Arbeit & Kapital Nachrichten
Gib mir Arbeit!Die Deutschmark ist Geschichte, sie ist ab Januar nur noch ein Äquivalent des Euro. Kein Grund für die Gewerkschaften, nicht doch ein paar Märker mehr für das Portemonnaie der Kollegen und Kolleginnen, die noch nicht rausgeflogen sind, zu fordern. Also gilt für 1999: Ende der Bescheidenheit, 6,5 Prozent mehr Lohn! Vergessen die Tage, als sie noch vor Kohl kuschten und Oskar Lafontaine sie auffordern mußte, für mehr Lohn zu streiten. Wegen der Binnennachfrage. Die wird bald durch ein paar Mark Lohnsteuern weniger und ein paar Euro mehr für das Kindergeld genug stimuliert sein.
Deswegen wird - trotz aller kämpferischen Posen - bei den Tarifverhandlungen nicht viel mehr herauskommen. Schließlich soll das mit dem Bündnis für Arbeit auch noch irgendwie klappen. Wer wollte da die Geber verärgern? Gar Solidaritätsstreiks mit europäischen Kollegen und Kolleginnen anzetteln? Nix da! Für dich bin ich zu allem bereit, Arbeitgeber, gib mir Arbeit!
Prima Stimmung bei Jagodas
Wieviel dürfen es denn nun sein: Sind auch im nächsten Jahr mehr als vier Millionen ohne Job, wie Bernhard Jagoda, Präsident der Bundesanstalt für Arbeitslose, vergangene Woche in der Bild am Sonntag verkündet hatte? Oder werden es irgendwann doch noch weniger als drei Millionen sein, wie einige Tage später überraschend seine neue Prognose lautete? Noch bestehe Anlaß zur Hoffnung, gab Jagoda zu bedenken - wenn es "gelingt, die Krise in Rußland und Südostasien in den Griff zu bekommen", und wenn das Bündnis für Arbeit "die Stimmung in Deutschland" deutlich verbessern würde.
Grüne Cops
Daß Schröder, DGB und Unternehmer für Stimmung sorgen werden, wenn sie im nächsten Jahr ihren Bund für mehr Arbeit besiegeln, kann schon jetzt als sicher gelten. Vorerst wird das Programm noch in Modellprojekten getestet. Wie z.B. den "Öko-Cops" in Berlin. Ab Frühjahr soll die neue Hauptstadt-Einheit präventive Maßnahmen gegen Häufchen und Schmierereien durchführen, Straftäter festsetzen und zur allgemeinen Müllvermeidung beitragen. Die Grün-Cops erhalten spezielle Uniformen und werden mit Handys ausgerüstet. Allerdings sind vorher noch einige rechtliche Fragen wegen der ungewöhnlichen Arbeitszeiten zu regeln. Um skrupellose Hundebesitzer in flagranti zu erwischen, müssen sich die Cops frühmorgens und spätabends auf die Lauer legen.
Freunde der Eisenbahn
Sind es die absurden Preise - von Hamburg aus ist ein Flug nach Mallorca billiger als ein ICE-Ticket ins öde Baden-Baden - oder die permanenten Pannen, die auch den gutmütigsten Schienenfreund irgendwann in den Wahnsinn treiben? Vermutlich sind es keine genervten Kunden, sondern unzufriedene Mitarbeiter, die derzeit die Deutsche Bahn AG erpressen. Das meinte jedenfalls ein BKA-Experte gegenüber der Berliner B.Z.: "Das war das Werk von Profis". Nach mehreren Anschlägen, bei denen u.a. vergangene Woche ein Güterzug entgleiste, erhielt das Unternehmen jetzt ein Schreiben von den "Freunden der Eisenbahn". Zehn Millionen Mark - oder sie schrauben weiter an den Gleisen.
Schöne Aussichten für 1999
Wie die Weltwirtschaft sich im nächsten Jahr entwickelt, hängt vor allem von den Entwicklungen in Rußland, Asien und von Clintons Schicksal ab. Eine Studie, die u.a. vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin vorgelegt wurde, geht davon aus, daß sich der katastrophale Zustand Rußlands 1999 noch weiter verschlechtern werde. Auch in Japan ist keine grundlegende Änderung in Sicht. Die OECD warnte jetzt vor zusätzlichen Problemen, die durch die mögliche Amtsenthebung des amerikanischen Präsidenten entstehen könnten. Einen erneuten Börsencrash, ausgelöst durch eine politische Krise in den USA, würde die Weltwirtschaft nur schwer verkraften.
Mit dem Hendl um die Welt
Sein Aufstieg war legendär, das Ende weniger. Friedrich Jahn schaffte es vom Tellerwäscher zum Millionär - und anschließend wieder zurück. Der enge Freund von Franz Josef Strauß eröffnete 1955 auf dem Höhepunkt der Freßwelle das erste Wienerwald-Restaurant in München, zwanzig Jahre später umfaßte seine Kette bereits mehr als 2 000 Filialen. Dann packte ihn der Größenwahn: Mit seinen Hühnchen wollte er auch die restliche Welt erobern. Doch mit der Expansion deutscher Eßkultur in die USA hatte er sich gewaltig überschätzt. Aus der Weltherrschaft des Münchner Hendl wurde nichts. Am Ende war er pleite und mußte sein Imperium verscherbeln. Jetzt weilt er im Hendl-Himmel. Jahn starb vergangene Woche in Zürich.
I Die Nachrichten wurden von Landgraf und Rother zusammengestellt