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Inland Nachrichten
Nazis rein in die Ausschüsse
"Nazis raus aus den Köpfen" plakatierte
die PDS zur Bundestagswahl. Doch im extrazepahlen Raum tritt die Partei
ein weiteres Mal für die ungehinderte Ausbreitung der braunen Ideologieträger
ein. In Eisenhüttenstadt (Brandenburg) blockierten die Sozialisten
eine Initiative der SPD, um den Einzug der Faschos in den Hauptausschuß
des Stadtverordnetenversammlung zu verhindern. Nachdem die neofaschistischen
Republikaner bei der Kommunalwahl am 27. September mit zwei Abgeordneten
in das 41 Sitze zählende Stadtparlament eingezogen waren, hatten die
Sozialdemokraten vorgeschlagen, den Ausschuß von 12 auf 10 Mitglieder
zu verkleinern. Dadurch hätten die Republikaner keinen Sitz beanspruchen
können. Doch der Vorstoß scheiterte an der Ablehnung der elf
PDS-Parlamentarier. Deren vorgeschobene Begründung: Man müsse
sich "demokratisch mit den Reps auseinandersetzen". Doch tatsächlich
schuldeten die Postkommunisten den Neofaschisten noch einen Gefallen: Mit
den Stimmen der beiden Republikaner sowie der CDU und einer Gruppe "Bürger
für Fürstenwalde" war zuvor ein PDS-Mann und früherer SED-Parteisekretär
des Fürstenberger Stahlwerks zum Vorsteher des Stadtparlaments gewählt
worden, obwohl normalerweise die Sozialdemokraten als stärkste Fraktion
Anspruch auf diesen Posten hätten erheben können. Aber irgendwie
hat man die Nazis dann doch noch rausgekriegt aus den Köpfen: Ein
Abgeordneter, der auf der Herrentoilette die Republikaner als "diese Nazis"
bezeichnet hatte, erhielt deswegen vom Stadtparlament mit den Stimmen der
PDS eine offizielle Rüge.
Handlungsfähigkeit
Die Entscheidung fiel in der Nacht von
Donnerstag auf Freitag letzter Woche um vier Uhr morgens. In der Hauptverwaltung
der RWE-Tochter Rheinbraun einigten sich deren Vertreter mit Ministerpräsident
Wolfgang Clement (SPD) und Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne)
auf einen "für alle Seiten tragbaren Kompromiß". Höhn erteilte
Rheinbraun die lang ersehnte wasserrechtliche Genehmigung für den
Braunkohletagebau Garzweiler II. Dafür wurde ihr gestattet, zu behaupten,
die Grünen hätten "keine Niederlage" erlitten und an den wesentlichen
Auflagen zum Umweltschutz sei nicht gerüttelt worden. Erwartungsgemäß
hat das projektierte Loch am Niederrhein somit die letzte entscheidende
Genehmigungshürde genommen. Von Höhn zunächst geplante unangenehme
Klauseln und Auflagen konnte Rheinbraun mit dem Argument der nötigen
"Planungssicherheit" noch in letzter Sekunde wegverhandeln. Der Braunkohlen-Abbau
kann nun planmäßig im Jahr 2006 beginnen. Clement wertete das
Ergebnis als "Durchbruch für die industriepolitische Handlungsfähigkeit
rot-grüner Regierungen". In der Vergangenheit hatten die Grünen
wiederholt ihre weitere Mitarbeit in der nordrhein-westfälischen Landesregierung
davon abhängig gemacht, daß Garzweiler II verhindert wird. Allen
Hoffnungen der SPD, der Umfragen im Falle von Neuwahlen eine absolute Mehrheit
voraussagen, auf Einlösung dieses Versprechens erteilte die Öko-Partei
nun eine entschlossene Absage.
Kontinuität I
Als "wichtige Diskussionsgrundlage" begrüßt
Bundesinnenminister Otto Schily die von seinem österreichischen Amtskollegen
Karl Schlögl ausgearbeitete "Neufassung der Genfer Flüchtlingskonvention",
die sich "auf Globalbeurteilungen einer bestimmten Situation stützen
und den Einzelfall eher als Teil eines größeren Phänomens
erkennen" will und in der Konsequenz die Abschaffung des individuellen
Rechts auf Asyl fordert. Es gehe, so Schily, "um eine der Entwicklung Rechnung
tragende Neukonstruktion des Schutzsystems, die die Genfer Flüchtlingskonvention
nicht antastet, aber komplementär dazu ein zusätzliches Modell
entwickelt". Ziel der deutschen Politik sei es, so Schily beim EU-Innenministertreffen
vergangene Woche in Wien, die "einseitige Belastung Deutschlands" bei der
Aufnahme von Flüchtlingen innerhalb der EU zu ändern.
Kontinuität II
"Niemand braucht sich zu sorgen, mit dem
kommenden Innenminister sei erstmals das Klonen eines scheidenden Innenministers
gelungen."
Otto Schily, Innenminister,
Bonn, 28. Oktober 1998
Kontinuität III
"Der Konsens, der in den letzten Jahren
in wesentlichen Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik gewachsen
ist, ist wertvoll. Wir werden ihn auch in Zukunft erhalten."
Rudolf Scharping, Verteidigungsminister,
Bonn, 28. Oktober 1998
Kontinuität IV
"Lassen Sie uns gemeinsam ans Werk gehen."
Oskar Lafontaine, Finanzminister,
an die größtenteils von der Union eingestellten Beamten seines
Hauses, Bonn, 28. Oktober 1998
Kontinuität V
"Ich werde auf dem aufbauen, was du, lieber
Norbert, in 16 Jahren geleistet hast."
Walter Riester, Arbeitsminister,
Bonn, 28. Oktober 1998
Kontinuität VI
"Wir werden nicht alles anders machen,
aber neue Akzente setzen."
Christine Bergmann, Familienministerin,
Bonn, 28. Oktober 1998
Kontinuität VII
"Hier hat sich die Bundesrepublik umweltpolitisch
stark profiliert."
Jürgen Trittin, Umwelt-
und Atomminister, Bonn, 28. Oktober 1998
Kontinuität VIII
"Aber das Auswärtige Amt bleibt, wie
es war."
Joseph Fischer, Außenminister,
Bonn, 28. Oktober 1998
Resümee
"War der Wahlkampf wirklich nötig?"
FAZ, 29. Oktober 1998
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Die Nachrichten wurden von Beucker
und Dietl zusammengestellt
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