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Ausland Nachrichten
Fortschritte der Mafiotisierung
Am Freitagabend wurde in Petersburg die
demokratische Politikerin Galina Starowoitowa von einem Mann und einer
Frau erschossen, als sie mit ihrem Mitarbeiter Ruslan Linkow ihr Haus betrat.
Linkow liegt mit schweren Gehirnverletzungen im Krankenhaus; es ist unklar,
ob er überleben wird. Starowoitowa gehörte zur Helsinki-Gruppe
um Sacharow, war von 1990 bis 1992 Beraterin von Präsident Boris Jelzin
für Nationalitätenfragen, bis der sie entließ. In jüngster
Zeit hat sie sich mehrfach scharf und öffentlich gegen die antisemitischen
Äußerungen des kommunistischen Duma-Abgeordneten Albert Makaschow
gewandt. Ihre Bewegung "Demokratisches Rußland" beschuldigt laut
FAZ die "Kommunisten-Faschisten" des Mordes, der Petersburger Staatsanwalt
Iwan Sydoruk ermittelt in alle Richtungen.
In Petersburg hat der Wahlkampf allein
im Oktober vier Tote gefordert: einen Mitarbeiter des kommunistischen Duma-Vorsitzenden
Selesnjow - ein weiterer wurde schwer verletzt -, einen Ex-Mitarbeiter
eines Abgeordneten von Schirinowskis rechtsextremen Liberaldemokraten,
ein führendes Mitglied der Petersburger Stadtverwaltung.
Offiziell wurden in Rußland seit
1993 fast 2 500 Menschen von Auftragskillern ermordet, lediglich 320 Morde
wurden aufgeklärt. Und bei diesen, so wird gemunkelt, wurde der eine
oder andere falsche Schuldige präsentiert.
Wilde Jugend
Zum 25. Jahrestag des Aufstandes am Polytechnikum
in Athen formiert sich in Griechenland eine neue Studibewegung. Ausgehend
von der Forderung nach freien Studentenwahlen, gab es Demos in Athen, und
das Polytechnikum wurde am 15. November besetzt - zunächst von etwa
300 Leuten, dann wuchs die Zahl auf 3 000. Vor dem Polytechnikum fanden
sich nach unterschiedlichen Schätzungen 20 000 bis 30 000 Unterstützer
und Sympathisanten ein. Mitte der vergangenen Woche wurde die besetzte
Uni von Polizei und Armee geräumt. Bereits seit einigen Wochen werden
aus Protest gegen ein neues Bildungsgesetz Schulen und Universitäten
im ganzen Land besetzt - in Thessaloniki sind es mittlerweile 35 Schulen,
in Athen drei. Die Schüler, Studenten und Lehrer verlangen die Beibehaltung
der kostenlosen Ausbildung an Schulen und Universitäten sowie eine
Mitbestimmung bei der Frage nach den Zielen der Bildungspolitik in Griechenland.
Für den 26. November hat die Lehrergewerkschaft Olme zu einem landesweiten
Aktionstag aufgerufen, am 7. Dezember soll ein eintägiger Streik folgen.
Der Kommunistischen Partei Griechenlands
(KKE) schienen die Protestaktonen jedenfalls nicht zu gefallen: Am Dienstag
vergangener Woche schlugen KKE-Ordner bei einer Demonstration zum Gedenken
an die Polytechnikum-Räumung im Jahre 1973 gemeinsam mit Beamten der
Polizei-Sondereinsatztruppe MAT auf einen Block der Agria Neolaia (Wilde
Jugend) ein. 153 Demonstranten wurden bei der kommunistisch-polizeilichen
Gemeinschaftsaktion festgenommen. KKE und MAT begründeten ihr Vorgehen
damit, daß aus diesem Block heraus "möglicherweise Gewalttaten
verübt werden" sollten.
Schamanenträume
Der kalmückische Präsident Kirsan
Ilumschinow, Oberhaupt von 327 000 Menschen, macht sich Gedanken, aus der
russischen Provinz einen souveränen Staat zu machen. Seit Monaten
habe Kalmückien kein Geld mehr aus dem Haushalt der Russischen Föderation
erhalten und sei damit de facto kein Teil derselben mehr. In russischen
Zeitungen wurden sorgenvoll Parallelen zu Tschetschenien gezogen. Ilumschinow
ist ein origineller Zeitgenosse: In seiner Studienzeit war er aktiv als
Schamane tätig, vor vier Jahren scheiterte er mit dem Versuch, die
Moon-Sekte zur Staatskirche zu machen.
Im Rückwärtsgang
Noch vor wenigen Wochen zeigten sich demokratische
Abgeordnete im Repräsentantenhaus der USA reihenweise als Kritiker
ihres Präsidenten William Clinton. Nun sind es die Republikaner, die
sich auf die Seite der gegnerischen Partei schlagen. Der Republikaner Peter
King behauptete, er kenne mindestens 20 Abgeordnete, die nicht für
ein Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton votieren würden. Den Parteifreunden
des republikanischen Sonderermittlers Kenneth Starr ist aber nicht ganz
plötzlich die Absurdität ihres Vorhabens bewußt geworden,
einen Präsidenten des Amtes entheben zu wollen, der offensichtlich
nichts anderes getan hat, als sich außerehelichem Sex hinzugeben
und dies anschließend zu vertuschen. Die Republikaner wissen seit
den Wahlen zum Repräsentantenhaus vom 3. November, als sie deutliche
Verluste einfuhren, daß auch die Wählerschaft ein solch plattes
Spiel durchschaut. Spätestens am vergangenen Freitag, als Starr in
seiner mit Spannung erwarteten Vernehmung vor dem Rechtsausschuß
des US-Kongresses keine neuen Erkenntnisse vorlegen konnte, begann der
geregelte Rückzug der moralischen Offensivkräfte. Starrs Berater
für ethische Fragen, Sam Dash, legte sein Amt nieder und das dürfte
nur der Anfang einer Isolierung Kenneth Starrs sein. Und eine Amtsenthebung
Clintons wird immer unwahrscheinlicher.
Ins Gefängnis I
Zum ersten Mal verurteilte ein spanisches
Gericht einen Neonazi wegen Leugnung des Holocausts und Anstiftung zu Rassismus
und Antisemitismus. Pedro Valera, der in seinem Buchladen in Barcelona
Nazi-Bücher und rassistisches Propagandamaterial verkauft und an Nazis
in ganz Europa verschickt, muß nach dem Urteilsspruch für fünf
Jahre ins Gefängnis und umgerechnet rund 9 000 Mark zahlen. Das Strafgericht
Barcelona wendete damit erstmals einen seit 1996 geltenden Paragraphen
an, wonach auch die rassistisch motivierte Anstachelung zu Gewalt gegen
Bevölkerungsgruppen strafbar ist.
Der 42jährige Neonazi Valera, letzter
Vorsitzender der mittlerweile aufgelösten rechtsextremen Gruppe Cedade,
war im Dezember 1996 festgenommen worden, nachdem die Polizei in seiner
Buchhandlung "Librer'a Europa" mehr als zwanzigtausend Bücher sowie
mehrere hundert Videokassetten antisemitischen und rassistischen Inhalts
und weiteres Nazi-Material beschlagnahmt hatte. Valeras Anwalt kündigte
an, er werde unter Berufung auf die Pressefreiheit vor dem spanischen Verfassungsgericht
in Berufung gehen.
Ins Gefängnis II
Das Kassationsgericht, die oberste italienische
Berufungsinstanz, hat am Montag vergangener Woche die Berufung des ehemaligen
SS-Offiziers Erich Priebke abgelehnt. Die Verurteilung von Priebke und
seines SS-Kollegen Karl Hass zu lebenslanger Haft ist damit rechtskräftig.
Beide waren 1944 an der Erschießung von 335 italienischen Geiseln
in der Nähe Roms beteiligt. Einen Tag nach der Entscheidung wurde
Priebke, der bis dahin unter Hausarrest stand, in ein Militärgefängnis
gebracht.
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Die Nachrichten wurden von Beier,
Dreis und Sedlmayr zusammengestellt
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