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Feuilleton Nachrichten
Ein Pen
Acht Jahre später: Die Ost- und Westverbände
des Pen haben sich vereinigt, jetzt ganz offiziell in Dresden. Mit der
vollzogenen Fusion fällt zwar das Top-Gesprächsthema der Organisation
weg, dennoch verteidigten die Schriftsteller auf der ersten gemeinsamen
Tagung am vergangenen Wochenende in Darmstadt ihre Rolle als gesellschaftliche
Avantgarde, z.B. mit Debatten über eine neue Nationalhymne. Sollte
nicht zukünftig die "Kinderhymne" von Brecht abgespielt werden? Dafür
plädierte der Publizist Otto Köhler. "Glossen zu Brechts Wendungen
und holprige Stegreifverse belustigten die Versammlungen, bis der Antrag
zurückgezogen wurde." (Berliner Zeitung) Damit's auch lustig bleibt,
wählten die Autoren den Schriftsteller Christoph Hein zu ihrem Präsidenten.
Der aus der DDR stammende Autor hatte erst kürzlich bewiesen, daß
er dem diesjährigen Friedenpreisträger Martin Walser dicht auf
den Fersen ist, als er den Versailler Vertrag als ein Diktat bezeichnete,
das "schädlich und demütigend" gewesen sei. Hein wurde von den
Delegierten in Dresden ohne Gegenstimme zum Präsidenten des gemeinsamen
Pen gewählt. Eine Spätfolge von Versailles?
Zwei Gotteshäuser
Der Wiederaufbau von Synagogen wurde in
der Bundesrepublik durch Subventionen der jeweiligen Bundesländer
finanziert. Anders in Sachsen: Hundert Jahre lang, von 1838 bis zum 9.
November 1938, gab es in der dortigen Landeshauptstadt Dresden ein jüdisches
Gotteshaus, das der Stadt berühmtester Baumeister Gottfried Semper
errichtet hatte. Dank des Zuzugs aus Osteuropa gibt es mittlerweile auch
wieder eine 200 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde, die darauf
hofft, daß der Sakralbau an den Brühlschen Terrassen neu erstehen
kann. Immerhin ist Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) Schirmherr
einer Aktion für den Wiederaufbau der Synagoge.
Falsch gehofft. "Im Moment" könne
er sich nicht vorstellen, daß Sachsen eine volle Finanzierungszusage
für den Wiederaufbau der Synagoge gibt, sagte Biedenkopf-Sprecher
Michael Sagurna der Süddeutschen Zeitung. Die Regierung sehe den Wiederaufbau
als "eine Bürgeraktion", die ähnlich wie bei der Dresdner Frauenkirche
stark durch Spenden unterstützt werden solle. Die im Februar 1945
von alliierten Bombern zerstörte Frauenkirche - Baukosten: 250 Millionen
Mark - wird voraussichtlich 2006 fertiggestellt werden. Der Wiederaufbau
der von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge soll 20 Millionen
kosten. Auf dem Spendenkonto sind bislang 600 000 Mark eingegangen.
Am 9. November will man einen ersten Spatenstich
tun Ñ aber nur symbolisch: Zum Weiterbauen wird's wohl bis 2006
nicht reichen.
Kultur ist in
Nachdem Deutschland seit vergangener Woche
sogar einen Staatminister für Kultur hat, kann auch das Parlament
nicht mehr widerstehen: Kultur ist schön, ein Bundestagsausschuß
für Kultur muß her. Weil ein Ausschuß, der keine Gesetze
macht, sein Geld nicht wert ist, haben findige Leute wie Antje Vollmer,
die nebenbei auch die Kulturpolitikerin der Grünen ist, bereits fleißig
Gesetze gesammelt, die der Kulturausschuß machen könnte. Frau
Vollmer nennt unter anderem ein neues Stiftungsrecht, Korrekturen an der
Besteuerung ausländischer Künstler sowie eine Reform der Künstlersozialkasse.
Und in den Pausen gibt's dann immer Sekt.
Auf den allgemeinen Trend zur Kultur reagiert
auch die Führungsspitze der Bundeswehr. "Mit Pauken und Trompeten"
wird künftig nicht mehr Rotland massakriert, sondern "die Welt der
Militärmusik" bereist (am 8. November im Großen Sendesaal des
SFB zu Berlin). Solist am "Piano": Hartmut Bagger, der Generalinspekteur
der Bundeswehr höchstselbst.
Datenfreier Sonntag
Da soll noch einer behaupten, das Internet
sei unpolitisch und fördere die Vereinsamung. Am vergangenen Sonntag
schritten die Surfer zur gemeinsamen Aktion: Der erste Streik im deutschen
Cyberspace. DarkBreed e.V. hatte aufgerufen, es der Telekom mal so richtig
zu zeigen: "Jetzt ist die Zeit gekommen, ein Zeichen zu setzen, und dem
'Riesen Telekom' mal zu zeigen, daß wir eine Gemeinschaft sind, mit
der sie nicht ewig machen kann, was sie will." Wenn alle deutschen Internetsurfer
sich den Streik-Sonntag offline vertreiben würden, so rechnete der
Verein vor, würden der Telekom 10,2 Millionen Mark entgehen. Ziel
der Aktion: "Es muß modernen Menschen möglich gemacht werden,
dieses Medium ohne übermäßige Kosten zu nutzen."
Vorbild für den Streikaufruf war eine
ähnliche Aktion in Spanien. Dort wurden nach dem Streik eine angekündigte
Preiserhöhung teilweise wieder zurückgenommen.
Kein Regierungsstern
Verboten ist es, zu behaupten, der stern
werde mit dem Regierungswechsel "eher zu einem Regierungsorgan". Das entschied
das Hamburger Landgericht in einer Einstweiligen Verfügung gegen Focus-Chefredakteur
Helmut Markwort. Erlaubt ist dagegen (noch) die Behauptung, die taz bewerbe
sich täglich um den Posten des grün-roten Regierungsorgans.
Pin für Tits
Gute Nachrichten für die Liebhaber
von Sex und Gewalt: Demnächst können wir auf Pay-TV unsere Lieblingsprogramme
auch tagsüber ansehen. Möglich macht's eine vierstellige Codenummer,
die verhindern soll, daß Kinder die noch nicht für sie gedachten
Programme zu sehen kriegen. "Das ist ein großer Fortschritt, wenn's
denn so funktioniert", lobte Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz,
nachdem ihm der der Verband der privaten Fernsehsender das System vorgestellt
hatte. Und wenn's denn nicht so funktioniert, dann haben die Kleinen wenigstens
etwas gelernt, was ihnen künftig am Geldautomaten gute Dienste erweisen
kann.
Naddel
Nadja "Naddel" Farrag, deren zehnjährige
Lebensgemeinschaft mit Dieter Bohlen nur durch dessen Intermezzo mit Verona
Feldbusch unterbrochen wurde, zieht sich zur Zeit für den Playboy
aus. Bohlen: "Bei ihr stimmt einfach alles. Sie ist intelligent, hat Charakter
- und einen wunderschönen Körper." Die "Halbsudanesin" (Bild
am Sonntag), die für das Shooting 120 000 Mark kriegt: "Ich mußte
nicht lange überlegen. Playboy-Fotos sind immer sehr ästhetisch."
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Die Nachrichten wurden von Dietl,
Muggenthaler und Runge zusammengestellt
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