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Ermittlungen gegen Taxi-Fahrer auch in Berlin
Nur für Deutsche
Äh, ... hallo, Weltöffentlichkeit!
Wahrscheinlich interessiert Dich das gar nicht, und, äh, ich stör'
ja wirklich ungern ..., aber in Deutschland werden Menschen dunkler Hautfarbe
nicht mehr in Taxen befördert. Ja, ja, Du hast zu tun, ich weiß.
Wenn das in Frankreich so wäre oder in Belgien, klar, da würdest
Du zumindest mal rüberschielen. Aber Deutschland ... Naja, ich kann's
Dir nicht verdenken. Ist ja nichts Neues.
Schon 1997 hat der Bundesgrenzschutz die
Taxifahrer im ostdeutschen Grenzgebiet angewiesen, sich vor der Beförderung
eines Ausländers zu versichern, daß er sich legal in Deutschland
befindet. Ansonsten sei die Polizei zu informieren, bzw. der Flüchtling
direkt zur Wache zu befördern. Inzwischen sind allein in Brandenburg
und Sachsen 70 Ermittlungsverfahren gegen Taxifahrer anhängig, die
Ausländer transportierten. Acht von ihnen wurden zu teils mehrjährigen
Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt. Vorwurf: Mitwirkung am illegalen
Grenzübertritt. Nun gibt es auch Berlin die ersten Verfahren. Vier
Taxifahrern wird derselbe Vorwurf gemacht. Sie hatten in Flugplatznähe
Nichtdeutsche mitfahren lassen.
Natürlich ist es ihnen nicht ausdrücklich
verboten, ausländisch aussehende Menschen zu transportieren. Doch
in der Praxis läuft es darauf hinaus, daß ein Taxifahrer einen
Bleifuß macht, wenn ein Schwarzer am Straßenrand winkt, bevor
er sich womöglich Ärger mit der Polizei, Lizenz- und Führerscheinentzug
und vielleicht sogar eine Haftstrafe einhandelt. Übrigens gilt die
Anweisung des Grenzschutzes auch für Busfahrer.
Busse und Taxen nur noch für Deutsche.
Findest Du, Weltöffentlichkeit, das echt uninteressant? Ich weiß,
gerade vor Dir sollte man mit historischen Vergleichen vorsichtig sein,
aber mal im Ernst, erinnert Dich das nicht an irgend etwas? Naja, aber
ich kann natürlich nicht erwarten, daß Du Dich über diese
Sache aufregst. Schließlich regt sich hierzulande ja auch kaum jemand
so richtig auf. Nicht einmal die Taxifahrer.
Was solls?! Die paar Ausländer im
Osten, da geht ihnen kein großes Geschäft durch die Lappen,
wenn sie die einfach am Straßenrand stehen lassen. Und Taxifahrer
sind auch nicht weniger rassistisch als andere. Bisher gab es in Sachsen
zwei Demos, Taxi-Konvois, gegen die rassistische Anweisung. Beteiligung:
Ganze zwölf Taxen aus Berlin und Hamburg, linke Kollektive allesamt.
Aus Zittau beteiligten sich zwei (!) Kollegen. Zwei, liebe Weltöffentlichkeit,
ja, Du hast richtig gehört. Der Rest beteiligt sich lieber an der
Polizeiarbeit und liefert Flüchtlinge dem Bundesgrenzschutz aus oder
läßt sie einfach im Regen stehen.
Wie kann man nun das Recht ausländischer
Menschen auf Mobilität durchsetzen? Auf Rot-Grün hoffen? Ich
sag nur: Schily! Und die Justiz? Gibt es nicht ein Grundgesetz, nach dem
kein Mensch wegen seiner Abstammung diskriminiert werden darf? Es sind
die Gerichte, welche die Taxifahrer reihenweise einbuchten. Demos, Streiks
und Sabotage? Tja, und wer bitte soll das tun?
Du siehst schon, Weltöffentlichkeit,
das ist alles reichlich hilflos. Vielleicht könntest Du Dich ja doch
noch einmischen. Also, ich wäre Dir da jedenfalls sehr dankbar. Schau
doch mal vorbei in Deutschland, äh, das heißt natürlich,
wenn man Dich reinläßt.
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