Neue Solidarität
für Clinton
Die "Bürgerrechtsbewegung
Solidarität" macht gegen "britisch-jüdische Verschwörung"
mobil
Helga Zepp-LaRouche
ist eine Frau, die sich keine falsche Zurückhaltung nachsagen lassen
will. "Helfen Sie mit, den Putsch gegen Präsident Clinton zu vereiteln!
Ihr Leben hängt davon ab." Daß sich die Bundesvorsitzende der
deutschen Bürgerrechtsbewegung Solidariät (BüSo) ernsthaft
um die Zukunft ihrer Mitmenschen sorgt, hat einen einfachen Grund: Die
Frau mit dem etwas außergewöhnlichen Namen will die Anführer
im Kampf gegen den US-amerikanischen Präsidenten und seine sexuellen
Vorlieben als Teil einer "britisch-jüdischen Verschwörung" enttarnen.
Seit Anfang Januar
agitiert die Ehefrau des Millionärs Lyndon H. LaRouche deutsche und
US-Bürger in einem offenen Appell. "Alle Vorwürfe sind (...)
an den Haaren herbeigezogen. Am Anfang stand eine britische Geheimdienstopereation
des Schreiberlings Ambrose Evans-Pritchard", informiert die BüSo-Chefin,
dessen "dunkle Machenschaften" den "Whitewater-Skandal" auslösten,
der in den "Paula-Jones-Skandal" überging, welcher in den "Lewinsky-Skandal"
mündete.
Im Hintergrund dieser
Armada von Skandalen, mit denen William Clinton an den Kragen gegangen
werden soll, steht für Zepp-LaRouche "die internationale Finanzoligarchie
und ihre 'fünfte Kolonne'" in US-Präsidentenhaus und Senat, die
aus der "amerikanischen Republik" eine "englische Kolonie" machen wolle.
Freilich gefährden die Verschwörer nicht nur die Vereinigten
Staaten, sondern die ganze Welt.
"Wir steuern geradezu
auf einen Atomkrieg zu", versichert sie. "Nachdem der auf's Bombenwerfen
versessene britische Premierminister Tony Blair und der Einflußagent
der Republikaner, Al Gore, die Bombardierung des Iraks anzettelten, (...)
könnte der Einsatz israelischer Atomwaffen" einen Atomkrieg auslösen.
Es wäre nicht das erste Mal, daß diese "unheilvollen Kräfte"
wirken würden. "Al Gore, ein enger Freund Tony Blairs", sei "de facto
ein Agent der gleichen Kräfte (...), die Hitler an die Macht brachten".
Verwunderlich, daß
die BüSo-Vorsitzende ausgerechnet die Nationalsozialisten herbeizitiert,
um sich gegen "unheilvolle Kräfte" in Szene zu setzen. Schließlich
arbeitet das Ehepaar LaRouche beständig selbst an einem braunen Netzwerk.
ImNovember 1992 gründete Frau Zepp-LaRouche die BüSo als Nachfolgepartei
der "Patrioten für Deutschland". Die rund 700 Mitglieder der in Mainz
ansässigen Organisation sind fest in die "LaRouche-Connection" eingebunden.
Im Laufe mehrerer
Jahre hat das Paar ein multinationales Geflecht von Verlagen und Institutionen
aufgebaut. Mit dabei: die 1974 ins Leben gerufene Europäische Arbeiterpartei
(EAP). Beziehungen bestehen auch zum Ku-Klux-Klan und zum Kroatischen Nationalrat.
Über das Hauptorgan
der LaRouche-Parteien, die Neue Solidarität, für das eine Gabriele
Liebig verantwortlich zeichnet, wird wöchentlich Lyndon H. LaRouches
ökonomische "Patentlösung" propagiert. Und die trägt eine
eindeutige Handschrift: Mit "harter Hand" müsse durchgegriffen und
zwischen "schaffendem und raffendem Kapital" unterschieden werden.
An Äußerlichkeiten
will sich LaRouche hier nicht aufhalten: "Es ist nicht notwendig, braune
Hemden zu tragen, um Faschist zu sein (...). Es ist nicht notwendig, ein
Hakenkreuz zu tragen, um ein Faschist zu sein (...). Es ist nicht notwendig,
sich selbst Faschist zu nennen, um einer zu sein. Es ist einfach notwendig,
einer zu sein!"
Beim BüSo ist
man derweil mit bescheideneren Aufgaben beschäftigt. In den USA und
in Deutschland sammelt die Partei Unterschriften für Clinton. "Wir
versichern Ihnen, Herr Präsident, unsere volle Unterstützung",
verkündet die Organisation und fordert, "endlich" den "hochgeschätzten"
LaRouche zum Wirtschaftsberater von Clintons Administration zu ernennen.
"Die Unterschriftenaktion ist ein großer Erfolg", möchte eine
Sprecherin der Bundesgeschäftsführung Glauben machen: "Wir bekommen
von überall her sehr viel Zuspruch. Voraussichtlich werden wir 150
000 Unterschriften sammeln". Voraussichtlich. Wann die Listen im Weißen
Haus eingereicht werden sollen, konnte sie nicht sagen.
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