Arbeit & Kapital Nachrichten
Hillary von der Saar
Jetzt legt sie los, die Hillary von der
Saar, die "Schattenfrau des Schattenmanns" (Berliner Morgenpost). Christa
Müller ist nicht nur die Gattin von Finanzminister Oskar Lafontaine,
sondern auch dessen "wichtigste Beraterin". Die studierte Volks- und Betriebswirtin
hatte zuerst in der EG-Kommission in Brüssel und als Oberregierungsrätin
in Hessen gearbeitet, bevor sie Angestellte im SPD-Vorstand wurde. Gemeinsam
mit ihrem Ehemann hat sie im Frühjahr das Buch "Keine Angst vor der
Globalisierung" vorgelegt, eine Art vorgezogene Regierungserklärung
der Lafontaines. Vermutlich gehen wesentliche Teile des großen Werks
auf ihre Kappe. Von Wirtschaft habe sie keine Ahnung, nur von "Wirtschaftswissenschaften",
warnt Bild am Sonntag.
Fürst Tietmeyer
Christa Müller hat es gewagt, die
heilige Kuh der Monetaristen zu bedrohen: die Unabhängigkeit der Notenbanken.
"Wir haben einen demokratischen Staat, und da muß es bei einem Gremium,
das sehr viel Macht hat, eine Kontrolle geben", forderte Müller mit
Blick auf Bundes- und Europäischer Zentralbank. In ähnlicher
Weise äußerte sich Lafontaines neuer Staatssekretär Claus
Noé: "Nur wer sich für unfehlbar hält, kann glauben, daß
der öffentliche Diskurs nicht der Erkenntnis dient." Im Gegensatz
beispielsweise zur US-Notenbank hält die Bundesbank ihre Sitzungsprotokolle
geheim. Außerdem warf Noé dem Bundesbankpräsident Hans
Tietmeyer ein feudalistisches Politikverständnis vor; dieser hat kürzlich
den Euro zu einem "entpolitisierten Geld" erklärt. Die Lafontaines
sind seit einigen Zeit damit beschäftigt, die Notenbankiers mit der
Forderung nach einer Zinssenkung zu ärgern.
Was bringt uns der Euro, Herr Lagerfeld?
"Freuen Sie sich auf den Euro?" fragt das
Petra-Team, und Karl Lagerfeld antwortet: "Es wird Länder geben, die
einen starken Euro nicht verdienen. Wenn sie zahlreich sind, kann es schlecht
um den Euro stehen. Manche Länder müssen mehr arbeiten für
die, die fauler oder unfähig sind, denn sonst werden alle darunter
leiden." Lagerfeld ist führender Modemacher in Europa. Petra ist das
Fachmagazin für die semimoderne Frau.
Neuer Sack-Bahnhof
Nun ist es also soweit: Für den seit
Wochen unter Beschuß geratenen Bahn-Chef Johannes Ludewig (Jungle
World, Nr. 44/98) ist Ersatz gefunden. Diethelm Sack, bislang zuständig
für Finanzen und Controlling im Vorstand der Deutschen Bahn AG, soll
zunächst als kommissarischer Bahnchef fungieren. Bei der Sitzung des
Aufsichtsrates am 2. Dezember gilt die Wahl Sacks zum Vorstandsvorsitzenden
als sicher. Seit 1991 ist der ehemals beim Autozulieferer VDO beschäftigte
Finanzexperte bei der Bundesbahn. Auch bei anderen Großunternehmen
bekleidet Sack hohe Ämter: Er ist Beirat der Deutschen Bank sowie
Aufsichtsrat der Frankfurter Versicherungs AG. Ludewig, der nach zwei Jahren
gehen muß, erhält rund drei Millionen Mark Abfindung.
Imperialistische US-Bananen
US-Bananen haben es schwer. Jedenfalls
in Europa, denn dort hatte die Europäische Union empfindliche Zölle
gegen den US-Import erhoben. Die USA klagte daher vor dem Schiedsgericht
der Welthandelsorganisation WTO, die wiederum die EU dazu verdonnerte,
ihre Sanktionen gegen die US-Firmen Chiquita und Dole aufzuheben. Die Europäer
würden jedoch die Vorgabe der WTO nicht erfüllen, meinte vergangene
Woche der US-Handelsbeauftragte Barshefski. Kommt es bis zum 1. Januar
1999 zu keiner Einigung, droht ein Handelskrieg - die USA denkt bereits
über Strafzöllen gegen die europäische Autoindustrie nach.
Genervt sind Clintons Untertanen auch von der Weigerung der EU-Kommission,
den Verkauf von amerikanischem Hormonfleisch zuzulassen. Hinter den Kulissen
geht es allerdings weit harmonischer zu. Derzeit verhandeln Konzernmanager
per "Transatlantic Business Dialogue" über die Schaffung der größten
Freihandelszone der Welt zwischen den USA, Mexiko, Kanada und der EU. Die
soll dann "Neuer Transatlantischer Marktplatz" heißen.
Stabil in die Rezession
Die Wahlen hatte Brasiliens Präsident
Fernando Henrique Cardoso mit dem Versprechen gewonnen, die Landeswährung
Real stabil zu halten. Nun hat die Regierung ein Sanierungsprogramm für
die maroden Staatsfinanzen vorgelegt. Die Gebühr für Banktransaktionen
sowie die Abgabe auf Firmenumsätze werden erhöht. Außerdem
müssen die Beamten künftig höhere Pensionsbeiträge
zahlen.
Gleichzeitig möchte Finanzminister
Pedro Malan die Ausgaben im Sozialbereich drastisch kürzen. Auch die
Staatsbetriebe müssen kräftig sparen. Damit erfüllt die
brasilianische Regierung zwar die Auflagen des Internationalen Währungsfonds,
der dem Land vor kurzem einen 30 Milliarden Dollar-Kredit bewilligt hat.
Das Land werde nächstes Jahr wegen dem Sparpaket jedoch eine tiefe
Rezession erleben, erklärte der Präsident.
Wo bleibt De Gaulle?
Der Prozeß gegen den Software-Giganten
Microsoft nimmt unerwartete historische Dimensionen an. AOL-Chef Steve
Case sei "Franklin D." (Roosevelt), Jim Barksdale von Netscape "Josef Stalin"
und Bill Gates, der Microsoft-Tycoon, "Adolf Hitler". So steht es zumindest
in einer e-mail, die am vergangenen Donnerstag dem Gericht vorgelegt wurde.
Die alliierten Kämpfer für Marktgerechtigkeit, der Microsoft-Konkurrent
Netscape sowie der Internet-Anbieter AOL, hatten sich Nachrichten mit dieser
Rollenverteilung zugesandt. Jetzt fragen sich die Prozeßbeobachter,
wo der neue De Gaulle geblieben ist.
Doch es gab auch noch andere Überraschungen
im "Jahrhundertprozeß". Wie aus einer Gesprächsnotiz des Finanzchefs
von Apple hervorgeht, wurde der Internet Explorer von Microsoft nur als
Standardbrowser auf das Apple-System installiert, weil Gates' Firma dafür
150 Millionen US-Dollar zahlte. Die Notiz schloß mit den Worten:
"Andernfalls sind wir tot."
Schöner Gammeln
"Wir wollen ein Programm mit 100 000 Ausbildungsplätze
für Jugendliche machen. Wer von den Jugendlichen dieses Programm nicht
annimmt, weil er Gammeln für schöner hält, der kann keine
Stütze kriegen."
Bundeskanzler Gerhard Schröder, Spiegel,
26. Oktober 1998
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Die Nachrichten wurden von Becker,
Geiger und Sedlmayr zusammengestellt
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