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Südafrikas Wahrheitskommission zieht
Fazit
Wahrheit, Lügen, Tierversuche
"Wahre Versöhnung kann nicht
auf Lügen basieren." Desmond Tutu will, was viele Opfer des Apartheidsregimes
nicht wollen: Versöhnung mit den rassistischen Mördern, Vergebung
für die Folterer, Gnade für die politisch Verantwortlichen. Doch
Tutu ist nicht nur als Erzbischof für den Zusammenhalt seiner Gemeinde
zuständig, sondern auch als Leiter der Südafrikanischen Versöhnungs-
und Wahrheitskommission.
Nach über zwei Jahren Arbeit
hat am 1. August die Abteilung der Wahrheitskommission, die mit der Anhörung
von mehreren Tausend Opfern der zahlreichen Morde und Folterungen des Apartheidsregimes
beschäftigt war, ihre Tätigkeit eingestellt. Die beiden anderen
Abteilungen, die für Entschädigungen und Amnestie zuständig
sind, arbeiten noch bis Ende Oktober dieses Jahres bzw. bis Ende Juli nächsten
Jahres weiter.
Und das, obwohl nur wenige Täter
Tutus irdische Gerechtigkeit wollen. Um Amnestie zu erhalten, müßten
sie schließlich vor der Kommission auspacken. Zumindest ein bißchen.
Wenn die Militärs, Regierungsmitglieder und hohen National Party-Funktionäre
aber zu einer Anhörung erschienen - was nur die wenigsten taten -,
schwiegen sie oder ließen ihre Anwälte lügen, daß
es selbst dem vergebungswilligen Oberhirten zuviel wurde: "Ist da kein
Führer der weißen Gemeinschaft (...), der sagt: 'Wir hatten
eine schlechte Politik, die üble Konsequenzen hatte. Es tut uns leid.
Bitte vergebt uns'?" Dementsprechend fiel Tutus Resümee letzte Woche
im Johannesburg Star aus: Die meisten "weißen Führer" hätten
vor der Kommission nur gelogen oder ihr Handeln mit dem "gerechten Kampf
gegen den African National Congress und dessen kommunistische Verbündete"
gerechtfertigt.
Das hörte sich dann so an: "Wir
wollten dem kommunistischen Anschlag auf unser Land begegnen und es vor
dem Absturz in ein allgemeines Blutbad bewahren", äußerte einer
der wenigen Geständigen, der ehemalige Polizeiminister Adriaan Vlok.
Deswegen habe er im August 1988 den Auftrag von Präsident Pieter Willem
Botha, das Zentrum des Johannesburger Kirchenrates zu sprengen, weitergeleitet.
"Wenn mich meine Tochter eines Tages
fragt, was ich getan habe, damit Südafrika nicht in die Hände
der Schwarzen fällt, habe ich ein reines Gewissen", war von einem
anderen in einer der letzten Anhörungen zu vernehmen. Von Dr. Wouter
Basson, besser bekannt als Dr. Death, Leiter des Programms für Chemische
Kriegsführung gegen Feinde des Regimes.
Basson hat einiges hergestellt: Zigaretten,
die mit dem Nervengift Anthrax getränkt waren; kleine Cyanid-Pfefferminz-Schokoladen,
vergifteten Whiskey und vergiftete Briefumschlagklebeflächen, oder
auch mit Typhus- oder Cholera-Erregern versehene Deodorants. Das gab er
bereitwillig zu. Aber nein, Vernichtungswaffen seien das nicht gewesen,
nur "Mittel für Tierversuche".
Auch stimme nicht, was Wissenschaftler
seines Programms vor der Kommission ausgesagt hätten. Nie habe er
in Auftrag gegeben, Mittel und Wege zu finden, wie die Fruchtbarkeit von
schwarzen Frauen zu reduzieren sei. Oder zu erforschen, welche Bakterien
am besten geeignet seien, um Schwarze schnellstmöglich zu töten.
Alles sei nur "für legitime Trainings- und Forschungszwecke" untersucht
worden.
Aber das sagt er schon nicht mehr
selbst. Sondern seine Anwälte, die, wie der Guardian Weekly letzte
Woche berichtete, von der Armee bezahlt werden.
I Maik Söhler |