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Wieder kein Golfkrieg
Rituale
Von Marek Szepan
Die Bilder und Worte gleichen sich: Die
irakische Staatsführung verweigert den Waffeninspekteuren der Unscom
die Mitarbeit, diese ziehen daraufhin empört ab. Die Uno verurteilt
die "harte Haltung Iraks", die internationale Diplomatie versucht sich
an alten und neuen Bündnissen. Anschließend verlegen die USA
weitere Truppen und Flugzeugträger in den Golf. Und Saddam Hussein
betont, nicht nachgeben zu wollen, solange das Embargo gegen sein Land
nicht falle. Indes robben seine Elitetruppen schon mal prophylaktisch durch
den Sand. In Kuwait, Jordanien und Saudi-Arabien machen es ihnen US-Soldaten
nach. Oder vor?
Und doch sind die Bilder und Worte jedesmal
anders: Die Namen der US-Flugzeugträger variieren ebenso wie die Haltung
der jeweiligen Verbündeten. Bislang versuchte Frankreich, das Vorgehen
der USA und Großbritanniens zu bremsen. Dieses Mal wird in Paris
zwar auch wieder betont, es müsse zu einer politischen Lösung
kommen, dafür getan wird jedoch kaum noch etwas.
Das Gros der arabischen Staaten war immer
irgendwie mit dem Irak solidarisch, zumindest ideologisch: Schließlich
ging es um eine "panarabische Einheitsfront" - und gegen Israel. In der
Praxis standen die meisten dieser Staaten, wenn es darauf ankam, schließlich
doch - allerdings mit Murren - an der Seite der "westlichen Invasoren".
Vergangene Woche jedoch murrte eine Sondertagung von acht arabischen Staatschefs
schon vorab. In ungewöhnlich scharfem Ton hieß es, Saddam Hussein
habe endlich einzulenken. Nachsatz: im Interesse der "arabischen Sache".
Eine weitere Konstante war bislang auch,
daß schließlich immer ein "Kompromiß" gefunden wurde.
Soll heißen, daß der Irak immer nachgab - mal mehr, mal weniger.
Um kurz darauf die Vereinbarung de facto wieder aufzukündigen. Auf
die unter dem Label "Desert Thunder" laufenden Vorbereitungen zu einem
Militärschlag Anfang dieses Jahres folgte im letzten Augenblick eine
Einigung, die von UN-Generalsekretär Kofi Annan auf den Tisch gebracht
worden war.
Nur wenig später beschwerten sich
die ersten Unscom-Kontrolleure wieder, bei der Arbeit behindert zu werden,
und im August reisten sie samt ihrem Chef, Richard Butler, ab. Dieses Mal
nutzten selbst die Bemühungen Annans nichts. Und der hat mittlerweile,
geht es um den Irak, soviel Erfahrung wie Bagdads Außenminister Tarek
Asis als Sprecher vor der Uno, US-Außenministerin Madeleine Albright
als Organisatorin von wechselnden Anti-Irak-Bündnissen und russische
sowie chinesische Politiker bei Schlichtungsversuchen.
Auch am vergangenen Wochenende lenkte die
irakische Staatsführung wieder ein: Aus einer zuerst vagen Andeutung,
auf eine neuerliche Initiative des UN-Chefs positiv reagieren zu wollen,
wurde letztlich eine Erneuerung der Aufenthaltserlaubnis für die Unscom-Kontrolleure.
Annan hatte zuvor ebenso vage in Aussicht gestellt, daß vielleicht
in einem Brief an den Irak von einem Ende der Sanktionen die Rede sein
könnte. So wollte es zumindest Nisar Hamdun, Iraks UN-Botschafter,
verstanden haben.
Klar war man sich zu diesem Zeitpunkt lediglich
über drei Dinge: daß der Brief noch nicht eingetroffen sei,
daß ein Militärschlag unmittelbar anstehe und daß es dieses
Mal um die politische Macht im Irak gehe: "Es ist möglich, daß
Saddam umgebracht werden muß", erklärte ein republikanischer
Senator salopp in Washington, kurz bevor die B-52-Bomber in die Luft stiegen
- und wieder umkehren mußten.
Es geht also nicht mehr nur um die Kontrolle
der irakischen Massenvernichtungswaffen. Aber auch das ist ein alter Hut.
Spätestens seit dem vergangenen Jahr dürfen sich alle irakischen
Exil-Oppositionellen, sofern sie nicht von links das internationale Herrschaftssystem
in Frage stellen, großzügiger Geschenke und noch größerer
Aufmerksamkeit nicht nur aus Washington erfreuen.
Dabei achtet Albright als Patronin aller
irakischen Oppositionellen nicht so genau darauf, was ihre häufig
islamistischen Anti-Saddam-Schäfchen so vor sich hinblöken: Daß
Hussein deshalb weg müsse, weil er ständig Krisen provoziere,
die von dem eigentlichen Skandal in der Region ablenken: Nämlich der
Aggression Israels, wie letzte Woche ein Exil-Iraker der Zeitung Arabic
News erklärte. Denn ein weiteres Bild wiederholt sich von Irak-Krise
zu Irak-Krise: Israelische Sicherheitskräfte verteilen Gasmasken.
Oder neue Filter für jene, die vor sieben, sechs, fünf oder wieviel
Jahren auch immer bereits verteilt wurden. |