Sony treibt's zur Weissglut
Erstmals seit den Böhsen Onkelz hat
ein Major-Label eine rechtsextreme Band unter Vertrag genommen
Die Band Weissglut um den Antisemiten Josef
Klumb, alias Jay Kay aus Bingen, ist jetzt beim Sony-Label Dragnet/ Epic
gelandet. Zu Klumbs Repertoire gehören die Nazi-Propagandathese von
der Ermordung des Hitlers-Stellvertreters Rudolf Heß, Verschwörungstheorien
im Gefolge seines Freundes Jan van Helsing und der Glaube an die Existenz
von Ufos. Diese wirre Mischung gab er als Sänger von Forthcoming Fire
auf Platten und in Interviews zum besten.
Klumb besetzt eine Kreuzung zwischen organisiertem
Rechtsextremismus und der Subkultur: Er ist Mitarbeiter im rechtsextremen
Verlag VAWS (Verlag und Agentur Werner Symanek). Dort bastelt er an der
Verknüpfung von rechter Propaganda und subkulturellen Accessoires,
wie beim Riefenstahl-Sampler (1997) und dem soeben erschienenen Nachfolge-Projekt
zu Ehren des Nazi-Bildhauers Josef Thorak.
Für die rechtsextreme Junge Freiheit
(JF) posierte Forthcoming Fire in einer Werbeanzeige im Darkwave-Magazin
Zillo. In einem Interview mit der JF meinte Klumb im August 1996: "Ich
glaube an die Lichtgestalt dieser geschändeten Nation. Ihre Geisteskultur,
die eine liebende ist, kann und darf nicht länger unterdrückt
werden."
Ein knappes Jahr später tauchten Klumb
und Anhang gemeinsam mit den JF-Autoren Ellen Kositza und Claus-Michael
Wolfschlag bei einer Veranstaltung mit Alfred Schobert vom Duisburger Institut
für Sprach- und Sozialforschung (Diss) auf. Da deutlich war, daß
Klumb und seine JF-Freunde die Veranstaltung stören wollten, wurden
sie vor die Tür gesetzt. Dabei setzte sich Klumb mit Bissen und Schlägen
zur Wehr.
In der Vergangenheit hatte sich Klumb durch
teilweise konfuse Drohungen gegen Antifas hervorgetan. So erhielt das Juz
Bingen, wo Klumb Hausverbot hat, im Oktober 1995 einen wirren Brief: "ICH
befinde mich in einem HEILIGEN KRIEG; UND WER ZWICHEN DIE FRONTEN GERÄT
indem er aus Unverständnis mir zu nahe kommt oder meinem Umfeld beschwört
sich eine GEWALT herauf die ich nicht zu verantworten habe, und die sich
entlädt ohne Spuren zu hinterlassen" (alle Fehler im Original).
Sein Versuch, sich in der Mainzer Lokalpresse
als Märtyrer wichtig zu machen, scheiterte. Und so polemisiert wenige
Tage nach der Veranstaltung eine sichtlich beleidigte Kositza in der JF
gegen "intolerante und undemokratische" AntifaschistInnen und beschuldigt
Schobert, "kritikunfähige Jugendliche gegen Menschen konservativer
Geisteshaltung" aufzuwiegeln.
Vorher schon, in einem Flugblatt des Nazi-Esoterikers
G. Petak alias Kadmon (Musikprojekt Allerseelen) vom 13. Juli 1997, wird
der Rausschmiß Klumbs in eine Reihe mit Angriffen gegen prominente
Rechte gestellt. Der Nazi-Barde Frank Rennicke und der Vordenker der französischen
"Neuen Rechten", Alain de Benoist, tauchen ebenso auf wie der Revisionist
Ernst Nolte und Rainer Zitelmann. Um Josef Klumb wird ein Mythos gebastelt,
der ihn als Opfer linker "Gesinnungsterroristen" stilisiert.
Die vermeintlich "unpolitischen" Teile
der Darkwave-Szene haben sich nicht nur durch Verharmlosungen Klumbs hervorgetan,
sondern den Mythos von Rechts begeistert aufgenommen. So wird der hauseigene
Märtyrer zum Anfassen auch im Berliner Dark Sign bemüht.
In einem "Offenen Brief an alle Printmedien"
beklagen sich Redakteure des "Fanzine für die dunkle Seite der Kultur"
über "die politisch korrekten Leute (...) die eine Hetzjagd auf Zeitungen
und Bands machen". Die Opferstilisierung gipfelt in der Frage, ob "demnächst
jeder vergast" werde, "der ein falsches Wort sagt, welches von jenen Antifa-Saubermännern
als rechtsradikal ausgelegt wird".
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