Crossover in Moskau
Rußlands "Neue Rechte" befindet sich
auf dem Vormarsch.
Von Jean Cremet
1. Hauptfeind Liberalismus
Rußlands "neue Rechte" formiert sich.
Jenseits des Radau-Antisemitismus, jenseits der Losung vom "Kampf des Dorfes
gegen die Stadt" der rückwärtsgewandten Dorfprosaiker und auch
jenseits der dubiosen parteipolitischen Sammlungsversuche der Skandalnudel
Wladimir Schirinowski (1). Gesucht werden Kontakte zu rechten Intellektuellen
sowie Verbindungen zu den im Vergleich zu früheren Zeiten kläglichen
Resten der KPdSU, die jetzt unter dem Namen KP Rußlands firmieren.
Da die Kommunisten die Macht im Staat verloren
haben, aber noch eine reale Macht darstellen, sind sie zu potentiellen
Verbündeten für die "Neue Rechte" geworden. Dies um so mehr,
da sie unter der Führung ihres neuen Vorsitzenden Gennadij Sjuganow
(2) den Nationalismus nicht nur für sich entdeckt haben, sondern ihn
auch offen propagieren. Hatten sie in der Vergangenheit bereits die theoretisch
fragwürdige Unterscheidung zwischen Kosmopolitismus und Internationalismus
getroffen, um einen "sozialistischen Patriotismus" zu rechtfertigen, so
werfen sie jetzt den Internationalismus vollkommen über Bord, indem
sie ihn mit dem bereits negativ besetzten Kosmopolitismus identifizieren.
Der Zerfallsprozeß der UdSSR hatte
auch bei Sjuganow und seinen Anhängern die Frage aufgeworfen, was
denn eigentlich das Subjekt der nationalen Identität ist. Wer gehört
zur Nation? Wer nicht? Wo liegen die Grenzen der zu schaffenden Nation?
Die daraus resultierenden Problemstellungen waren die gleichen wie bei
der extremen Rechten: Sollte man das imperiale Reichsmodell beibehalten
und lediglich den veränderten Bedingungen anpassen, oder sollte man
den Übergang zum völkischen Nationalismus mit der Forderung nach
einem Rußland der Russen vollziehen?
So begannen in diesen beiden ideologischen
Strömungen Rußlands zum Thema "Nationale Identität" die
gleichen Diskussionsprozesse wie bei der "Neuen" Rechten Westeuropas. Und
beide erklärten die USA - als höchste Stufe des Liberalismus
- zum neuen Hauptfeind.
Schon in den achtziger Jahren hatten die
Theoretiker der "Neuen" Rechten analysiert, daß die Besetzung Osteuropas
durch den Bolschewismus erträglicher sei als die Westeuropas durch
die USA, da es dem realsozialistischen System nicht gelungen sei, kulturell
vollkommen zerstörerisch zu wirken. Tief im Innern der Menschen lebe
die östliche Kultur noch. Die rechten Ideologen Rußlands argumentierten
ähnlich: Sie gingen davon aus, daß eine im russischen Menschen
verwurzelte Spiritualität dem westlichen (sprich: US-) Wesen entgegensetzt
sei, da dieses atheistisch und materialistisch sei. Bei der starken Betonung
des spirituellen Faktors, die der westeuropäischen "Neuen Rechten"
seit eh und je eigen ist, war dies ein Anknüpfungspunkt par excellence.
Zudem wurde bereits vor der Perestroika darauf hingewiesen, daß nicht
nur geopolitische Gegensätze, sondern auch geopolitische Gemeinsamkeiten
bestünden. (3)
2. Mut zur "Barbarei"
Igor Schafarewitsch (4), Verfasser des
auch auf Französisch und Deutsch erschienenen antisemitischen Bestsellers
"Russophobie" (5), behauptet, der Grund für die angeblich ewige Feindschaft
des Westens gegenüber Rußland liege in dessen Weigerung begründet,
sich in die technologische Zivilisation eingliedern zu lassen. Dem Westen
entspreche die Stadt und das Mechanische, dem Osten dagegen das Land und
das Organische. Ähnlich hatte in der Zwischenkriegszeit bereits der
deutsche Nationalrevolutionär Ernst Niekisch argumentiert: "Ostorientierung
wäre Rückkehr zum Land, Auflehnung gegen die Stadt, Mut zu bäuerlicher
'Barbarei' und Primitivität. (...) Für die Nation wäre wieder
ein Boden gewonnen, in den ein nährendes Wurzelgeflecht tief und fest
gesenkt werden könnte." (6)
Zivilisation steht hier als Synonym für
Entwurzelung. Entwurzelung steht für Chaos, für Entropie, für
Dekadenz. Dies alles konzentriert sich in der Großstadt, dem ideellen
Gesamtfeindbild, dem Ort von Verbrechen, Laster, Vermassung und Verlust
der Persönlichkeit. Die Vermischung mit dem slawischen Osten, hoffte
Niekisch, könnte Deutschland neue Nährkraft und Verankerung verleihen.
Heute sieht Schafarewitsch in Rußland die letzte Bastion gegen die
westliche Zivilisation, gegen Habgier, Wachstums- und lineares Fortschrittsdenken
sowie gegen den Konsumismus.
Und als Fünfte Kolonne des Westens
in Rußland wirke das "Kleine Volk", das nicht ausschließlich,
aber vorwiegend aus der jüdischen Minderheit bestehe. Wurde diese
früher für den Bolschewismus verantwortlich gemacht, dient sie
heute als Sündenbock für den Kapitalismus, der in dieser Weltsicht
die zweite Etappe des geistigen Krieges zur Zerstörung der russischen
Werte darstellt. Schon die Verteilung der Juden über die ganze Welt
zeige deren Kosmopolitismus/Internationalismus. Ist dieses "Argument" nicht
brauchbar, kann man sie immerhin noch als Agenten einer fremden Macht,
des israelischen Zionismus, denunzieren. Die Bewahrung der kulturellen/religiösen
Identität, die man für sich selbst einfordert, dient in diesem
Fall als Nachweis der nicht integrierbaren Fremdheit. Die bei Schafarewitsch
vorzufindende Melange aus konservativ-revolutionären Ideologemen,
virulentem Antisemitismus und Verschwörungsmythen ist bei der gesamten
russischen extremen Rechten eher die Regel denn die Ausnahme.
Die Zusammenarbeit dieser beiden starken
Strömungen - der rechten Intelligenz und des sich kommunistisch nennenden
Traditionskabinetts - war im Vorfeld der Putsch-Farce vom August 1991 gegen
die Reformpolitik Gorbatschows in Gang gesetzt worden. Sie gewann in den
beiden folgenden Jahren immer mehr an Dynamik. Zur Initialzündung
geriet die blutige Auseinandersetzung zwischen Parlament und Präsident
im September und Oktober 1993. Immer stärker wurden in den Diskussionsprozeß
auch Theoretiker der westeuropäischen "Neuen Rechten" einbezogen.
3. Annäherungen aus dem Westen
Der wohl erste von ihnen, der die Reise
in bisher feindliches Gebiet antrat, war ihr französischer Chefideologe
Alain de Benoist. Im März 1992 unternahm er mit Gefolge, Jean Laloux,
dem Chefredakteur seiner Zeitschrift Krisis, sowie dem damaligen engen
Mitstreiter Robert Steuckers, eine Reise nach Moskau. Neben zahlreichen
Arbeitstreffen mit prominenten Politikern, Schriftstellern und Militärs
gab man eine Pressekonferenz gemeinsam mit dem russischen Journalisten
und Übersetzer Alexander Dugin (7), der sich in den kommenden Jahren
als wichtiges Bindeglied der "Neuen Rechten" zwischen West und Ost erweisen
sollte.
Der Franzose Benoist und der Belgier Steuckers,
Herausgeber der nationalrevolutionären Theoriezeitschrift Vouloir,
sind seit mehr als zwanzig Jahren zwei der wichtigsten Akteure der "Neuen
Rechten", die sich 1968 in der Organisation GRECE zusammengeschlossen hatte.
Benoist war aber bereits in deren diversen Vorläuferorganisationen,
die mit der absehbaren Niederlage Frankreichs im Kolonialkrieg gegen Algerien
in Abgrenzung von der traditionellen neofaschistischen Rechten entstanden
waren, mit dabei.
Dort wurde seit 1960 - in allmählicher
Lösung von der zentralen Rolle der Nation in der Ideologie der extremen
Rechten - zunehmend an der Entwicklung von Europa-Konzeptionen gearbeitet.
Man war zu der Einschätzung gekommen, daß keiner der europäischen
Mittelstaaten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehr in der Lage sein
würde, eigenständig eine Weltmacht-rolle ausfüllen zu können.
(8)
Benoist avancierte schnell zum produktivsten
und innovativsten Autor und Denker dieser neuen Schule, wenn auch die Ablösung
von der Standardideologie bei ihm erst nach und nach erfolgte. Wo die alte
Rechte, bedingt durch ihren Primat des Antikommunismus, noch das realsozialistische
Lager als Hauptfeind ausmachte, forderte die "Neue Rechte" eine Äquidistanz
sowohl zur UdSSR als auch zu den USA. Beide wesensgleichen Supermächte
hielten Europa besetzt und würden es in einen quasi kolonialen Status
zwängen.
Die USA aber waren womöglich noch
gefährlicher als die UdSSR, denn während diese - so die "Neue
Rechte" - Osteuropa militärisch und ideologisch unterdrückten,
erfolgte die Repression durch die Vereinigten Staaten auch in wirtschaftlicher
und kultureller Form. Letzteres aber sei die nachhaltigste und gefährlichste
Art, da sie Identität zerstöre: "(Es) könnte die Befreiung
von den Sowjets in keiner Weise eine Liberalisierung rechtfertigen, die
bei der gegenwärtigen Sachlage einer Amerikanisierung gleichkäme.
Solange Europa mit der einen oder mit der anderen Großmacht verbündet
ist, so lange wird es in einem Abhängigkeitsverhältnis verharren
und die zur Bewältigung seines Schicksals erforderliche Autonomiefähigkeit
vermissen." (9)
4. Das Gespenst der Amerikanisierung
Die befürchtete "Amerikanisierung"
Rußlands trat nunmehr mit der Präsidentschaft Boris Jelzins
und seiner neoliberalen Gefolgsleute ein. Und die Situation verschärfte
sich noch nach dem Gemenge von Putsch und Gegenputsch des Oktobers 1993.
Die wahre Herrschaft im Lande schienen die Weltbank und der Internationale
Währungsfonds auszuüben. Die Wiederwahl des Präsidenten
1996 wurde nicht zuletzt dadurch gewährleistet, daß für
den Wahlkampf ein US-amerikanisches Expertenteam verpflichtet wurde. Die
"Neue Rechte" fühlte sich bestätigt. Wollte man die drohende
totale Amerikanisierung Rußlands verhindern, dann mußte man
alle Kräfte als potentielle Bündnispartner betrachten, die das
Feindbild Liberalismus teilten. Als Sinnbild des verhaßten Liberalismus
steht Boris Jelzin.
Dieser, so Benoist nach seinem Besuch 1992
in Moskau, führe lediglich das Wesentliche der Politik Gorbat--schows
fort, nämlich die Auflösung der Staatlichkeit und die Umsetzung
der durch den Westen aufgezwungenen Reformen, stets auf Kredite in Milliardenhöhe
hoffend. Für den Chefdenker der "Neuen Rechten" ist dies ein Irrweg,
denn:
"Der Kapitalismus hat zwei Jahrhunderte
gebraucht, um sich im Westen zu entwickeln und dabei die bekannten sozialen
Leiden hervorzurufen. Sich vorzustellen, daß der gleiche Prozeß
sich in Rußland innerhalb von zwei Jahren vollziehen könnte,
ist nur ein Traum. Man kann nicht dort eine Marktwirtschaft installieren,
wo es keinen Markt gibt. Genau das ist es, was die liberalen Demokraten
nicht begreifen können. (...) Die Wahrheit aber ist, daß die
Amerikaner ganz einfach nicht über die Mittel verfügen, ein Land
von der Art Rußlands zu 'gesunden' (...) und dabei zugleich Polen,
Ungarn, der Tschechoslowakei usw. zu helfen." (10)
Den Amerikanern gehe es in Wirklichkeit
auch gar nicht um Hilfe, sondern darum, Rußland zu paralysieren,
indem es in das Joch des Internationalen Währungsfonds gezwängt
werde. Ausschlaggebend dafür seien geopolitische und eigennützige
Erwägungen.
Von seiner Visite in Moskau, die seine
einzige bleiben sollte, kehrte Benoist mit einer klaren Einschätzung
zurück: "Die gegenwärtige Situation kann nicht von Dauer sein,
und die Russen stehen mit dem Rücken an der Wand. Der Kommunismus
wird nicht wiederkehren, der Kapitalismus ist unmöglich: man muß
also etwas anderes erfinden." (11)
Gefordert wurde wieder einmal der berühmte
"Dritte Weg", der jenseits von Kapitalismus und Sozialismus verlaufen soll.
5. Sjuganow auf rechtem Kurs
Doch dafür bedurfte es auf russischer
Seite zweier Voraussetzungen: Zunächst der aktiven Mitwirkung ähnlich
ausgerichteter Persönlichkeiten der extremen Rechten mit relativ hohem
Bekanntheitsgrad. Dann aber auch der Bereitschaft einer ideologisch beträchtlich
modifizierten Linken mit Masseneinfluß. Gennadij Sjuganow, Chef der
sich als Kommunisten bezeichnenden Großpartei, erschien somit geradezu
als idealer Bündnispartner gegen den Jelzinschen Liberalismus.
Sogar ein notorischer Antikommunist wie
Wolfgang Strauss, OsteuropaExperte der deutschen extremen Rechten, fand
nach der Präsidentschaftswahl des Jahres 1996 nahezu enthusiastische
Worte für den heutigen KP-Chef: "Sjuganows Stärke besteht in
seinem Bündnis mit den Nationalpatrioten. Diese unterstützen
ihn nicht nur deshalb, weil er das amerikanische Hegemoniestreben attackiert
und Rußland aus der Abhängigkeit des nach Weltherrschaft strebenden
Dollarimperiums befreien will. Auch geistige, moralische Gründe spielen
eine Rolle für das Bündnis Sjuganow-Nationalpatrioten. Die Zukunft
Rußlands liegt für Sjuganow, der sich von der Doktrin des Atheismus
und Internationalismus verabschiedet hat, nicht im westlichen Individualismus
und Liberalismus, sondern in der Besinnung auf die eigenen russischen Werte
wie Gemeinschaftlichkeit, Solidarität, Volksverbundenheit, Reichsdenken
und im Streben nach Verwirklichung eines national fundierten Sozialismus.
Liberalismus und Kapitalismus werden der russischen Mentalität immer
fremd bleiben. 'Nur durch Reinheit, Gebete und Arbeit werden wir alle das
feindliche und böse, unserem Vaterland fremde Idol des Mammons besiegen.
Seien wir einig in unserer Liebe zu Gott und Vaterland!' Mit diesem Bekenntnis
gewann Sjuganow das Vertrauen von Millionen nichtkommunistischer Russen."
(12)
Leider ist Sjuganow keine Ausnahmeerscheinung
innerhalb der Kräfte, die sich in Rußland als "links" bezeichnen.
Als weitere Kraft ist die Partei Arbeitendes Rußland zu nennen, die
bei den letzten Wahlen mit 4,52 Prozent nur knapp an der Fünf-Prozent-Hürde
scheiterte. Ihrem Vorsitzenden Viktor Anpilow gelang es allerdings, ein
Duma-Mandat direkt zu erringen.
Der frühere Fabrikarbeiter und spätere
Journalist gründete 1989 in Leningrad die oppositionelle Vereinigte
Front der Werktätigen gegen die "Aufweichungserscheinungen" in der
Gorbatschow-Ära. Er verstand seine Parteischöpfungen stets als
linkes Korrektiv zur jeweiligen Kommunistischen Partei. Im Klartext hörte
sich das bei ihm so an: "Die Klassenfrage und die nationalen Interessen
Rußlands sind zur Zeit ineinander verschränkt, miteinander verschmolzen.
(...) Die Juden sind nicht die Gefahr in Rußland. Die Gefahr kommt
vom Weltkapitalismus. 80 Prozent des Weltkapitals sind aber in der Hand
jüdischer Familien. Die Interessen des Kapitals und die Interessen
der Juden sind dieselben." (13)
Anpilow hatte 1993 bewiesen, daß
er nicht nur ein Mann großer Worte, sondern auch einer der Tat ist.
Er leitete die Verteidigung des Parlamentsgebäudes gegen die Präsidententruppen
und war bis zur Amnestie des Jahres 1994 deswegen inhaftiert. Er hat es
Sjuganow offenbar nicht übel genommen, daß dessen Partei sich
damals zurückhielt. Denn 1996 finden wir Anpilow unter den prominenten
Unterstützern Sjuganows. Er reklamierte zugleich, in dessen Partei
über zahlreiche Anhänger zu verfügen, da die KP Rußlands
sich in der Eigentumsfrage zu stark am status quo orientiere.
Für Anpilow ist die Kontrolle des
Staates über die Wirtschaft unverzichtbar. Rußland erlebe unter
Jelzin, so ein weiterer zentraler Kritikpunkt, die "Wiedergeburt einer
Monarchie, sogar mit deren äußeren Merkmalen". (14)
6. Die "Nachtigall des Generalstabs"
Der Schriftsteller und Publizist Alexander
Prochanow, Gastgeber der Podiumsdiskussion zwischen den "Neurechten" aus
Westeuropa und Sjuganow von 1992 in den Räumen des Patriotischen Schriftstellerverbandes,
muß ebenfalls recht angetan gewesen sein von der "Kommunismus"-Version
des KP-Chefs. Im Präsidentschafts-Wahlkampf 1996 jedenfalls avancierte
er zu dessen Berater und nahm Sjuganow dabei auch gegen die gelegentlich
auftauchenden Antisemitismus-Vorwürfe in Schutz.
In seinem Buch "Ich glaube an Rußland"
hatte Sjuganow geschrieben: "Die jüdische Diaspora kontrolliert traditionell
das Finanzleben des Kontinents und wird jeden Tag mehr zur hauptsächlichen
Inspirirationskraft des westlichen sozio-ökonomischen Systems."
Prochanows lakonischer Kommentar dazu:
"In Rußland, wie in ganz Europa, ist eine Situation entstanden, die
dazu führt, daß, wer auch immer über die Beziehungen der
Juden zur Gesellschaft spricht, als antisemitisch eingestuft wird. Die
Beziehungen zwischen Russen und Juden sind effektiv besorgniserregend,
wie sie es stets gewesen sind, weil es viel Leiden auf beiden Seiten gegeben
hat. Sjuganow spricht als politischer Analytiker von Fragen, die über
den Rahmen Rußlands hinausragen. Aber er ist kein Antisemit." (15)
Prochanows seit Dezember 1991 wöchentlich
herausgegebene Zeitschrift Djen ("Tag") gilt auch unter ihrem neuen Namen
Sawtra ("Morgen"), den sie nach einem kurzen Verbot in Folge des Oktoberputsches
1993 annahm, unter den einschlägigen Blättern der russischen
extremen Rechten als wichtigstes Theorieorgan mit Massenauflage (zeitweise
ca. 200 000 Exemplare). Djen wirkt strömungsübergreifend und
zählt auch Exponenten der KP zu ihren Mitarbeitern.
Die Nähe zur kommunistischen Führung
war beileibe nicht neu für den Schriftsteller und Sekretär des
durch politische und literarische Reaktionäre dominierten Patriotischen
Schriftstellerverbandes. Prochanow, der zunächst durch den reformkommunistischen
Autor Jurij Trifonow gefördert worden war, identifizierte sich im
Zuge des Afghanistan-Krieges so stark mit dem Militär und den imperialen
Interessen, daß er den Spitznamen "Nachtigall des Generalstabs" erhielt.
Nachdem Afghanistan zum Vietnam der UdSSR geworden war, glaubte er, die
wahren Schuldigen an der Niederlage enthüllen zu können. In seiner
Version der Dolchstoßlegende heißt es:
"Die amerikanische, pro-israelische Lobby
in der UdSSR war an dem Zerwürfnis Moskaus mit der muslimischen Welt
interessiert, an der Schaffung einer Mißstimmung zwischen Slawen
und Muslimen in unserem Land, so daß die UdSSR vom Nahost-Konflikt
abgelenkt wurde und ihre Aufmerksamkeit auf eine andere Region richtete,
während Israel vom Druck seiner arabischen Nachbarn entlastet wurde.
Der Einfluß dieser Lobby auf die Führung des Landes erwies sich
als entscheidend." (16)
Er bewies damit lediglich, daß Faschismus
auch in seiner Inkubationsphase weder auf Antisemitismus (auch wenn dieser
als Antizionismus getarnt wird) noch auf Verschwörungsmythen verzichten
kann. Hinter den offen handelnden politischen Mächten werden stets
andere Kräfte gesehen, die die Fäden ziehen, an denen die Politiker
wie Marionetten geführt werden. Stets wird es sich dabei um international
ausgerichtete und arbeitende Gruppen handeln, die sich in wechselnden Bündniskonstellationen
gegen die "patriotischen" Kräfte zusammenschließen. Nur die
Eingeweihten vermögen, deren Wirken und die Motivationen dafür
zu erkennen und zu entschlüsseln. Dieser Ansatz verbindet die extreme
Rechte in allen Ländern seit ihren Anfängen. Charakteristisch
ist, daß bei allen sonstigen Variationen die Juden stets als wichtiger
Bestandteil der Verschwörung gegen das eigene Land gesehen werden.
(17)
7. Späte Allianz von Rot und Weiß
Gegen dieses Feinbild müssen eigene
Kräfte und positive Mythen mobilisiert werden. In der Vergangenheit
hatte Prochanow die Rote Armee als realen, das Volk einenden Mythos genutzt.
In seinem 1991 veröffentlichten Roman "Ein Engel flog vorbei" dagegen
griff er auf rein ideologische Mächte zurück, um "die moralische
Genesung der russischen Nation in der Triade von russischem Christentum,
russischem Reichsnationalismus, russischem (nicht-marxistischem!) Sozialismus"
(18) zu erreichen. Die
beabsichtigte ethnische Homogenisierung
soll innenpolitisch ergänzt werden durch die Konvergenz bisher antagonistischer
Kräfte. Beim Gründungskongreß der von Prochanow wesentlich
initiierten Front der Nationalen Rettung (FNR) am 24. Oktober 1992 in Moskau
erklärte er,
das FNR-Programm der Front sei die Beendigung
"des früheren ungerechten Bürgerkrieges zwischen Rot und Weiß.
Die Zukunft Rußlands liege in der sinnvollen Allianz von Anhängern
der sozialen Gerechtigkeit, den 'Roten', und der nationalen Tradition,
den 'Weißen'". (19)
Beide seien nun vereint im Kampf gegen
den "Mondialismus und Kosmopolitismus", gegen den US-amerikanischen Kapitalismus,
gegen den sozialen, nationalen und geopolitischen Verrat von Jelzin und
Gorbatschow. Ziel sei die Wiedereroberung des Staates.
Die FNR, zu deren Gründungsmitgliedern
auch Sjuganow gehörte, wurde tatsächlich schnell zum wichtigsten
Knotenpunkt der Kooperation zwischen den Nationalkommunisten und den Theoretikern
der extremen Rechten sowie einigen ihrer Parteiführer.
"Alle Versuche Jelzins, diese 'rot-braune'
Oppositionsfront verbieten zu lassen, wurden gerichtlich zurückgewiesen,
und die FNR konnte bis zum September 1993 ihre propagandistischen und politischen
Aktivitäten frei entfalten. Die großen Demonstrationen am 1.
und 8. Mai 1993, bei denen es zu blutigen Zusammenstößen mit
der Miliz kam, wurden von ihr organisiert, und Gruppen innerhalb der FNR
begannen sehr bald, sich auch zu bewaffnen." (20)
Die FNR verhalf den unterschiedlichen Flügeln
der oppositionellen Parlamentsmehrheit zu einer neuen Qualität, indem
sie eine reale, gemeinschaftlich handelnde und handlungsfähige Massenbasis
und Diskussions-plattform darstellte. Damit drohte dem Präsidenten,
nach dem Vorbild der Februarrevolution 1917, eine Doppel-herrschaft mit
ungewissem Ausgang.
Als gemeinsamer ideologischer Nenner diente
der FNR ein "von wahnhaften Verschwörungsängsten und Feindbildern
angetriebene(s) Gemisch aus nationalistischen Geschichtsmythen, russischen
Großmachtphantasien, nostalgischer Sehnsucht nach Zeiten des mächtigen
Sowjetimperiums oder der idealisierten vorrevolutionären Epoche."
(21)
So war es nur folgerichtig, daß sich
Teile der FNR im Oktober 1993 an der Verteidigung des Weißen Hauses,
des damaligen russischen Parlamentssitzes, gegen die Truppen Jelzins führend
beteiligten. Leiter der Aktion war das FNR-Vorstandsmitglied Generalmajor
Alexander Makaschow. (22)
8. Rettet die Armee!
Der russischen "Neuen Rechten" ist es in
den wenigen Jahren ihres Bestehens gelungen, einflußreiche gesellschaftliche
Positionen zu besetzen und sowohl im politischen als auch im militärischen
Bereich entsprechende Bundesgenossen zu finden.
Dazu gehören etliche ranghohe Militärs,
die in die russische Politik gewechselt sind. Ein solcher Wechsel ist im
heutigen Rußland beileibe keine Seltenheit und findet selbstverständlich
in das Lager der Opposition statt, die die große Mehrheit im Parlament
stellt. General Viktor Filatow, 1995 in die Duma gewählt, ist ein
Beispiel dafür. Seit 1993 ist er Mitarbeiter der Djen, in der er regelmäßig
die "Kolumne des Generals" verfaßt.
Im September 1997 erfolgte, faktisch als
erweiterte Neuauflage der Front der nationalen Rettung, mit 2 000 Delegierten
in Moskau die Gründung der Bewegung zur Unterstützung der Armee,
der Verteidigungsindustrie und der Militärwissenschaft. Ausgemachtes
Ziel dieser Sammlungsbewegung ist es, den Sturz Jelzins zu erreichen. Als
Vorsitzender fungierte damals der Duma-Abgeordnete und ehemalige General
Lew Rochlin, der kurz zuvor aus der liberalen Regierungspartei Unser Haus
- Rußland ausgeschlossen worden war. (23) An der Gründungsversammlung
nahmen neben dem ehemaligen Verteidigungsminister Igor Rodionow auch Sjuganow
und Wladimir Schirinowski teil. Alexander Lebed sagte - nahezu eine Selbstverständlichkeit
- seine Unterstützung zu. (24)
Fast alle Beteiligten an diesem militärisch-oppositionellen
Frontabschnitt des Kampfes um die Macht, so auch die Partei des ehemaligen
Vizepräsidenten Alexander Ruzkoi (25) mit dem bezeichnenden Namen
Derschawa (Großmacht), sind sich einig, daß Rußlands
Zukunft nur im Modell eines Reiches mit kontinentalem Zuschnitt liegen
könne.
9. Strategen und der Deutschland-Faktor
In Denkspielen geht Rußlands "Neue
Rechte" so weit, speziell Deutschland als dem potentiell mächtigsten
und gegenwärtig am weitesten vorgeschobenen Nato-Mitglied Kompensationsgeschäfte
zu offerieren. Alexander Dugin, 1992 neben Benoist, Steuckers, Sjuganow
und dem Professor Eduard Wolodin (26), damals Redakteur der KP-nahen Zeitung
Sovjetskaja Rossija, der fünfte Teilnehmer der Podiumsdiskussion in
Moskau, unterbreitet in seiner jüngsten Veröffentlichung "Grundlagen
der Geopolitik. Die geopolitische Zukunft Rußlands" zusammen mit
Generalleutnant Nikolaj Klokotow (27) den Vorschlag der Schaffung einer
Achse Berlin-Moskau:
"Heute stellt sich Deutschland als ein
wirtschaftlicher Gigant dar und erweist sich als ein politischer Zwerg.
Rußland ist ungefähr das Gegenteil: ein politischer Gigant und
ein wirtschaftlicher Krüppel. Die Achse Moskau - Berlin würde
die Leiden beider Länder heilen und Rußland und Deutschland
eine ruhmreiche Perspektive erbringen." (28)
Als Zeichen des guten Willens erwägen
dabei die beiden russischen Strategen die Rückgabe des russischen
Teils Ostpreußens, der bereits seit der Perestroika Wallfahrtsgebiet
für alle Strömungen der extremen Rechten und somit ein ständiger
potentieller Unruheherd ist. Dieser Schritt hätte zwei weitere äußerst
positive Auswirkungen für die russische Seite: Einerseits wäre
man ein Gebiet los, das seit einiger Zeit ohnehin mehr Kosten verursacht,
als es real Gewinn einbringen kann, zum anderen aber würde dieses
Vorgehen einen deutlichen Dämpfer für Polen darstellen. Dugins
eigentliches Ziel aber ist die Errichtung eines eurasiatischen Kontinentalblocks.
Dabei folgt er den Konzeptionen des deutschen Geopolitikers Karl Haushofer.
(29)
Dugin ist inzwischen ein unverzichtbarer
Mittler auf russischer Seite und konnte auch in Westeuropa seinen Bekanntsheitsgrad
schnell ausbauen. Seine Aufsätze verbreitet er per Internet und über
die unregelmäßig erscheinende Zeitschrift Elementy - Jewrasijkoje
Obosrenje ("Elemente - Eurasiatische Rundschau"), die nach Eigenangaben
eine Auflage von 50 000 Exemplaren hat, sowie über das esoterische
Blatt Milii Angel ("Guter Engel"). Bereits im Herbst 1991 fungierte Dugin
als Korrespondent des französischen GRECE in Moskau (30).
Ein weiterer einflußreicher Mittler
der "Neurechten", der sogar seinen Weg in der Duma gemacht hat, ist der
aus Sibirien stammende Jurist Sergej Baburin. Der ehemalige Rektor der
Juristischen Fakultät der Universität Omsk gehört keiner
Parlamentspartei an, wurde aber Ende 1995 bereits zum zweiten Mal als Direktkandidat
in einem sibirischen Wahlkreis in die Duma gewählt, wo er gegenwärtig
die Rolle des Vizepräsidenten einnimmt.
Baburin, der seit 1995 eng mit dem ehemaligen
Ministerpräsidenten Nikolai Ryschkow zusammenarbeitet, initiierte
im Januar 1997 im Parlament eine fraktionsübergreifende Anti-Nato-Gruppe,
der sich bereits einen Monat später 110 Abgeordnete angeschlossen
hatten.
Bei ihm handelt es sich um einen Einzelgänger,
der sich seinen Kreis je nach Bedarf zusammenstellt. Da er über strategisches
Gespür und Geschick verfügt, bringt er sich immer wieder in die
angenehme Lage, von den verschiedenen Parteiführern umworben zu werden.
Auch er zählte 1996 zu den prominenten Unterstützern Gennadij
Sjuganows während dessen Präsidentschaftskampagne.
Baburin sieht Jelzins neoliberale Reformvorhaben
schon deshalb scheitern, weil sie die Mentalität, Identität und
Moral der Russen, ihre Ideale wie auch ihre Geschichtlichkeit mißachten
würden. Denn: Das Ganze sei mehr als der Pluralismus seiner Teile,
das Organische wiege mehr als das Gesellschaftliche. Am Liberalismus gehe
das russische Volk zugrunde. (31)
10. Eine Achse Berlin-Moskau?
Die Förderung einer Achse Berlin-Moskau
ist eines der meistdiskutierten und favorisierten Modelle der sogenannten
Eurasier (32), zu denen auch der "braun-rote" Hoffnungsträger Sergej
Baburin gezählt werden kann. Er plädiert für die Achse,
sieht aber noch beträchtliche Hindernisse, da für ihn die Außenpolitik
der Bundesrepublik zu widersprüchlich und unberechenbar ist:
"Ich hoffe, daß das wiedervereinigte
Deutschland ein Faktor der Stabilität für die Welt ist oder sein
sollte. Ich sage 'ist oder sein sollte', und dies geschieht nicht zufällig.
In der Tat betreibt die BRD gegenwärtig eine unterschiedliche bzw.
gegensätzliche Politik in verschiedenen Regionen der Welt in Zusammenhang
mit seinen eigenen nationalen Interessen, die komplex und heterogen sind.
Die BRD scheint noch nicht begriffen zu haben, daß das Verschwinden
der Bipolarität die Menschheit zu einer Entscheidung verpflichtet:
wer wird der neue zweite Pol sein? Im Moment ist Rußland kein Kandidat
mehr dafür, eine entscheidende Rolle in der Weltpolitik auszuüben,
auch wenn ich gegenwärtig nicht behaupten kann, daß Rußland
definitiv aus dem Spiel ausgeschieden ist. In absehbarer Zeit werden entweder
Deutschland oder die islamische Welt zum zweiten Pol werden. Wenn es uns
gemeinsam gelingt, einen eurasiatischen Block zu bilden, dann wird Deutschland
in diesem eine treibende Rolle spielen." (33)
Auch Baburins Duma-Kollege, der Geopolitiker
Alexej Mitrofanow, will den Deutschen die Vorteile einer solchen Allianz
schmackhaft machen. Der deutsche Überfall auf die UdSSR gerät
in seinem Geschichtsbild dabei zu einem riesigen und traurigen Irrtum:
"Rußland vermag Deutschland alles
zu geben, was es benötigt. Erinnert sei daran, daß Ende der
zwanziger Jahre, als Deutschland sich in einer viel schlimmeren Lage befand,
ein deutsches Offizierskorps auf dem Territorium der UdSSR ausgebildet
wurde. Unsere gemeinsame Tragödie bestand darin, daß es den
Kräften einer atlantischen Verschwörung gelang, unsere Länder
auseinanderzudividieren, sie zu Gegnern zu machen. Die gewaltige Stärke
der deutschen Wehrmacht richtete sich 1941 nicht gegen den wahren Feind
des deutschen Volkes, die internationale Finanzoligarchie, sondern gegen
die Sowjetunion, den einzigen Verbündeten Deutschlands." (34)
Demgegenüber sieht Baburin das wesentliche
Hemmnis für eine solche Entwicklung in der noch bestehenden deutschen
atlantischen Orientierung. Er meint jedoch, daß sich die herrschenden
Kräfte bemühten, dies zu verändern - allerdings sehr behutsam,
damit es niemand so schnell bemerke. Bei allen Unwägbarkeiten jedoch
(Wolfgang Schäubles Denkfigur "Kerneuropa" entspricht nicht gerade
diesem Entwicklungsmodell) betrachtet er seine Vision zumindest als wirksames
Druckmittel gegenüber den USA: "Aber ich kann Ihnen bereits hier und
heute eines versichern: Wenn die anderen Länder versuchen sollten,
Nutzen aus unseren inneren Problemen zu schlagen, dann werden wir in den
kommenden Jahren ein Bündnis mit Deutschland schmieden, und dieses
Bündnis wird sehr stabil sein." (35)
Anmerkungen
(1) Vgl. Walter Laqueur: Der Schoß
ist fruchtbar noch. Der militante Nationalismus der russischen Rechten;
München, 1993.
(2) Sjuganow war seit 1967 hauptamtlicher
Funktionär der KPdSU, zunächst als Sekretär des Stadtparteikomitees
in Orlow. Er brachte es bis zum Stellvertreter des Leiters der Abteilung
Ideologie beim ZK der KPdSU. In der Gorbatschow-Ära wirkte er zeitweilig
als Berater des Parteichefs für Sicherheitsfragen. Im Juli 1991 gehörte
er zu den Unterzeichnern des "Wort(es) an das Volk", worin der Zusammenschluß
aller "patriotischen Kräfte" zur Rettung der Sowjetmacht gefordert
wurde. Im Frühjahr 1994 erklärte Sjuganow, seine Partei sei auch
zur Zusammenarbeit mit Schirinowski bereit, "um Rußland vor Erschütterungen
zu bewahren" (FR vom 2. April 1994).
(3) Zum Begriff der Geopolitik vgl. z.B.
Heinrich Jordis von Lohausen: L'Europe et la Russie, affinités et
contrastes géopolitiques; in: Orientations, Nr.4, 1984.
(4) Schafarewitsch, Träger des Lenin-Ordens,
ist seit 1943 Mathematikprofessor in Moskau und Mitglied zahlreicher internationaler
wissenschaftlicher Gesellschaften.
(5) Berlin, 1996.
(6) Ernst Niekisch: Widerstand. Hrsg. v.
Uwe Sauermann, Krefeld, 1982, S.39.
(7) Zu Dugin vgl. Karla Hielscher in Die
Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr. 5/93 und Kerstin Holm in der FAZ
vom 13. Dezember 1993.
(8) Vgl. Jean-Luc Coronel: L'Europe dans
le discours métapolitique de la Nouvelle droite; in: Europe et Etat,
Bd.2, S.293 - 318, Aix-en-Provence, 1993, sowie Pierre-André Taguieff:
From Race to Culture: The New Right's View of European Identity; in: Telos,
Nr. 98/99, 1994, S.99-125.
(9) Alain de Benoist: Die entscheidenden
Jahre. Zur Erkennung des Hauptfeindes; Tübingen, 1982, S.12.
(10) Alain de Benoist: Russie: l'histoire
ouverte; in: Eléments, Nr.74, Frühjahr 1992, S.36.
(11) Ebd.
(12) Wolfgang Strauss: 'Ich bin nicht liberal,
ich bin General'. Über die russische Präsidentschaftswahl und
die drei Rivalen: Jelzin, Sjuganow, Lebed; in: Europa Vorn, Nr.105/106,
1996, S.29.
(13) Interview in Nation Europa 11-12/92,
S.22. Vgl. auch Antifaschistisches Info-Blatt, Nr.43 und 44, 1998
(14) Interview in Nouvelles de Synergies
Européennes, Nr.20, Mai 1996, S.7.
(15) Ebd., S.6.
(16) Zit. n. Gerd Koenen/Karla Hielscher:
Die schwarze Front; Reinbek, 1991, S.14-43
(17) Armin Mohler schreibt dazu: "Verschwörungstheorien
sind in keinem anderen Lager mit solcher Inbrunst durchexerziert worden
wie auf der Rechten." (Weltanschauungen der rechten politischen Gruppierungen;
in: Ders./Anton Peisl (Hrsg.): Kursbuch der Weltanschauungen; Frankfurt/Main,
1980, S.163f.
(18) Wolfgang Strauss: Rußland wird
leben. Vom roten Stern zur Zarenfahne; München, 1992, S.135.
(19) DESG-inform, Nr. 12/92, S.5.
(20) Karla Hielscher: Die Front der Antiwestler.
Ideologische Grundmuster des russischen Nationalismus; in: Wolfgang Eichwede
(Hrsg.): Der Schirinowski-Effekt. Wohin treibt Rußland?, Reinbek,
1994, S.60.
(21) Hielscher, a.a.O., S.61.
(22) Makaschow wurde im Dezember 1995 als
Direktkandidat der KP in die Duma gewählt. Bei einer Demonstration
1996 zum "Tag der Sowjetarmee" erklärte er: "Wir dienten in der Sowjetarmee,
wir dienen auch weiterhin unserem Vaterland, der Sowjetunion. Von Brest
bis zu den Kurilen ist das unser Land." (Zit. n. Staatsbriefe, Nr. 4/96,
S.17.)
(23) Die Rolle des Vorsitzenden des Ausschusses
für Verteidigungspolitik der Duma ist endgültig ausgespielt.
1998 richtete Rochlin noch einen Offenen Brief an die Streitkräfte,
in dem er zur Bildung von Offiziers- und Soldatenräten aufrief, die
durch einen bewaffneten Aufstand den Ausverkauf des Landes verhindern sollten.
Am 3. Juli 1998 wurde er ermordet.
(24) Neues Deutschland vom 23. September
1997, S.7. Zu Lebed vgl. Jungle World, Nr. 35/98, S.5
(25) Der ehemalige "Held der Sowjetunion"
und heutige Gouverneur der Region Kursk warnte bald nach seiner Freilassung
aus dem Gefängnis per Amnestie davor, daß Rußland eine
"Kolonie des Westens" zu werden drohe. (taz vom 6. April 1994). Die einzig
mögliche Gegenwehr liegt für ihn im Vertrauen auf die eigene
Stärke.
(26) Wolodin wurde ebenfalls an führender
Stelle in der FNR tätig.
(27) Klokotow ist wissenschaftlicher Berater
an der Fakultät der Strategischen Militärakademie des Generalstabs
der Russischen Föderation und verfügt über gute Kontakte
zur westeuropäischen "Neuen Rechten"
(28) Zit.n. Junge Freiheit,Nr. 5/98, S.8.
(29) Vgl. u.a. dessen Aufsatz aus dem Jahr
1940: Der Kontinentalblock. Mitteleuropa-Eurasien-Japan; in: Hans-Adolf
Jacobsen (Hrsg.): Karl Haushofer - Leben und Werk, Boppard 1979, Bd. 1,
S.606-634.
(30) Eléments, Nr.71, S.19.
(31) Nation Europa, Nr. 5/92, S.33.
(32) Vgl. Jewgenij Morozow: Rossiiosko-germanskie
otnotschenija geostrategitscheskij aspekt, in Elementy, Nr.5, 1994. Ein
Beispiel für die auch in Deutschland beginnende Diskussion dieser
Option ist der Band von Otmar Franz (Hrsg.): Europa und Rußland -
Das Europäische Haus?; Göttingen, 1993.
(33) Interview in Vouloir, Nr.105-108,
1993, S.21.
(34) Alexej Mitrofanow: Schagi nowoj geopolitikj,
Moskau, 1997, S.190.
(35) Interview in Vouloir, Nr. 105 - 108,
1993, S. 21.
Der Text von Jean Cremet ist dem Buch "Jenseits
des Nationalismus", hg. von Andreas Speit, Felix Krebs und Jean Cremet,
entnommen. Für das Dossier wurde er von der Redaktion gekürzt
und bearbeitet. Der Band erscheint Ende 1998 in der Reihe "Antifaschistische
Texte" im Unrast-Verlag. |