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Ökologisches Produzieren
Die Ökosteuern schaffen eine neue
Wirtschaftspolitik.
Von Edgar Endrukaitis
Langfristig kann eine Industriegesellschaft
nur überleben, wenn die Lebens- und Produktionsgrundlagen erhalten
und gepflegt werden. Wirtschaftswachstum im herkömmlichen Sinn kann
deshalb nicht länger ein gesellschaftspolitisches Ziel sein. Die Belastungsgrenzen
der Natur zeigen uns zum Beispiel warnend die Klimaforscher. Um dem Treibhauseffekt
wirksam entgegenzutreten, müssen wir unsere CO2-Emissionen um 30 Prozent
bis zum Jahre 2005 und um 80 Prozent bis 2050 senken. In den letzten 20
Jahren hat die Energieproduktivität in Deutschland demgegenüber
lediglich um 20 Prozent zugenommen. Gleichzeitig stehen wir mit sechs Millionen
Arbeitslosen vor einem weiteren schier unlösbaren Problem. Beiden
Herausforderungen hat die Politik sich bisher nicht adäquat gestellt.
Immer noch wird auf überholte angebotsorientierte Wirtschaftskonzepte
gesetzt, die nicht zur Lösung beitragen können, weil sie die
Probleme verursacht haben. Es sind die derzeitigen Rahmenbedingungen, wie
die Kostensituation in den Unternehmen und Privathaushalten, die z.B. Investitionen
in Energiespartechnik oder neue Energieträger wie den Solarbereich
unrentabel machen und teilweise auch komplizierte gesetzliche Vorschriften,
die Innovationen behindern.
Klar ist: Wir brauchen auch weiterhin
eine Umweltschutzgesetzgebung zur Vorsorge und Gefahrenabwehr. Allerdings
ist das in den letzten 20 Jahren gewachsene Umweltrecht kaum noch für
Eingeweihte durchschaubar. Ergänzend brauchen wir deswegen eine Umweltpolitik,
die die unternehmerische Kreativität und Dynamik des Marktes nutzt.
Umweltfreundliches Produzieren wird wegen falscher Preissignale immer noch
nicht belohnt. Im Gegenteil: Wer schadstoff- und rohstoffintensiv wirtschaftet,
erlangt Kosten- und damit Wettbewerbsvorteile gegenüber umweltfreundlicher
und deswegen teurer produzierenden Betrieben. Naturbelastung und -ausbeutung
ist nach wie vor so gut wie kostenlos und die Allgemeinheit kommt für
die Umweltschäden auf, die inzwischen je nach Berechnungsmethode zwischen
rund 120 bis 400 Milliarden Mark jährlich liegen.
Marktwirtschaftliche Instrumente,
insbesondere Umweltsteuern, bergen ein unausgeschöpftes Lenkungspotential
in sich, wie sich z.B. an einer Energiesteuer zeigen läßt. Die
Umweltverbände schlagen daher vor, mit einer Energiesteuer den Umweltverbrauch
zu verteuern. Öl, Gas und Kohle werden eingespart und der CO2-Ausstoß
reduziert. Gleichzeitig sollen die hohen Lohnnebenkosten reduziert werden.
Dies erhält Arbeitsplätze und schafft neue Stellen, denn die
Mehreinnahmen werden zur Senkung der Lohnnebenkosten, z.B. der Rentenversicherungsbeiträge
für Arbeitnehmer und -geber, verwendet.
Konkret setzen wir uns für eine
sanft ansteigende Primärenergiesteuer von sieben Prozent jährlich
ein, d.h. eine Erhöhung des Benzinpreises jährlich um 30 Pfennig
bis auf 4,60 Mark in zehn Jahren sowie eine Umwandlung der Kilometer- in
eine Entfernungspauschale. Die langsam über zehn Jahre ansteigende
Energiesteuer bietet den Verbrauchern und Unternehmen einerseits deutliche
Anreize zum Energiesparen und andererseits ausreichende Umstellungszeit
und Planungssicherheit. So können viele zum Gewinner dieser Reform
werden. Zweifellos gibt es auch Verlierer wie Geringverdiener, Rentner,
Studenten oder energieintensive Unternehmen. In diesen Fällen bedarf
es eines sozialen Ausgleichs oder Übergangsregelungen für Betriebe.
Kurzgefaßt bietet eine ökologische
Steuerreform folgende Vorteile: Eine lebenswerte Umwelt, die begrenzten
Ressourcen werden geschont, damit unsere Erde auch für künftige
Generationen lebenswert bleibt. Mehr Gerechtigkeit und globale Verantwortung
- das Verursacherprinzip setzt sich durch. Wer durch Produktion oder Konsum
die Umwelt belastet, muß dafür bezahlen. Ein reduzierter Umweltverbrauch
im Norden gibt dem Süden mehr Entwicklungsspielraum. Die Senkung der
Lohnnebenkosten verbilligt Arbeit, dies fördert und sichert Arbeitsplätze.
Höhere Energiepreise beflügeln die Ingenieurskunst. Viele neue
material- und energiesparende Produkte und Verfahren entstehen. Aber auch
neue zukunftsweisende Angebote wie Mobilitätszentralen, Tauschringe
und Leasingsysteme. Die positiven Erfahrungen mit einer ökologischen
Steuerreform, die z.B. die Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen,
Finnland und jüngst auch Österreich und die Schweiz gemacht haben,
belegen die Realtitätstauglichkeit dieses Reformkonzeptes. Gleichwohl
ist die ökologische Steuerreform kein Allheilmittel, sie muß
von weiteren Instrumenten begleitet werden, um weitergehende soziale und
wirtschaftspolitische Ziele zu erreichen.
Der Autor ist Leiter der Kampagne
zur ökologischen Steuerreform des Deutschen Naturschutzrings (DNR).
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