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Ausland Nachrichten
Big Brother in Britannien
Um Alternativen zur konventionellen Inhaftierung
nicht verlegen, hat das britische Innenministerium jetzt neue Erwägungen
angestellt: Asylbewerber könnten künftig mit elektronischen Markierungen
ausgestattet werden. Hilfreich ist da ein Pilotprojekt: Verurteilte Straftäter
auf Freigang müssen derzeit elektronische Sender mit sich tragen.
Weil die Zahl der Flüchtlinge, die während des Wartens auf eine
Entscheidung über ihr Asylverfahren untertauchten, "besorgniserregend
hoch" sei, denkt das Innenministerium daran, sie ebenfalls mit den praktischen
High-Tech-Geräten auszustatten.
In Großbritannien sind rund 1,5 Prozent
aller Flüchtlinge inhaftiert, weil sie - so die britische Regierung
- im Verdacht stünden unterzutauchen. Die elektronischen Sender würden
voraussichtlich mit einem Band am Fuß getragen.
Hungerstreiks der Sans-papiers
In mehreren Städten Frankreichs traten
am vergangenen Wochenende Hungerstreiks von Sans-papiers, Immigranten ohne
Aufenthaltspapiere, in die kritische Phase, in der lebensbedrohliche Folgen
zunehmend wahrscheinlich werden. Seit mehr als 60 Tagen im Hungerstreik
waren elf Afrikaner, die ihre Aktion am 1. September in der Kathedrale
der Pariser Vorstadt Créteil begonnen hatten und mittlerweile vom
sozialistischen Bürgermeister des nahegelegenen Städtchens Limeil-Brévannes,
Joseph Rossignol, in seinem Rathaus aufgenommen wurden. Deswegen ist Rossignol
jüngst von der Parteiführung des Parti Socialiste (PS) für
seine "unverantwortliche und bedauerliche Haltung" gerügt worden.
Weitere 20 Sans-papiers türkischer, bulgarischer und chilenischer
Herkunft hungerstreiken seit 52 Tagen in einer Kirchenbibliothek in Bordeaux.
Die örtlichen Sozialisten fordern zusammen mit KP, Grünen und
den Gewerkschaften CGT und CFDT ihre Legalisierung. Neun Immigranten algerischer,
mauretanischer und malischer Nationalität hungern seit 47 Tagen in
Le Havre. Sie sind die Übriggebliebenen einer Kirchenbesetzung von
ursprünglich 59 Sans-papiers, die im März begonnen hatte. Nach
und nach wurden jeweils einzelne Gruppen der protestierenden Sans-papiers
legalisiert, ohne daß ein Grund ersichtlich gewesen wäre, sie
anders als die übrigen Kirchenbesetzer zu behandeln. Der PS-Abgeordnete
des Wahlkreises, Paul Dhaille, hat Premier Jospin inzwischen zur Legalisierung
der Hungerstreikenden aufgefordert. Jospin und das Innenministerium sind
sich jedoch einig, daß eine "harte Linie" beizubehalten ist.
Desperados rücken nach
Während sich die Truppen des jugoslawischen
Präsidenten Slobodan Milosevic weiter auf dem Rückzug aus der
südserbischen Krisenprovinz Kosovo befinden, rücken die Separatisten
der sogenannten Befreiungsarmee UCK nach. In der vergangenen Woche besetzten
deren Kämpfer mehrere von den serbischen Sondereinheiten geräumte
Positionen. Die US-Regierung warnte die UCK daraufhin davor, den Abzug
der jugoslawischen Truppen auszunutzen - auch sie müsse sich an den
Waffenstillstand halten und ihre Verpflichtungen erfüllen. Der Kosovo-Sondergesandte
der EU, Wolfgang Petritsch, forderte die albanische Seite auf, einen "konstruktiven
Dialog" über die Selbstverwaltung der Provinz mit Milosevic zu beginnen.
Unterdessen ist in der Schweiz ein Waffenschieberring
aufgeflogen, der im Kosovo-Konflikt offenbar die UCK belieferte. Die Schweizer
Bundesanwaltschaft ließ sechs Personen festnehmen, denen vorgeworfen
wird, Waffen und Munition nach Jugoslawien geliefert zu haben. Unmittelbar
vor ihrer Verhaftung sollen sie über ein Geschäft mit Kriegsmaterial
im Umfang von mehreren Millionen Dollar zugunsten der Separatisten verhandelt
haben.
Hamas-Attentat auf Schulkinder
Israels Ministerpräsident Netanjahu
taktiert nach dem Friedensabkommen von Wye River (Jungle World, Nr. 44/98)
eifrig, um die Unterstützung seines regierenden Rechtsbündnisses
nicht zu verlieren. Dabei ermöglichte ihm ein Anschlag der islamistischen
Terrororganisation Hamas vom vergangenen Mittwoch weiteres Zögern:
Ein Selbstmordattentäter hatte in Khan Yunis (Gaza-Streifen) versucht,
einen Bus mit israelischen Schulkindern in die Luft zu sprengen, und dabei
einen israelischen Soldaten und sich selbst getötet.
Nachdem Netanjahu am vergangenen Montag
angekündigt hatte, die Vereinbarungen von Wye River seinem Parlament
erst vorzulegen, wenn Palästinenser-Chef Arafat einen Plan zur Terrorismusbekämpfung
veröffentliche, bekräftigte er nach dem Anschlag, vorerst keine
Truppen aus der Westbank abziehen zu wollen. Nach dem Abkommen von Wye
obliegt eigentlich Netanjahu der erste Schritt, um den Friedensprozeß
fortzusetzen. Arafat kam seinem israelischen Verhandlungspartner nun zuvor.
Er sagte am Wochenende zu, den Plan zur Terrorismusbekämpfung Anfang
dieser Woche vorzulegen, wenn die Umsetzungsfrist des Abkommens beginnt.
Parlamentsbesetzung in Jakarta verhindert
Nach einer Serie kleinerer Proteste versammelten
sich Mitte vergangener Woche rund 8 000 Studenten vor dem indonesischen
Parlament in Jakarta - die größte Demonstration, seit Habibie
im Mai nach dem Sturz seines diktatorischen Chefs und Gönners Suharto
Präsident geworden war. Der Versuch einer Parlamentsbesetzung wurde
von der Polizei verhindert. Die Forderungen der Studis: Rücktritt
von Habibie, Beschneidung des politischen Einflusses der Militärs
und demokratische Reformen. Insbesondere wenden sie sich gegen die Sondersitzung
der Beratenden Volksversammlung vom 10. bis 13. November. Dort soll der
Rahmen für die Wahlen 1999 diskutiert werden - von den gleichen, die
regelmäßig Suhartos "Wiederwahl" abnickten.
Neue Runde um Abu Jamal
Am vergangenen Freitag hat der Oberste
Gerichtshof von Pennsylvania den Wiederaufnahmeantrag von Mumia Abu-Jamal
abgelehnt. Damit ist der Weg für Pennsylvanias Gouverneur Ridge frei,
einen neuen Hinrichtungsbefehl für Mumia zu unterschreiben und ein
neues Hinrichtungsdatum innerhalb einer Frist von 60 Tagen festzusetzen.
Mumias Anwälte würden dagegen - wie schon im August 1995 - gerichtlich
vorgehen: mit einem Antrag auf Aussetzung der Hinrichtung vor einem Bundesgericht
und dem Verweis, daß Mumia Abu Jamal noch mehrere Berufungsschritte
für seinen Wiederaufnahmeantrag im Bundesgerichtssystem offen stehen.
Solange diese eröffnet sind, darf ein Todeskandidat in den USA eigentlich
nicht hingerichtet werden.
Der bundesweite Zusammenschluß Autonomer
Mumia-Soligruppen ruft für Samstag, den 7. November, zu dezentralen
Aktionen vor US-amerikanischen Einrichtungen in möglichst vielen Städten
auf. In Berlin wird am Freitag, den 6. November, um 16 Uhr eine Kundgebung
vor dem US-Konsulat, Neustädtische Kirchstr. 4 (Ecke Unter den Linden),
stattfinden.
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Die Nachrichten wurden von Kleffner,
Schmid und Sedlmayr zusammengestellt
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