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Inland Nachrichten
Bundeswehr, ab nach Skopje
Nun also doch: Nachdem es wegen des überraschendens
Einlenken Belgrads in der Kosovo-Krise Mitte Oktober mit dem Nato-Einsatz
in Jugoslawien nicht klappte, kann die Bundeswehr ihr Engagement auf dem
Balkan jetzt doch noch erweitern. Der Bundestag beschloß in der letzten
Woche die Stationierung von 250 Bundeswehr-Soldaten in Mazedonien, um dort
innerhalb der Nato-Schutztruppe "Extraction Force" den Einsatz der OSZE-Beobachter
im Kosovo militärisch abzusichern. 555 Abgeordnete stimmten für
den Einsatz, lediglich die PDS-Parlamentarier votierten dagegen. Grund
genug für Außenminister Joseph Fischer, die Entscheidung nicht
nur als "alternativlos richtig" zu bezeichnen, sondern auch noch der PDS
vorzuwerfen, daß deren Fraktion die Zustimmung zu einer möglichen
Evakuierung der OSZE-Beobachter verweigere. Zu kleineren Auseinandersetzung
kam es dann noch während der Debatte über den Einsatz der Bundeswehr-Eliteeinheit
"Kommando Spezialkräfte" (KSK). Redner von CDU/CSU und FDP forderten
deren Einsatz, während Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD)
eine Entsendung der Spezialtruppe vorerst ablehnte.
Grüner Arbeitsmarkt
Stellt euch vor, bei den Grünen gibt's
'nen Job und keiner will ihn. Im letzten Moment hat am Freitag vergangener
Woche nun auch noch die nordrhein-westfälische Landesvorstandssprecherin
Barbara Steffens einen Rückzieher gemacht und erklärt, sie wolle
die Nachfolge des ehemaligen Grünen-Sprechers Jürgen Trittin
(jetzt Umweltminister) nicht antreten. Nachdem vorher schon die Berliner
Fraktionschefin Renate Künast als Anwärterin auf den Posten der
Bundesvorstandssprecherin verzichtete, hat die Partei nun ein ernsthaftes
Problem. Schließlich soll neben die sichere Kandidatin Gunda Röstel,
die zum reaktionären Flügel der Ökos zählt, noch eine
Parteilinke auf den Sprecherposten gesetzt werden. Ein zweites Problem:
Männliche Bewerber sind stinkig und wollen sich nicht mehr bewerben,
nachdem der Frauenrat mit der Nominierung von Barbara Steffens hatte durchblicken
lassen, daß sie eine weibliche Doppelspitze favorisieren.
Kessel vor Gericht
Weil er sich mit der Einkesselung von rund
200 Demonstranten durch die Polizei nicht so recht abfinden wollte, muß
sich der nordrhein-westfälische grüne Bauminister Michael Vesper
nun möglicherweise vor Gericht verantworten. Am 25. Oktober löste
die Polizei in Bonn eine Kundgebung gegen den parallel zum Grünen-Parteitag
stattfindenden NPD-Aufmarsch auf, nachdem die Demonstranten eine Mülltonne
in Brand gesetzt hatten. Gemeinsam mit der grünen Landtagsvizepräsidentin
von Nordrhein-Westfalen, Katrin Grüber, und dem Grünen-Fraktionssprecher
Roland Appel schaltete sich Vesper danach in die Verhandlungen mit der
Bonner Polizeiführung ein, um die Freilassung der Eingekesselten zu
erwirken. Die CDU-Opposition im Düsseldorfer Landtag warf Vesper daraufhin
vor, Polizisten eingeschüchtert und unzulässigen Einfluß
auf die Beamten genommen zu haben. In der letzten Woche nun stellten die
CDU-Abgeordneten Ruth Hieronymi und Heinz van Schewick Strafantrag gegen
Vesper wegen "Nötigung oder gegebenenfalls Mitwirkung zur Strafvereitelung".
Vesper nannte das Vorgehen "politische Schaumschlägerei".
Auseinanderlegung jetzt
Die genauen Umstände, die zum Tode
des 16jährigen Inders Harvinder Singh Cheema in der Jugendhaftanstalt
Halle/Saale führten, sind weiter unklar. Cheema war am 18. September
über Rußland und Tschechien nach Halle gekommen, wo die Polizei
ihn am 20. September aufgriff und in die Jugendhaftanstalt sperrte. Zwei
Wochen später stellte er einen Asylantrag, der jedoch umgehend abgelehnt
wurde. In der Nacht zum 14. November erhängte sich der junge Mann
in seiner Einzelzelle.
Für die Verantwortlichen in der Magdeburger
Landesregierung ist der Fall damit jedoch noch nicht beendet: Der Notarzt,
der Cheemas Tod feststellte, sagte dem MDR, der 16jährige habe schon
einmal versucht, sich umzubringen. Dem entgegen steht die Darstellung des
Justizministeriums, wonach Cheema sich zu Beginn seiner Haft zwar "zweimal
kleinere, oberflächliche Verletzungen" in der Bauchgegend zugefügt
habe, "die aber keinen Hinweis auf eine Selbstmordgefährdung zuließen".
Auf Anfrage der Jungle World sagte der Sprecher der Justizministeriums,
Dirk Witten, Abschiebehäftlinge würden "grundsätzlich psychosozial
betreut". In der Jugendhaftanstalt Halle gibt es für 350 Insassen
jedoch nur einen einzigen Psychologen. Um die Situation von Abschiebehäftlingen
zu verbessern, überlegt man im Magdeburger Justizministerium nun,
alle Abschiebegefangenen gesondert von anderen Häftlingen in die Justizvollzugsanstalt
Volkstedt zu verlegen, wo mehr Personal zur Verfügung stehe. Die PDS-Fraktion
im Landtag will mehr als nur eine Standortverlegung: Ihr Fraktionsvize
Matthias Gärtner sagte der Jungle World, es werde ein Untersuchungsbericht
zum Suizid Cheemas angefertigt.
Lageabhängiger Verdacht
Eberhard Schönberg, Landesvorsitzender
der Gewerkschaft der Polizei, hat die Schnauze voll davon, daß seine
Kollegen immer "den Umweg über die Frage nach dem Warndreieck gehen"
müssen. Immer wieder kämen die Beamten in die unangenehme Verlegenheit,
Autofahrer nach dem Klappschild oder etwa dem Verbandskasten fragen zu
müssen, damit sie einen kleinen Blick in den Kofferraum werfen dürfen.
Mit diesen lästigen Lügen soll jetzt Schluß sein, findet
auch die Berliner SPD-Innenexpertin Heidemarie Fischer. Deshalb haben sich
Sicherheitsexperten von SPD, CDU und der neue Hauptstadt-Innensenator Eckart
Werthebach (CDU) darauf geeinigt, auf Ausfallstraßen, Bahnhöfen
und Flughäfen auch dann zu kontrollieren, wenn kein begründeter
Verdacht vorliegt. Bisher sind diese Überprüfungen, von "gefährlichen
Orten" und bei "Gefahr im Verzug" abgesehen, dem Bundesgrenzschutz vorbehalten.
Grundlage für die verdachtsunabhängigen Kontrollen, die nun etwas
dezenter "lageabhängige Kontrollen" genannt werden sollen: ein Wahlkampf-Papier
Schilys zur Inneren Sicherheit. Wann diese "Lage" eintritt, darüber
soll der Polizeipräsident entscheiden - auf jeden Fall aber dann,
wenn es gilt, so Frau Fischer, "Schleusern, Zigarettenschmugglern und Autoschiebern"
den Garaus zu machen.
So richtig zufrieden ist nun aber keiner.
Der bündnisgrüne Innenpolitiker Wolfgang Wieland befürchtet
berechtigterweise, daß von den Kontrollen "zu 90 Prozent" Ausländer
betroffen sein werden und spricht angesichts der zahlreichen Diplomaten,
die sich künftig in der Stadt tummeln werden, von einer "Katastrophe".
Polizeigewerkschafter Schönberg hingegen träumt schon mal von
bayrischen Verhältnissen. Dort nämlich hätten die Beamten
eine hohe Trefferquote, weil sie nicht nur auf Ausfall-, sondern auf sämtlichen
Straßen verdachtsunabhängig kontrollieren dürfen.
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Die Nachrichten wurden von Bickel,
Sedlmayr und Vogel zusammengestellt
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