Homepage Inhaltsverzeichnis Zum Abo-Coupon E-Mail
 
  07.Juli 1998 Jungle World
 

Nachrichten 

Beutekunst

Boris Jelzin kämpft weiter dafür, daß deutsche Schliemann-Fans in Zukunft nicht mehr so weit fahren müssen, wenn sie den sogenannten "Schatz des Priamos" besichtigen wollen. Nach vielen Rückschlägen konnte der russische Präsident jetzt auch einen Teilerfolg erzielen. Das Verfassungsgericht erklärte sich bereit, über die Anfrage Jelzins zum "Beutekunst"-Gesetz zu verhandeln. Der Staatschef hatte den Entwurf, der alle im Zuge des Zweiten Weltkriegs in die SU gebrachten Kulturgüter zum Eigentum Rußlands erklärt, im April gegen seinen Willen in Kraft setzen müssen, nachdem ihn das Verfassungsgericht dazu verpflichetet hatte. 

Jelzin, der sich gegenüber "Freund" Helmut Kohl verpflichtet hatte, die nationalen Interessen Rußlands hinter die Deutschlands zu stellen, hatte sich im April an das Gericht gewandt und den Inhalt des Gesetztes angefochten, das gegen internationale Vereinbarungen verstoße. In einer früheren Anfrage hatte der Kreml die Verfassungsmäßigkeit der entscheidenden Abstimmung über das Gesetz in beiden Parlamententskammern bezweifelt. Duma und Föderationsrat hatten das Veto Jelzins gegen das Restitutionsgesetz jeweils mit Zwei-Drittel-Mehrheit überwunden. 

Ein Urteil zu der jetzt zugesagten Überprüfung sei, so eine Sprecherin des Gerichts, allerdings nicht vor Ende des Jahres zu erwarten. 

"Böses Buch" 

Ein "gewisses Unbehagen" konnte der Sprecher der Bertelsmann-AG nicht unterdrücken, als er im Daily Telegraph lesen mußte, welcher Autor und Titel im neuerdings hauseigenen Verlag Hutchinson-Pimlico verlegt wird. Aber nur wegen "politischer Bedenken" wolle man Hutchinson-Pimlico nicht ins Verlagsprogramm hineinreden. "Bedenken", immerhin, hat man gegen Hitlers "Mein Kampf", die allerdings gemildert wurden, weil das distanzierende Vorwort den Hinweis enthalte, daß es sich um ein "böses Buch" handele. Gewinne würden mit dem Verkauf des Buches nicht erzielt. Die Einnahmen werden nach Darstellung des Verlags an eine gemeinnützige Organisation überwiesen, die die Schenkung anonym erhält, ohne daß sie über die Herkunft des Geldes aufgeklärt wird. 

DF 1 macht weiter 

Die Kirch-Gruppe erwägt im Gegensatz zu früheren Ankündigungen auch einen Weiterbetrieb ihrer Pay-TV-Sendeplattform DF 1 und ist dabei "offen für Partner". Wie DF 1-Geschäftsführer Gottfried Zmeck im Marketingfachblatt werben und verkaufen sagte, wird DF 1 nach der Ablehnung der Fusion mit Premiere durch die EU-Kommission "ohne Vorgaben und ohne uns eine Frist zu setzen" weiterbetrieben. Die Kirch-Gruppe hatte nach dem Nein aus Brüssel zur DF 1/Premiere-Fusion mitgeteilt, daß der Sendebetrieb "zunächst noch" aufrechterhalten werde. Nach Angaben aus dem Hause Kirch liegt zwischen Kirch und Bertelsmann bisher noch keine Entscheidung vor, wie das Digital-Angebot von Premiere ausgebaut werden soll. 

Zmeck erklärte gegenüber werben und verkaufen, das Angebot des Senders werde ab August erweitert. Der US-Anbieter Universal werde ein Programm mit Serien und Spielfilmen ausstrahlen. Hierbei handle es sich um Erfüllung bereits bestehender Verträge, sagte ein DF 1-Sprecher. 

Mahnmal 

Der von dem US-Architekten Peter Eisenman auf Kanzler-Wunsch überarbeitete Entwurf zum beschlossenen bzw. geplanten Holocaust-Mahnmal ist jetzt in der deutschen Hauptstadt eingetroffen. Wie ein Regierungssprecher in Bonn mitteilte, werde es "demnächst im Kreis der Auslober - Bundesregierung, Land Berlin und Förderkreis - zu einer Prüfung der vorliegenden vier Entwürfe kommen". Kohl soll ihn allerdings bereits in Augenschein genommen haben. Der Sprecher hielt es für wahrscheinlich, daß die Entscheidung noch vor der Bundestagswahl im September getroffen wird. 

Der Berliner Senatssprecher Michael-Andreas Butz dagegen bekräftigte, daß man sich weiterhin viel Zeit lassen wolle und begründete dies damit, daß die Entscheidung über ein solches Denkmal vor der "Geschichte" Bestand haben müsse, meinte aber eigentlich vor Eberhard Diepgen, der die vorliegenden Entwürfe nach wie vor "skeptisch" beurteilt. 

Di's 

Prinzessin Diana ist kein Markenzeichen, urteilte das britische Patentamt und wies damit den Antrag des Gedächtnisfonds für die Prinzessin von Wales ab, das Gesicht von Di als Warenzeichen registrieren zu lassen. Der Antrag auf Patentierung soll sich nach Berichten der Times auf vielseitige Verwendungszwecke in unterschiedlichen Bereichen erstreckt haben. "Die Liste umfaßte unter anderem Hefe, Feuerlöscher, Salatsaucen, Werbung, Bekleidung und Spiele", meldete die Times. Der Fonds hätte Millioneneinnahmen für die Benutzung von Aufnahmen der Prinzessin einstreichen können und hatte 26 Fotos in unterschiedlicher Kleidung und diversen Frisuren eingereicht. Der zuständige Beamte habe aber "keinen offensichtlichen Zusammenhang zwischen dem Gesicht der Prinzessin und einer Bratpfanne, einem Teppich oder einer Schreibmaschine erkennen können". 

Kinder, Kinder 

Spätestens, nachdem der Spiegel die "kleinen Monster" auf die Titelseite gerückt hat, scheint fest zu stehen, daß die Jugend immer krimineller, die kriminellen Kids immer brutaler werden. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen wird am schlechten Image der Kids wahrscheinlich wenig ändern, obwohl sie zum gegenteiligen Schluß kommt: Die Brutalität nimmt der auf einer Fachtagung in Loccum/Niedersachsen vorgestellten Studie zufolge weiter ab. Die Analyse von rund 770 Strafakten jugendlicher Täter in Hannover in den Jahren 1990, 1993 und 1996 habe gezeigt, daß die Bereitschaft zur Gewaltanwendung rückläufig ist. Zumindest in Hannover sind nicht alle Tage Chaostage. 

  •  Die Nachrichten wurden von Krebs und Runge zusammengestellt 
 
nach oben