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Nachrichten
Forelle blau
"'Räder müssen rollen für
den Sieg!' So stand es an allen Lokomotiven und an allen Bahnhofswänden.
Erinnern wir uns? Es war die Zeit von 'Kohlenklau' und 'Achtung, Feind
hört mit!' Die Deutsche Reichsbahn war der rollende Dienstleistungsbetrieb
des 'Dritten Reiches'. Sie transportierten für den Staat alles: Kanonen
und Panzer, Soldaten und Urlauber, Kohlen und Korn, Häftlinge für
Konzentrationslager. (...) Die Deutsche Bahn steht immer noch im Dienste
des Staates. 60 Jahre danach. Was transportiert sie? Unter anderem eine
Million ausgeflippte, vergnügungssüchtige junge Deutsche aus
allen Teilen der Bundesrepublik nach Berlin. Zum großen Jugendtreffen
1998: Die 'Love-Parade' war wieder mal angesagt."
Heinz Schewe, Märkische Zeitung
Insgesamt-Mahnmal
Die PDS-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus
hat sich für das Holocaust-Denkmals in Berlin ausgesprochen. "Allen
links-liberalen KritikerInnen am Mahnmalsprojekt rufen wir zu: Wer das
Holocaust-Mahnmal ablehnt, muß die Neue Wache schließen." Partei-Chef
Gregor Gysi, der Baustadtrat von Berlin-Mitte, Thomas Flierl, und der Vorsitzende
der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Harald Wolf, unterstützen
den Entwurf von Serra/Eisenman. Das Projekt zeichne sich "durch Autonomie
und Radikalität aus" und sei "gerade wegen seiner Abstraktheit offen
für die Erinnerung an alle Opfer des NS-Völkermordes". Das Mahnmal
für die ermordeten Juden Europas soll nach den Vorstellungen von Gysi,
Flierl und Fricke "durch Erweiterung der Widmung zugleich als Denkmal gegen
den nationalsozialistischen Völkermord insgesamt" dienen.
Unterdessen forderte SPD-Kanzlerkandidat
Gerhard Schröder eine neue Mahnmal-Debatte, da die Diskussion um das
Projekt nie ernsthaft geführt worden sei. Schröder verteidigte
die Äußerungen seines designierten Staatsministers für
Kultur, Michael Naumann. Er sei mit ihm einer Meinung, daß das Grauen
der KZ in den Gedenkstätten am sichtbarsten sei und nicht abstrakt
dargestellt werden sollte.
Holocaust-Museum in Berlin
Das Konzept für eine Dokumentationsstätte
zum Holocaust stellten die Initiatoren des Projekts, der niedersächsische
Landtagspräsident Rolf Wernstedt, der den Vorsitz des Kuratoriums
der Stiftung führt, der Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Hässler
und der Militärhistoriker Manfred Messerschmidt vergange Woche in
Bonn vor. Das ursprünglich für Weimar geplante Holocaust-Museum
soll in Berlin entstehen, stehe allerdings nicht in Konkurrenz zum geplanten
Mahnmal. Neben der Dokumentation des Holocaust sind Forschungsprojekte
zum Nationalsozialismus geplant. Ziel der Dokumentationsstätte sei
es, weiter nach den Ursachen und Wirkungen des Nationalsozialismus zu fragen.
Wand und Bürger
Ein 40 qm großes Wandbild von
vier nicaraguanischen Künstlern, das Szenen aus der Geschichte des
amerikanischen Subkontinents seit Kolumbus darstellt, wird am 22. August
in Berlin-Kreuzberg mit Unterstützung der Karawane für die Rechte
der Flüchtlinge und Migranten enthüllt. Begonnen hat die Geschichte
des Bildes vor sechs Jahren in der hessischen Kleinstadt Dietzenbach, der
Partnerstadt des nicaraguanischen Masaya, die der Künstler-Gruppe
aus Anlaß des 500. Jahrestages der Conquista die 8 mal 20 Meter große
Außenwandfläche des Rathauses zur Verfügung stellte. Gegen
den Ratsbeschluß protestierte eine von CDU und FDP unterstützte
Bürgerinitiative ("Keine politischen Diffamierungsversuche! Wir Dietzenbacher
haben andere Sorgen!") und ließ das Projekt per Volksbefragung kippen.
A Star Is Born
In Zeiten der Ressourcenverknappung
heißt es sparsam wirtschaften. Diese Erkenntnis traf den deutschen
Action-Darsteller mit beginnender Stirnglatze Heino Ferch, als er erfuhr,
daß ihm Regisseur Tom Twyker in "Lola rennt" die Rolle des kahlköpfigen
Gangsterbosses zugedacht hatte. Das schüttere Haupthaar für eine
schnöde Filmrolle aufgeben? Das muß heute nicht mehr sein. Ferch
erschien jeden Tag vier Stunden früher zum Dreh, damit ihm die Maskenbildner
eine Glatze auflegen konnten. Weil er auch ständig nachgeschminkt
werden mußte, dürften sich die Dreharbeiten nicht unerheblich
verzögert haben. Jetzt muß man wohl "Star" zu Herrn Ferch sagen.
Bärchenguckerei
Wie läßt sich das ereignislose
Sommerloch besser ausfüllen als mit einer Playboy-Konserve? Meint
man bei Sat.1 und zeigt deshalb an drei Abenden ein "Special" aus der Playboy-Bärchen-Reihe
- das erste vergangene Woche mit dem blonden "Baywatch"-Star Pamela Anderson.
Zu bewundern waren zirka 600mal ihre Möpse in Aktion. "Möpse"
sind Brüste. Und selbst das Wort wäre dem amerikanischen Playboy
noch zu schmutzig. Dort wird nichts beim Namen genannt, auch wenn es so
schöne Vokabeln wie "Bärchen" für Pussy gibt. Lieber verfällt
man beim Playboy in eine pubertäre Symbolsprache: Pamela Anderson
bespritzt sich mit einem Gartenschlauch, schnüffelt an Blumenkelchen,
streichelt eine Muschi-Katze, sieht Männern beim Spiel mit Boccia-Kugeln
zu - selbstverständlich immer halbnackt. Eingebettet sind die sehr
bunten und sehr spannenden Geschichten in das alte Playboy-Entwicklungsprinzip:
Das "Girl-next-door" erzählt von der gesunden und glücklichen
Jugend (kanadische Kleinstadt), von der großen City, wo die Karriere
beginnt (L.A.), und am Schluß heiratet das saubere, blonde Mädchen
den wilden, dunkelhaarigen Märchenprinzen (hier den schwer tätowierten
Tommie Lee Jones, der sie - was im "Playboy-Special" von 1995 nicht zu
sehen ist - später schlägt, weshalb sie sich von ihm scheiden
läßt). Pamela Andersons bislang einzig gute Rolle im Fernsehen
war nicht etwa ihr Einsatz in der Bikini-Serie "Baywatch", sondern ihre
tatsächlich komische Darstellung der Assistentin "Heidi" in der Heimwerker-Comedy
"Tool Time". Leider gibt es davon im "Playboy-Special" keine Ausschnitte
und damit nichts zu lachen. Statt dessen kommen Manager und Hausfotograf
ausführlich zu Wort, die Pamela Anderson für ihre fünf Playboy-Cover
abfeiern. Und drei- oder viermal muß auch sie betonen, daß
die "Arbeit beim Playboy immer Spaß gemacht hat". Hinter all den
professionellen Worten und Bildern spürt man die unendliche Langeweile,
ein Sexsymbol für Holzfällerhemdenträger zu sein. Im zweiten
Teil, der diese Woche ausgestrahlt wurde, war Anna Nicole Smith zu bewundern.
Und nächste Woche ist dann mit Jenny McCarthy endlich Feierabend in
der Bärchenguckerei.
Die Nachtrichten wurden von Dietl,
Hasse, Ringel u. Runge zusammengestellt |