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Nachrichten
Forelle blau
An Ideen mangelte es der Buckowerin, die
jetzt "hauptberuflich privat" die Disco organisiert, noch nie. "Ich halte
es einfach nicht lange auf meinen vier Buchstaben aus", lacht Gitti Hinz.
Kein Wunder, daß die gebürtige Dresdenerin, die in Berlin aufwuchs,
schon in jungen Jahren als Propagandistin kreuz und quer durch die Republik
reiste: "Von Tonbändern bis zu Perücken habe ich alles verkauft."
Gut, daß Schäferhund Rocky täglich Auslauf will und Ehemann
Michael höchstens am Wochenende seine Gitti auf dem heimischen Sofa
hält. Ihre Kinder Michael, Christine und Yvonne wandeln längst
auf eigenen Pfaden.
Sitzt die Powerfrau doch mal still, dann
ist das sicher in ihrem Neuköllner Stammlokal. Hier legt sie als leidenschaftliche
Skatspielerin regelmäßig die Karten auf den Tisch.
Ute Schirmack, Berliner Morgenpost,
5. September
Teelicht für den 'Tagesspiegel'
Im schmucklosen Bürohaus an der Potsdamer
Straße gehen die Lichterketten an: Giovanni di Lorenzo, Gastgeber
der Talkshow III nach neun sowie Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung,
übernimmt im Januar 1999 die Chefredaktion des Berliner Tagesspiegel
und damit die Führung in einem der behäbigsten Blätter Deutschlands.
Bekannt wurde der heute 39jährige Lorenzo durch seinen Aufruf zur
bundesweiten Illumination aus Protest gegen die rassistischen Anschläge
in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen ("Mein Freund ist Ausländer").
Jetzt ging dem bislang von zwei Chefredakteuren, Walther Stützle und
Gerd Appenzeller, verwalteten Blatt, in dem schon eine Türkisch-für-Leser-Kolumne
ein gewagtes Experiment bedeutet, ein Licht auf. Mit Giovanni di Lorenzo
tritt der liberal-konservative Tagesspiegel die Flucht nach vorn an. Eigentlich
nur eine Frage der Zeit, wann sein neuer Chefredakteur das gleiche macht.
Filmkritik
Gegen ihre kollektive Rolle als Filmbösewicht
im amerikanischen Kino protestieren islamistische Organisationen in den
USA anläßlich des neuen Bruce Willis-Films "The Siege", worin
moslemische Extremisten für eine Serie von Bombenanschlägen verantwortlich
sind. Die Regierung verhängt Kriegsrecht und sperrt alle Moslems in
Konzentrationslager. Während die Islamisten, die das nach dem Ende
des Kalten Krieges vakante Feindbild im US-Kino besetzen müssen, dagegen
protestieren, daß Moslems im US-Kino immer nur als bösartig
dargestellt werden, beharrt der Regisseur darauf, der Film handele von
der amerikanischen Vorliebe, Außenseitergruppen ins Fadenkreuz zu
nehmen.
Thoma berät
Vorbei die Zeit, als die Privaten zum Feindbild
der Sozialdemokraten taugten. Einer, der sich zügig auf den Standortvorteil
des Privatfernsehens besann, ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident
Wolfgang Clement. Künftig wird sich Clement, bereits eng verbandelt
mit Viva-Chef Dieter Gorny, von Noch-RTL-Chef Helmut Thoma beraten lassen.
Dieser wechselt im November an die Spitze des RTL-Beirats, wohin ihn der
Konzern versetzt hat. Thoma erwartet nach eigenen Worten "keine besonders
aufregende Tätigkeit" und kümmerte sich deshalb frühzeitig
um einen Nebenjob - gegen den Willen von Bertelsmann, wo man über
Thomas Spezialauftrag nicht besonders erfreut ist. Thoma soll für
Clement neue Investoren ins Land holen, Bertelsmann wittert Konkurrenz
für RTL. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Thoma,
der Markt sei saturiert, und nachdem Nickelodeon und der Wetterkanal dicht
gemacht sind, würden weitere Sender folgen. "Ich sage aber jetzt nicht,
welche, daß kann sich ja jeder selbst ausrechnen." RTL war nicht
gemeint.
Lasergesteuerte Hasen
Ein spezieller Wochentag, möglicherweise
der Mittwoch, soll künftig zum Leichtathletik-Tag werden, an dem im
Fernsehen regelmäßig Spitzenleistungen zu bestaunen sein werden.
Dazu wurde die Zahl der bisher unter dem Namen "Golden Four" firmierenden
Austragungsstätten vergrößert und das ganze in "Golden
League" umbenannt. Die Rekorde und Höchstleistungen, die man dem Fernsehzuschauer
präsentieren will, sollen vor allem durch verbesserte technische Voraussetzungen
ermöglicht werden: Der bisher auf den Langstrecken notwendige Hase,
ein gut bezahlter Spezial-Läufer, der in der Lage ist, exakt die Rundenzeiten
zu laufen, die zu einem Weltrekord benötigt werden, und der dem hinter
ihm herlaufenden Spitzenläufer so die Voraussetzung für den Rekord
schafft, könnte durch einen Laserstrahl ersetzt werden. Der würde
nicht nur keine Startgelder kassieren, sondern hätte vor allem den
Vorteil, daß er sich bis auf die Hundertstel-Sekunde genau an die
Route halten kann und nicht einige Runden vor Schluß erschöpft
aus dem Rennen aussteigt.
Seppel sind selten
Weil Amerikaner beim Stichwort "deutsche
Kultur" immer nur an Trachtenkapellen und Wurstbuden denken, wollen private
und staatliche Kulturorganisationen gemeinsam das Deutschlandbild der US-Bürger
aufpolieren, beschloß in Stuttgart ein "Runder Tisch USA" am Institut
für Auslandsbeziehungen (ifa). Wie der Generalsekretär des Instituts,
Kurt-Jürgen Maaß, mitteilte, werden rund 20 Organisationen ihre
Arbeit koordinieren, um der Zielgruppe, der nordamerikanische Führungselite,
ihre Vorurteile auszutreiben.
Dänemarks Brücken
Dänemark ist ein Land mit vielen Brücken,
und man hat als Tourist gute Chancen, direkt neben einer zu wohnen. Seltener
kommt vor, daß man gleich zwischen zwei dieser Bauwerke, Quartier
bezieht (aber auch das gibt es, wenn gespart werden muß Ö).
Manchmal fallen von den Brücken auch Menschen herunter, z.B. vergangene
Woche von der zehn Meter hohen Limfjord-Brücke bei Aalborg: "Frau
meckerte zuviel - ihr Mann sprang von Brücke", faßte Bild den
Höhepunkt eines Ehekrach griffig zusammen. Der Autofahrer hatte nach
Angaben des deutschen Boulevardblatts den Wagen auf der Brücke gestoppt
und war kurzentschlossen übers Geländer ins Wasser gesprungen,
um dann an Land zu schwimmen. "Meine Frau hat die ganze Fahrt über
geschimpft und gestritten, es war einfach nicht mehr zum Aushalten", begründete
der Mann seinen Sprung. Solche Vork¿mmnisse sind aber keineswegs
landestypisch.
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Die Nachrichten wurden von Heike
Runge und Elke Wittich zusammengestellt
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