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Ausland Nachrichten
Medienkontrolle gegen Antisemitismus
Die anderen sind schuld. Nein, nicht die
Juden selbst. Aber die Medien. Dies ist das vorläufige Fazit, das
der russische KP-Chef Gennadji Sjuganow vergangene Woche aus den antisemitischen
Äußerungen des nominalkommunistischen Duma-Abgeordneten Albert
Makaschow zog. Der Sowjetgeneral a.D hatte Anfang Oktober erstmals (öffentlich)
allen Juden den Tod gewünscht. Anläßlich einer Demonstration
zum 81. Jahrestag der russischen Revolution am Samstag vorvergangener Woche
in Moskau erneuerte und konkretisierte Makaschow seine Schmähungen
- umjubelt von mehreren Tausend seiner Anhänger. Diese hielten zum
Teil antisemitische Plakate und Karikaturen hoch und fordeten die Entfernung
aller Juden aus einflußreichen Positionen. Makaschow machte sich
die Forderung umgehend und auf seine Art zu eigen: Die "Anzahl der Juden
in wichtigen öffentlichen Ämtern" sei zu begrenzen, ein gesetzlich
festgelegter Prozentsatz zur Quotierung von Juden müsse her. Kurz
zuvor war eine gemeinsame Verurteilung Makaschows durch die Duma an den
Gegenstimmen der Nationalisten und KP-Abgeordneten, die zusammen die Mehrheit
im Parlament stellen, gescheitert. Auch ein Partei-Ausschlußverfahren,
das bereits seit Anfang Oktober läuft, blieb bislang erfolglos. Ende
letzter Woche schaltete sich nun auch die Moskauer Staatsanwaltschaft ein:
Mit einem Strafverfahren gegen Makaschow. Gleichzeitig wurden Forderungen
nach einem Verbot der KP laut.
Anstatt sich von Makaschow zu distanzieren,
trat KP-Chef Sjuganow Ende vergangener Woche die Flucht nach vorn an: "In
Rage gebrachte, unbedachte und beleidigende Äußerungen", versuchte
er nach einem Gespräch mit dem israelischen Botschafter in Moskau
zu beschwichtigen, dürften einfach "nicht über die Medien verfielfältigt
werden." Sjuganows Konsequenz: Stärkere Medienkontrolle durch den
Staat.
Bart ab gibt Prügel
Haariges aus Afghanistan: 28 Männer
wurden letzte Woche in der Südprovinz Helmand von staatlichen Schergen
ganz offiziell verprügelt, da sie unter anderem ihr Glück im
Spiel versucht oder sich rasiert hatten. Dies berichtete nicht ohne Stolz
der Taliban (Koranschüler)-Rundfunksender Schariat. Was die von den
islamistischen Taliban gestellte Regierung überhaupt noch erlaubt,
ist unklar. Eindeutig verboten hingegen sind Fernsehen, Alkohol, Glücksspiel,
Frauen, die nicht vollständig verhüllt sind, Männer, die
ihr Gesichtsgestrüpp nicht mehr sehen können, sowie Musik und
Tanz: Wie Schariat weiter berichtete, wurden ebenfalls letzte Woche in
der östlichen Provinz Logar Hochzeitsgäste festgenommen, die
gesungen und getanzt hatten.
Indes versuchen militärische Einheiten
der Taliban seit Mitte vergangener Woche auch noch die letzten Gebiete
im Norden Afghanistans zu erobern, die bislang von der Anwesenheit der
Gotteskrieger verschont blieben. Seit Mittwoch steht die Stadt Talokan
unter Beschuß, internationale Hilfsorganisationen sollen bereits
Zufluchtsstätten für Barbiere eingerichtet haben.
Leninabad umkämpft
Gerade einmal eine Woche konnten sich die
Aufständischen in Tadschikistan halten; Mitte vergangener Woche wurden
sie dann von Regierungstruppen besiegt. Knapp tausend bewaffnete Kämpfer
unter dem Kommando des früheren Ministerpräsidenten Abdumalik
Abdulladschanow und des ehemaligen Generals Machmud Chuderberdschew hatten
zuvor die im Norden Tadschikistans gelegene Stadt Chodschent teilweise
eingenommen. Bei den einwöchigen Gefechten sollen nach Regierungsangaben
mehr als 200 Menschen getötet und über 500 verletzt worden sein.
Abdulladschanow war nicht an dem zum Jahreswechsel 1996/1997 geschlossenen
Friedensabkommen, das einen mehrjährigen Bürgerkrieg mit knapp
100 000 Toten beendet hatte, beteiligt worden. Seitdem kämpft er zusammen
mit mehreren ehemaligen Generälen gegen die Staatsführung unter
Staatspräsident Enomali Rochmonow und Regierungschef Jachjo Asimow,
die dem regierenden Bündnis islamistischer und postkommunistischer
Parteien vorstehen. Unterstützt wird Abdulladschow dabei offensichtlich
von den Regierungen der Nachbarstaaten Afghanistan und Usbekistan. Zwar
bestreitet die afghanische Taliban-Regierung offiziell jeden Kontakt zu
dem ehemaligen Regierungschef, doch sollen nach Angaben internationaler
Hilfsorganisationen bei den Kämpfen um Chodschent mehrere Taliban-Kämpfer
festgenommen worden sein. Usbekistan scheint den Aufständischen vor
dem Angriff auf Chodschent die Passage durch Teile des Landes erlaubt zu
haben.
Trotz der Niederlage der Aufständischen
in der vergangenen Woche wird in Tadschikistan weiter gekämpft: Nachrichtenagenturen
meldeten am Wochenende Feuergefechte aus der ebenfalls im Norden gelegenen
Region Leninabad.
Militärs metzeln in Burundi
Kein Frieden in Burundi: Auch nach den
im Juli begonnenen Friedensverhandlungen zwischen Vertretern der Bevölkerungsgruppen
der Tutsi und Hutu bleibt der ostafrikanische Staat Kriegsgebiet. In Rutovu
östlich der Hauptstadt Bujumura wurden Mitte vergangener Woche rund
hundert Hutu-Rebellen und Zivilisten von der burundischen Armee massakriert.
Offensichtlich handelt es sich um einen Vergeltungsschlag für einen
Angriff der Rebellen auf ein Tutsi-Camp, bei dem Ende Oktober fünf
Tutsi ermordet worden waren. Die Armee Burundis besteht hautptsächlich
aus Tutsi, die insgesamt jedoch nur 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen.
Seit 1993 metzelten bewaffnete Tutsi mehr als 200 000 Menschen allein in
Burundi nieder - Hutu, aber auch Tutsi, die als Verräter angesehen
wurden. Nachdem der erste frei gewählte Staatschef Burundis, der Hutu
Melchior Ndayaye, 1993 von Tutsi-Fallschirmjägern getötet worden
war, kam die Militärregierung des amtierenden Präsidenten und
Tutsi Pierre Buyoya an die Macht. Die Hutu-Rebellen kämpfen seitdem
gegen die von der Tutsi-Minderheit gestellte Regierung.
Was Schönes zum Schluß?
Immer nur Krieg, Katastrophen, Krawalle,
Tote und Verletzte hier, Rassisten und Antisemiten dort, so viel Elend.
Korrespondenten überschreiben ihre Faxe schon mit: An das Kriegs-,
Krisen- und Krawall-Ressort. Dazu kommt noch der ganze Parlaments-, Wahl-
und Regierungskram. Natürlich ist die Welt so, wissen wir ja selbst.
Aber es muß doch auch irgendwo auf der Welt einmal etwas Schönes
passieren. Eine prima Weinernte mit anschließendem Gelage in Slowenien,
guter Shit aus Usbekistan, eine Super-Session in Dänemark. Wir geben
uns ja auch schon mit Kleinigkeiten zufrieden. Wie wärs mal mit einem
gewonnenen Kampf zur Abschaffung der Arbeit in Portugal, einer toughen
Antifa-Demo in ganz Österreich oder Spaßguerilla-Aktionen in
Neuseeland? Schreiben Sie uns, mailen Sie uns - Sie kommen ja doch mehr
rum als wir.
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Die Nachrichten wurden von Sedlmayr
und Söhler zusammengestellt
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