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Ausland Nachrichten
Todesurteil gegen Oppositionellen
Die Repressionsmaßnahmen der algerischen
Führung gegen regimekritische Intellektuelle haben einen neuen Höhepunkt
erreicht. Vergangene Woche bestätigte der Anwalt des in Deutschland
lebenden Publizisten Ali Ben Saad die Verhängung des Todesurteils
durch ein algerisches Zivilgericht gegen seinen Mandanten. Ben Saad wurde
während seiner Abwesenheit in Algerien der Prozeß gemacht. Die
Sicherheitsbehörden beschuldigten den linken Studentenaktivisten und
Journalisten des vorsätzlichen Mordes, der Störung der öffentlichen
Ordnung und der Mitgliedschaft in einer islamistischen Terrorgruppe. Ben
Saad bezeichnete die Vorwürfe als "völlig absurd". Er sei seit
25 Jahren für sein demokratischen Engagement bekannt und "gehöre
zu jenen, die bisher am stärksten unter der islamistischen Gewalt
zu leiden hatten", schreibt der aus dem ostalgerischen Constantine stammende
Journalist in einer ersten Stellungnahme gegenüber der algerischen
Presse.
Für Ben Saad bedeute das Todesurteil
aber nicht nur eine persönliche Bedrohung durch die Agenten der algerischen
Staatssicherheit im Exil. Sein Fall dokumentiere auch einen neuerlichen
Angriff auf die Pressefreiheit in Algerien. Das Verfahren gegen ihn sei
vom algerischen Geheimdienst inszeniert worden, um ein politisches Exempel
gegen alle oppositionellen Schriftsteller und Journalisten zu statuieren,
so Ben Saad. Daher dokumentierten die arabischen Tageszeitungen El-Chabar,
El-Watan und Le Matin die Presseerklärung Ben Saads bereits kurz nach
ihrem Erscheinen am vergangenen Mittwoch. Ihren Redakteuren droht potentiell
ein ähnliches Schicksal.
Hashimoto ist schuld
Nach den Parlamentswahlen vom vergangenen
Sonntag muß sich die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP)
Japans einen neuen Vorsitzenden suchen. Der bisherige Amtsinhaber und Ministerpräsident
Ryutaro Hashimoto übernahm die volle Verantwortung für das schlechte
Abschneiden der LDP und kündigte nach seinen Rücktritt an. Die
bisherige Regierungspartei wird künftig nur mit 44 Abgeordneten im
insgesamt 252 Mitglieder zählenden Parlament vertreten sein. Die LDP
wird vermutlich trotzdem den neuen Ministerpräsidenten stellen.
Die Waffen auf, die Waffen nieder
Drei Monate nach Ausbruch der militärischen
Auseinandersetzungen im Kosovo haben sich die Mitglieder der Balkan-Kontaktgruppe
von ihrer einstigen Maximalforderung an den jugoslawischen Präsidenten
Slobodan Milosevic verabschiedet. Sie fordern nun nicht länger einen
Rückzug der Einheiten von serbischer Polizei und jugoslawischer Armee
aus der südserbischen Provinz als oberste Bedingung für eine
Verhandlungslösung, sondern lediglich einen Waffenstillstand. Darauf
verständigten sich vergangene Woche in Bonn die politischen Direktoren
der jeweiligen Außenministerien (USA, Großbritannien, Rußland,
BRD, Frankreich, Italien). Noch im Juni hatte die Kontaktgruppe auf Gespräche
ohne Vorbedingungen - also auch ohne Waffenruhe - bestanden. Milosevic
wurde zwar erneut als Hauptverantwortlicher für die anhaltende Gewalt
in der mehrheitlich albanisch besiedelten Provinz bezeichnet, zumindest
indirekt räumte die Kontaktgruppe jedoch eine Teilverantwortung der
kosovo-albanischen "Befreiungsbewegung" UCK ein. Deren Chancen zur Teilnahme
an Autonomieverhandlungen mit Milosevic sind in der vergangenen Woche dennoch
weiter gestiegen. Ibrahim Rugova, der selbsternannte Präsident der
Kosovo-Albaner, ist zwar weiterhin Hauptansprechpartner der Kontaktgruppenmächte,
aber die UCK ist längst zum wichtigsten innenpolitischen Faktor des
Kosovo avanciert: Bis zu vierzig Prozent des Kosovo-Territoriums werden
inzwischen von ihr kontrolliert.
Berlusconi verurteilt
Silvio Berlusconi, einst stolzer Ministerpräsident
Italiens, wurde am Dienstag vergangener Woche zu einer Haftstrafe von zwei
Jahren und neuen Monaten verurteilt. Das Mailänder Gericht hielt es
für erwiesen, daß der Vorsitzende der rechten Forza Italia und
Oppositionsführer Steuerprüfer bestochen haben soll, um die Bilanzfälschungen
seines Medienkonzerns Fininvest zu decken. Berlusconi drohen darüber
hinaus fünf weitere Verfahren wegen illegaler Parteienfinanzierung.
So soll er an den früheren sozialdemokratischen Ministerpräsidenten
Bettino Craxi über 20 Millionen Mark gezahlt haben. Ins Gefängnis
muß Berlusconi allerdings nicht, da er als Parlamentsabgeordneter
Immunität genießt. Statt dessen will seine Partei Forza Italia
nun einen Untersuchungsausschuß gegen die Mailänder Justiz initiieren.
Hungerstreik und "kriminelle Seilschaften"
Der Hungerstreik der französischen
Sans-papiers, Immigranten ohne Aufenthaltspapiere, ging am Montag in die
fünfte Woche. Die Immigranten türkischer, algerischer und chinesischer
Nationalität protestieren gegen ihre drohende Ausweisung, nachdem
sie durch die "Legalisierungs"-Operation der Linksregierung keine Aufenthaltserlaubnis
erhalten hatten. Verhandlungen der Hungerstreikenden mit der Regierung
Lionel Jospins waren am 6. Juli gescheitert, weil der Premier im Fernsehen
"kriminelle Seilschaften der Schwarzarbeit" hinter den Sans-papiers vermutet
und deren Unterstützer aufforderte, "nicht mit der Gesundheit der
Leute zu spielen". Dabei nannte er beispielsweise den Anthropologen Emmanuel
Terray, der sich selbst seit vier Wochen im Hungerstreik befindet. Mehrere
prominente Intellektuelle haben sich mit den Sans-papiers solidarisiert.
Ein Schreiben von Innenminister Chevènement an die Hungerstreikenden
ähnelt in weiten Passagen dem seines konservativen Amtsvorgängers
Debré an hungerstreikende Immigranten in der Pariser Kirche Saint
Bernard vor zwei Jahren. Eine polizeiliche Räumung, ähnlich der
von Saint Bernard, wird derzeit nicht ausgeschlossen.
Guerilla mit Büro
Die maoistische Guerilla in Nepal hat -
besonders im Westen des Landes - offizielle Büros eingerichtet und
bestimmt durch eigene Verwaltungsstrukturen das öffentliche Leben.
Angeblich soll sie bereits 20 der 75 Distrikte des Himalayastaates kontrollieren,
dort wenden sich die Einwohner lieber an die Büros der Maoisten statt
an die offiziellen Distriktverwaltungen der Zentralregierung in Katmandu.
Die Guerilla und ihr politischer Flügel, die Vereinigte Volksfront,
wollen die 1990 aus der autoritären Herrschaft des Königs Birenda
Bir Bikram Sh‡h Deva hervorgegangene konstitutionelle Monarchie in eine
Volksrepublik umgewandelt wissen. Die Regierung reagiert auf die verstärkten
Guerilla-Aktivitäten mit Verhaftungsaktionen, der vor über einem
Jahr vom damaligen Innenminister Khum Khadka angekündigte Dialog hat
bisher nicht begonnen.
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Die Nachrichten wurden von Bickel,
Fariborz, Friedrichs, Hempel und Schmid zusammengestellt
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