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Feuilleton Nachrichten
Riewa lenkt ein
Schwulsein ist doch billiger als berichtet
(Jungle World, Nr. 44/98) und kostet nur 5 000 statt 50 000 Mark. Diese
Summe hatte Tagesschau-Sprecher Jens Riewa vom Berliner Querverlag gefordert,
weil er im Lexikon "Out! - 500 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle"
unter dem Stichwort "Veigel" beiläufig erwähnt wird. "Veigel
gilt auch als Entdecker und Förderer des ebenfalls schwulen Tagesschau-Sprechers
und TV-Moderators Jens Riewa." Jetzt lenkte Riewa, der darauf beharrt,
"nicht schwul" zu sein, ein und akzeptierte einen Vergleich. Der Verlag
zahlt an eine gemeinnützige Organisation 5 000 Mark, das sind zirka
2 000 Saunabesuche (mit Handtuch/ohne Kabine).
'Bäckerblume' vom Friseur
Der schreibende Friseur Gerhard Meir aus
München bekommt jetzt sein eigenes Magazin, eine Art Bäckerblume
des Friseurhandwerk, das den Namen Le Coup (Untertitel: Gerhard Meirs Magazin)
trägt, in Friseurgeschäften verteilt wird und in aufregenden
Rubriken wie "Haarspaltereien" über Haarmoden und Lifestyle informiert.
Meir, der durch häufiges Besuchen von Prominenten-Partys einen gewissen
Bekanntheitsgrad erworben hat, bewirtschaftet seit einiger Zeit bereits
die Kolumne "Unser Lieblingsfriseur durchkämmt die Warenwelt" im Magazin
der SZ, wo er Dinge wie "Ich bin ja mehr so ein Kaba- und Nesquik-Typ"
oder "Ich bin ein begeisterter Schnäppchenjäger" mitzuteilen
hat. Allerdings muß Meir für Le Coup nicht selbst ran, sondern
überläßt der gazettenerfahrenen Journalistin Gudrun Thiel
die Arbeit an dem zwischen echtem Clivia-Trash und Elle-Ambiente unentschiedenen
Blatt.
Präsidentenkinder
US-Präsidenten machen mit Images Politik:
Sie werben um die christliche Mehrheit mit Bildern von der heilen Präsidentenfamilie
samt Haustier und Barbecue-Rezept und erregen die unchristliche Phantasie
dieser Mehrheit doch durch Verhältnisse mit Angestellten. Lange Zeit
gab das Konkubinat des dritten Präsidenten der USA, Thomas Jefferson,
mit seiner Sklavin Sally Hemings dem psychosexuellen Drama der Nation Stoff.
Nun wurde durch einen Gentest das Längstbekannte bewiesen: Jefferson
zeugte tatsächlich mehrere Kinder mit Hemings. Die sexuelle Beziehung
zwischen beiden hatte begonnen, während Jefferson (damals 44) sich
als Gesandter in Paris aufhielt (1785-1789). Hemings (damals 14) wurde
schwanger und wollte nicht in die Sklaverei zurückkehren. Jefferson
lockte sie mit dem Versprechen, er werde ihre Kinder freilassen, nach Virginia.
Die beiden hatten noch zwei Töchter und zwei Söhne miteinander.
Der demokratische Präsident ließ testamentarisch mehrere Sklaven
frei, nicht aber die Mutter seiner Kinder, die als 54jährige für
50 Dollar weiterverkauft wurde.
Nun will Janet Allen (44) - ebenfalls durch
einen Gentest - nachweisen, daß auch George Washington, der erste
Präsident der USA und Freund Jeffersons, Kinder mit einer Sklavin
hatte und sie, Allen, seine direkte Nachfahrin ist.
Jean Marais ist tot
Zu Jean Marais fällt einem sofort
auch Jean Cocteau ein und die zärtliche Beziehung, die beide jenseits
"von Zweideutigkeiten" (Marais) miteinander verband. "Die Wohnung der Rätsel"
nannten sie die Suite an der Place de la Madeleine, Nummer 19, in Paris,
in der sie nur eine Tür, unter der Cocteau nächtens seine Gedichte
an den Freund durchschob, voneinander getrennt habe.
Gymnasium, Klosterschule, Lehre, Militärzeit
hatte Jean Marais, eigentlich Marais-Villain, 1913 in Cherbourg geboren,
hinter sich, als er sich anschickte, Schauspieler zu werden und bei etlichen
Filmproduzenten, die seine Schönheit nicht zu schätzen wußten,
Fotografien hinterließ. Und "nicht einmal die bescheidenste Komparsenrolle
war dabei herausgesprungen", schreibt Marais in seiner Biographie "Spiegel
meiner Erinnerung". In Jean Cocteaus "Ödipus"-Inszenierung 1937 trat
Marais zum ersten Mal auf der Bühne auf, als der Held Galahad: "Ich
hatte eine Hauptrolle! Durfte mir alle Hoffnungen machen." Seitdem spielte
Marais in zahlreichen Bühneninszenierungen und mehr als 70 Filmen,
darunter "La Belle et la bte" (1945), "Les Parents terribles" (1948) und
"Orphée" (1949), und arbeitete daneben als Regisseur, Bühnen-
und Kostümbildner, als Maler und Architekt.
"Jean, ich weine nicht. Ich werde schlafen
und dich dabei ansehen und sterben, denn von nun an werde ich nur so tun,
als lebte ich", schrieb Jean Marais zum Tod Jean Cocteaus. Mit diesen Zeilen
an seinen Geliebten antwortete Marais auf Cocteaus "Testament d'Orphée",
worin es heißt: "Tut so, als weintet ihr, meine Freunde, denn der
Dichter tut nur so, als wäre er tot."
Jean Marais ist vergangene Woche im Alter
von 85 Jahren verstorben.
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Die Nachrichten wurden von Ripplinger
und Runge zusammengestellt
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