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Wütende Arbeitslose
Es kann auch anders gehen. Völlig
verblüfft mußten Sicherheitsbeamte vergangenen Dienstag zusehen,
wie rund 30 Arbeitslose die Frankfurter Börse stürmten. Zuvor
hatten einige Dutzend Teilnehmer einer Demonstration anläßlich
der Verkündigung der neuen Erwerbslosenzahlen im Restaurant der Börsen
ein kostenloses "Solidar-Menü" eingefordert. Vom Kellner gab es zwar
nur einen "Solidar-Espresso", allerdings gelangten währenddessen einige
Aktivisten unbemerkt in die Börse. Erst nach einiger Zeit schaffte
es die Polizei, sie wieder rauszuwerfen.
Bei dem bundesweiten Protestag der Arbeitsloseninitiativen
beteiligten sich nach Schätzung der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher
Arbeitslosengruppen bis zu 50 000 Menschen in 300 Städten. Weder kurzfristige
ABM-Wahlkampfgeschenke in Ostdeutschland noch der geringfügige saisonale
Rückgang der Arbeitslosenzahlen könnte zu der von der Bundesregierung
herbeigeredeten Trendwende auf dem Arbeitsmarkt führen, erklärten
die Erwerbsloseninitiativen. Statt dessen würden nach Berechnungen
des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung mittlerweile zwischen
sieben und acht Millionen Stellen fehlen.
Modell Niederlande
Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich
in den Niederlanden auf eine Privatisierung weiter Teile der Sozialversicherungen
geeinigt. Sie wollen die Arbeitslosen- und Invalidenversicherung privaten
Gesellschaften übergeben. Begründet wurde der Beschluß
damit, daß private Versicherer schneller und kostengünstiger
arbeiten würden als die bisherigen Betriebsvereinigungen.
Seit fünf Jahren privatisieren die
Niederlande schrittweise ihr Sozialsystem. Seit 1996 sind die Arbeitgeber
für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zuständig. Ebenso wurde
die Arbeitsunfähigkeitsversicherung und die Witwen- und Waisenversicherung
teilprivatisiert.
Das Forschungsinstitut Nyfer in Nijenrode
hat nach Angaben des Handelsblatts nun kritisiert, daß ältere
Arbeitnehmer und Menschen mit einem höheren Krankheitsrisiko dadurch
diskriminiert würden. Im Krankheitsfall erhielten die Beschäftigten
bedeutend weniger als bisher. Genaue Zahlen und eine Erfolgskontrolle über
die Sozialleistungen gibt es nicht, da privaten Versicherer über ihre
Umsätze und Ausgaben keine Angaben zu machen brauchen. Damit sei völlig
unklar, ob die Kosten und Prämien für die Arbeitnehmer nach der
Privatisierung überhaupt gesunken sind.
Streik senkt US-Sozialprodukt
Trotz ungewohnt versöhnlicher Töne
läuft der Streik gegen General Motors (GM) voraussichtlich noch weiter.
GMs Vizepräsident Gerald Knechtel erklärte am vergangenen Freitag,
daß die Verhandlungen zwischen dem Automobilhersteller und der Gewerkschaft
der Vereinigten Automobilarbeiter (UAW) zwar "nicht so schnell laufen,
wie wir das gerne hätten", gab sich aber optimistisch, daß sich
die beiden Parteien am Wochenende einigen könnten. "Ich wäre
völlig überrascht, wenn es dieses Wochenende zu Ende wäre",
behauptete dagegen UAW-Vize Richard Shoemaker. Cal Rapsen, Regionaldirektor
der UAW, war etwas zuversichtlicher, sagte aber, daß die Geschwindigkeit
der Einigung von der Kompromißbereitschaft GMs abhängt. "Die
Firma weiß, was nötig ist, um eine Einigung zu finden. Es liegt
an ihnen. Es könnten ein paar Tage sein, oder ein paar Wochen".
Shoemaker und Knechtel verhandeln seit
vierzehn Tage über die Beendigung des Streiks in zwei Fabriken in
Flint, Michigan. Dort legten am 5. Juni über 9 000 Beschäftigte
die Arbeit nieder, um gegen geplante Kürzungen und ausbleibende Fabrikrenovierungen
zu protestieren. GMs nordamerikanische Produktion ist seitdem weitgehend
lahmgelegt, die Firma hat Schätzungen zufolge Verluste von mehr als
einer Milliarde Dollar zu beklagen. Das vierteljährliche Bruttosozialprodukt
der USA fiel inzwischen wegen des Streiks um 0,5 Prozent.
Ende der Bescheidenheit
Die Jugendorganisation der Industriegewerkschaft
Medien sieht ihre Forderungen nach höheren Ausbildungsvergütungen
und nach einem Rechtsanspruch auf Weiterbildung bestätigt. Dieses
Fazit ziehen die Gewerkschafter aus einer Umfrage unter mehr als 600 Azubis
und jungen Beschäftigten von der Druck- und Verlagswirtschaft bis
hin zur Kinobranche. Danach lehnen neun von zehn Befragten Einschnitte
bei Lohn oder Ausbildungsvergütung prinzipiell ab. Rund 60 Prozent
der jungen Medienschaffenden befürworten aber eine weitere Absenkung
der Arbeitszeit, um an Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung teilnehmen
zu können.
Bundesjugendsekretärin Angela Abel
brachte die Konsequenzen für die Jugend-Tarifpolitik der Gewerkschaft
auf den Punkt: "Für uns bedeutet dies das Ende der Bescheidenheit.
Mit Vergütungserhöhungen von 30 Mark können wir einfach
nicht mehr vor die Leute treten." Und das, obwohl Druckerazubis mit knapp
1 500 Mark Tarifvergütung bereits zu den Spitzenverdienern unter den
Lehrlingen zählen.
Die Umfrageergebnisse seien auch eine deutliche
Absage an "Zukunftsminister" Jürgen Rüttgers, meint der Jugendfunktionär
Schmüth: "Die Rechnung, daß durch niedrigere Vergütungen
und Standards mehr Lehrstellen zu schaffen seien, wirkt nicht überzeugend."
Kürzungen beim Berufsschulunterricht und Qualitätssenkungen führten
in eine Sackgasse. Die Jugendlichen hätten erkannt, daß heute
lebenslanges Lernen gefordert sei. Dazu aber müßte ein Rahmengesetz
her, erklärt die Mediengewerkschaft.
Nach Erhebungen des Bildungsministeriums
nahmen im vergangenen Jahr nur etwa 40 Prozent der Arbeiter an Weiterbildungsmaßnahmen
teil. Unter höheren Angestellten lag die Beteiligung hingegen bei
über 60 Prozent.
Schwedisches Raubgold
Fast die Hälfte des Goldes, das Schweden
im Zweiten Weltkrieg vom Deutschen Reich erworben hat, könnte Raubgold
gewesen sein, stellte eine schwedische Regierungskommission vergangene
Woche in einem Zwischenbericht fest. Zwischen 1940 und 1944 seien über
37 Tonnen Gold von Deutschland gekauft worden, obwohl der Verdacht bestanden
habe, daß es teilweise von Nazi-Opfern stamme. Das Gremium wurde
im vergangenen Jahr eingesetzt, nachdem Schwedens Verhalten während
des Krieges öffentlich kritisiert worden war. Anfang Juni hatte das
US-Außenministerium Schweden vorgeworfen, trotz Warnungen der Alliierten
während des Kriegs auch Raubgold als Zahlung für Rohstoffe angenommen
zu haben.
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Die Nachrichten wurden von Hollmann,Landgraf,
und Schacht zusammengestellt
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