Arbeit & Kapital Nachrichten
Schmarotzer I
"Brauchen wir Fahnder vom Amt?" fragt Bild
und Ernst Kolbe, Lagerarbeiter in Hannover, antwortet: "Meine Familie muß
mit 1 990 Mark netto im Monat auskommen, andere schmarotzen sich durch."
Da kocht das Blut des Volkes: "Sozialmißbrauch - die große
Wut der Deutschen".
Schmarotzer II
Das hat jetzt auch die Politik erkannt.
Familienministerin Christine Bergmann (SPD) verlangt in Bild härteres
Vorgehen gegen Schwarzarbeiter und illegale Ausländerbeschäftigung.
CDU-Mittelstands-Chef Peter Rauen sagt: "Experten der Sozialämter
müssen schärfer gegen Sozialschmarotzer vorgehen." Die Grünen-Wirtschaftsexpertin
Michaela Hustedt erklärt: "Wer Arbeitslosengeld bezieht und schwarzarbeitet,
betrügt die Solidargemeinschaft. Da helfen nur scharfe Kontrollen."
Einige Modellversuche, wie z.B. in Berlin-Neukölln, haben bereits
Erfolg gezeigt. Sogenannte Bedarfskontrolleure kommen unangemeldet in die
Wohnung von Sozialhilfeempfängern und prüfen deren Bedürftigkeit.
Andere sind da schon weiter. "Auf einer speziellen Telefon-Hotline kann
jeder anonym Sozialschmarotzer anzeigen." Leider bisher nur in Texas, bedauert
Bild.
Deutsche Banken
Die Deutsche Bank und die Dresdner Bank
werden die Abweisung der in New York anhängigen Schadensersatzklage
von Holocaust-Opfern beantragen. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte
vergangene Woche, es gebe keine Grundlage für eine Klage. Die Bank
werde dazu einen detaillierten Bericht über ihre Rolle während
der Nazi-Diktatur und die Zeit nach 1945 veröffentlichen. Außerdem
beabsichtige sie, ihren "konstruktiven Dialog" mit dem Jüdischen Weltkongreß
fortzusetzen.
Einen Tag nach dieser Erklärung hat
die Enkelin einer in einem deutschen KZ ermordeten Frau die Deutsche Bank
vor einem US-Gericht in New York auf rund 400 Millionen Dollar Schadensersatz
verklagt. Sie begründete ihre Klage damit, daß ihre Großmutter
von den Nazis gezwungen worden sei, den Besitz ihrer Familie in Ostdeutschland
abzutreten. Kurz vor der Deportation in das KZ Theresienstadt habe sie
der Deutschen Bank eine Vollmacht für den Familienbesitz und alle
Konten ausgestellt.
No Sun I
Microsoft steht unter heftigem Beschuß:
Nachdem wichtige Zeugen der Anklage im "Jahrhundert-Prozeß" der US-amerikanischen
Kartellbehörde den Software-Riesen schwer belastet hatten (Jungle
World, Nr. 46/98), verlor Microsoft Anfang vergangener Woche auch noch
den Prozeß gegen den Konkurrenten Sun. Nach der Einstweiligen Verfügung
eines kalifornischen Gerichts muß Bill Gates binnen 90 Tagen alle
Produkte, die mit der Internet-Progammiersprache Java laufen, entweder
modifizieren oder Java vollständig aus den Betriebssystemen tilgen.
Von der Entscheidung sind auch die Vorzeigesysteme von Microsoft, Windows
98 und der Internet Explorer 4.0, betroffen. Innerhalb von zwei Wochen
sollen die Redmonder Computerfritzen erklären, wie sie die Auflage
erfüllen wollen.
Kurz nach der Niederlage gegen Sun geriet
Microsoft wegen einem weiteren Vorwurf zusätzlich unter Druck. Der
Softwarekonzern erwägt offenbar, ab dem Jahr 2001 eine Nutzungsgebühr
für sein Betriebssystem "Windows" zu verlangen. Ein entsprechendes
internes Dokument wurde in dem Kartellverfahren in Washington vorgelegt.
Microsoft erklärte, es handele sich dabei bisher nur "um eine Idee",
die vermutlich nicht verwirklicht wird.
No Sun II
Auch in Deutschland wird am Thron von Bill
Gates gesägt: Der Hamburger Software-Hersteller Star Division gibt
sein Büro-Software-Paket "Star Office 5.0", das dem Microsoft Office-Programm
stark ähnelt, künftig gratis ab. Unter www.stardivision.de kann
"Star Office" von jedem Internet-User heruntergeladen werden. Bislang war
das Programm für 500 Mark zu haben - Microsoft Office kostet im Laden
1 200 Mark.
New Social Democrats
Die Sozialdemokraten unter den EU-Finanzministern
wollen zwei halbe Kugeln zum Rollen bringen. So jedenfalls kann man den
österreichischen Finanzminister Rudolf Edlinger verstehen, der am
Sonntag in Brüssel ein gemeinsames Papier aller sozialdemokratischen
EU-Finanzminister vorstellte. Die Währ-ungspolitik der Europäischen
Zentralbank (EZB) und die weiterhin unter natinaler Verantwortung stehende
Wechselkurspolitik seien zwei Hälften einer Kugel, erklärte Edlinger.
Das Papier zur Wirtschafts- und Finanzpolitik
in der Währungsunion, das auch Oskar Lafontaine unterzeichnet hat,
wurde bereits während der britischen EU-Präsidentschaft initiiert
und trägt nicht nur dem Titel nach ("Der Neue Europäische Weg")
eine "New Labour"-Handschrift: Zwar wollen die sozialdemokratischen Kassenwarte
die Wirtschafts-, Finanz-und Steuerpolitik stärker koordinieren und
die Lohn- und Preispolitik mit Arbeitgebern und Gewerkschaften abstimmen.
Auch ermahnen sie die EZB, daß die Geldpolitik der Beschäftigung
zu dienen habe. Andererseits schwört das Papier das sozialdemokratische
Europa auf eine Fortsetzung der bisherigen "Stabilitätspolitik" ein;
es lobt die "positive Wirkung der Liberalisierung des Kapitalverkehrs",
befürwortet "härtere Maßnahmen zur Eindämmung" von
Budgetdefiziten und will sozialstaatliche "Rechte mit Pflichten verbinden".
Stabile Weihnachtsbäume
Fröhliche Menschen bei einer segensreichen
Arbeit: Nach den vielen Meldungen über Schmarotzer und große
soziale Not endlich eine gute Nachricht. Die Preise für Weihnachtsbäume
bleiben dieses Jahr stabil. Wie die Weihnachtsbaumverbände aus acht
Bundesländern mitteilten, kosten auch 1998 die normale Fichte zwölf
Mark und Blaufichten 25 Mark pro Meter.
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Die Nachrichten wurden von Landgraf,
Meseth und Sedlmayr zusammengestellt
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