen
Amtes "in Teilen" eine Korrektur erfahren werde - mit einem Abschiebestopp
rechnen die Beobachter offenbar nicht.
Geglückter Ernstfall
Das Bundesministerium für Verteidigung
hat Berichte über gravierende Mängel an der Sicherheitsausrüstung
der Tornado-Kampfflugzeuge zurückgewiesen. Die Oldenburger Nordwestzeitung
hatte berichtet, nach Betätigung der Schleudersitze seien die an den
Fallschirmgurten befestigten Rettungsboote weggerissen worden. Von den
beiden bei einer Kollision zweier Tornado-Jets vor der Nordseeinsel Norderney
ums Leben gekommenen Soldaten fehlte am Sonntag noch jede Spur.
Teurer Rechtsextremismus
Einen Aufmarsch von rund 1 000 Anhängern
der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" haben in Kiel etwa
500 linke Gegendemonstranten verhindert. Die Antifaschisten verursachten
Sachschaden in Millionenhöhe, als sie während der Neonazi-Veranstaltung
Mülltonnen anzündeten, Scheiben einwarfen und Autos zerstörten.
Der NPD-Aufmarsch mußte deswegen vorzeitig abgebrochen werden.
-
Die Nachrichten wurden
von Dietl, Beucker, Schraven und Spannbauer zusammengestellt
|