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  18. November 1998 Jungle World
 

Feuilleton Nachrichten

Riewa lenkt ein 

Schwulsein ist doch billiger als berichtet (Jungle World, Nr. 44/98) und kostet nur 5 000 statt 50 000 Mark. Diese Summe hatte Tagesschau-Sprecher Jens Riewa vom Berliner Querverlag gefordert, weil er im Lexikon "Out! - 500 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle" unter dem Stichwort "Veigel" beiläufig erwähnt wird. "Veigel gilt auch als Entdecker und Förderer des ebenfalls schwulen Tagesschau-Sprechers und TV-Moderators Jens Riewa." Jetzt lenkte Riewa, der darauf beharrt, "nicht schwul" zu sein, ein und akzeptierte einen Vergleich. Der Verlag zahlt an eine gemeinnützige Organisation 5 000 Mark, das sind zirka 2 000 Saunabesuche (mit Handtuch/ohne Kabine). 

'Bäckerblume' vom Friseur 

Der schreibende Friseur Gerhard Meir aus München bekommt jetzt sein eigenes Magazin, eine Art Bäckerblume des Friseurhandwerk, das den Namen Le Coup (Untertitel: Gerhard Meirs Magazin) trägt, in Friseurgeschäften verteilt wird und in aufregenden Rubriken wie "Haarspaltereien" über Haarmoden und Lifestyle informiert. Meir, der durch häufiges Besuchen von Prominenten-Partys einen gewissen Bekanntheitsgrad erworben hat, bewirtschaftet seit einiger Zeit bereits die Kolumne "Unser Lieblingsfriseur durchkämmt die Warenwelt" im Magazin der SZ, wo er Dinge wie "Ich bin ja mehr so ein Kaba- und Nesquik-Typ" oder "Ich bin ein begeisterter Schnäppchenjäger" mitzuteilen hat. Allerdings muß Meir für Le Coup nicht selbst ran, sondern überläßt der gazettenerfahrenen Journalistin Gudrun Thiel die Arbeit an dem zwischen echtem Clivia-Trash und Elle-Ambiente unentschiedenen Blatt. 

Präsidentenkinder 

US-Präsidenten machen mit Images Politik: Sie werben um die christliche Mehrheit mit Bildern von der heilen Präsidentenfamilie samt Haustier und Barbecue-Rezept und erregen die unchristliche Phantasie dieser Mehrheit doch durch Verhältnisse mit Angestellten. Lange Zeit gab das Konkubinat des dritten Präsidenten der USA, Thomas Jefferson, mit seiner Sklavin Sally Hemings dem psychosexuellen Drama der Nation Stoff. Nun wurde durch einen Gentest das Längstbekannte bewiesen: Jefferson zeugte tatsächlich mehrere Kinder mit Hemings. Die sexuelle Beziehung zwischen beiden hatte begonnen, während Jefferson (damals 44) sich als Gesandter in Paris aufhielt (1785-1789). Hemings (damals 14) wurde schwanger und wollte nicht in die Sklaverei zurückkehren. Jefferson lockte sie mit dem Versprechen, er werde ihre Kinder freilassen, nach Virginia. Die beiden hatten noch zwei Töchter und zwei Söhne miteinander. Der demokratische Präsident ließ testamentarisch mehrere Sklaven frei, nicht aber die Mutter seiner Kinder, die als 54jährige für 50 Dollar weiterverkauft wurde. 

Nun will Janet Allen (44) - ebenfalls durch einen Gentest - nachweisen, daß auch George Washington, der erste Präsident der USA und Freund Jeffersons, Kinder mit einer Sklavin hatte und sie, Allen, seine direkte Nachfahrin ist. 

Jean Marais ist tot 

Zu Jean Marais fällt einem sofort auch Jean Cocteau ein und die zärtliche Beziehung, die beide jenseits "von Zweideutigkeiten" (Marais) miteinander verband. "Die Wohnung der Rätsel" nannten sie die Suite an der Place de la Madeleine, Nummer 19, in Paris, in der sie nur eine Tür, unter der Cocteau nächtens seine Gedichte an den Freund durchschob, voneinander getrennt habe. 

Gymnasium, Klosterschule, Lehre, Militärzeit hatte Jean Marais, eigentlich Marais-Villain, 1913 in Cherbourg geboren, hinter sich, als er sich anschickte, Schauspieler zu werden und bei etlichen Filmproduzenten, die seine Schönheit nicht zu schätzen wußten, Fotografien hinterließ. Und "nicht einmal die bescheidenste Komparsenrolle war dabei herausgesprungen", schreibt Marais in seiner Biographie "Spiegel meiner Erinnerung". In Jean Cocteaus "Ödipus"-Inszenierung 1937 trat Marais zum ersten Mal auf der Bühne auf, als der Held Galahad: "Ich hatte eine Hauptrolle! Durfte mir alle Hoffnungen machen." Seitdem spielte Marais in zahlreichen Bühneninszenierungen und mehr als 70 Filmen, darunter "La Belle et la bte" (1945), "Les Parents terribles" (1948) und "Orphée" (1949), und arbeitete daneben als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner, als Maler und Architekt. 

"Jean, ich weine nicht. Ich werde schlafen und dich dabei ansehen und sterben, denn von nun an werde ich nur so tun, als lebte ich", schrieb Jean Marais zum Tod Jean Cocteaus. Mit diesen Zeilen an seinen Geliebten antwortete Marais auf Cocteaus "Testament d'Orphée", worin es heißt: "Tut so, als weintet ihr, meine Freunde, denn der Dichter tut nur so, als wäre er tot." 

Jean Marais ist vergangene Woche im Alter von 85 Jahren verstorben. 

  •  Die Nachrichten wurden von Ripplinger und Runge zusammengestellt 
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