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Ausland Nachrichten
Alles im Griff
"Noch geht in Rußland nicht alles
drunter und drüber", begann Ende der Woche schon reichlich beunruhigt
ein Kommentar in der FAZ. Aber so sah es aus: Das von den Sjuganow-"Kommunisten"
dominierte Parlament versucht weiter, einen Gesetzesvorschlag zu präsidialen
Gesundheitsproblemen durchzubringen, mit dem Präsident Jelzin aus
dem Amt entfernt werden soll. Jelzin traute sich nicht mal mehr aus dem
Kreml heraus, um, wie ursprünglich geplant, den chinesischen Staatschef
Jiang Zemin zu treffen. Ministerpräsident Kirijenko sperrte dem Energieriesen
Gasprom, dessen Ex-Chef der Ex-Ministerpräsident Tschernomyrdin ist,
einen Tag lang wegen Steuerschulden das Vermögen. Tschernomyrdin sagte
daraufhin einen Besuch in Deutschland ab. Die Finanzkrise blüht und
gedeiht, laut Kirijenko fehlen der Staatskasse monatlich umgerechnet knapp
1,2 Milliarden Mark. Der von der russischen Regierung ins Parlament eingebrachte
Anti-Krisen-Plan geht dem IWF nicht weit genug. Und die Minenarbeiter in
der westsibirischen Kohleregion Kemerevo blockieren wieder die transsibirische
Eisenbahn - unter anderem, um Jelzins Rücktritt zu erreichen -, während
die 100 000-Einwohner-Stadt Anzhero-Sudzhensk aus Protest gegen Entlassungen
und Fabrikstillegungen durch Streiks in Fabriken und im öffentlichen
Verkehr lahmgelegt wurde.
Verantwortungslos und schmutzig
Die Sozialistische Partei Spaniens (PSOE)
führt einen "schmutzigen Krieg" gegen den baskischen Nationalismus.
Das behauptete Xabier Arzalluz, der Vorsitzende der Nationalistischen Baskenpartei
(PNV), vergangenen Mittwoch im Radiosender Euskadi Irratia. Zuvor hatte
der baskische PSOE-Ableger seinen Ausstieg aus der Regierungskoalition
mit der PNV und der Solidaritätspartei (EA) erklärt - knappe
vier Monate vor den für den 25. Oktober dieses Jahres geplanten Regionalwahlen.
Anlaß für die Entscheidung war das Abstimmungsverhalten der
beiden Parteien: Am Montag letzter Woche hatten sie zusammen mit Herri
Batasuna (HB), die der bewaffneten Separatistengruppe Eta nahesteht, gegen
einen Antrag der Sozialisten gestimmt, die baskischen Regionalparlamentarier
sollten künftig bei Mandatsantritt formell ihre Achtung vor der spanischen
Verfassung von 1978 erklären.
Nachdem sich bereits zuvor ein Bruch der
Koalition angedeutet hatte (Jungle World, Nr. 26/98) reichten die drei
sozialistischen Minister im baskischen Regionalkabinett ihren Rücktritt
ein, weil ihnen die Zusammenarbeit ihrer bisherigen Partnerparteien mit
HB zu weit gehe. Spaniens konservativer Ministerpräsident José
Mar'a Aznar sieht das allerdings nicht so dramatisch. Das PSOE-Verhalten
sei "Wahlkampfgeplänkel" und "unverantwortlich". Aznars Regierung
stützt sich im spanischen Unterhaus auch auf die fünf PNV-Abgeordneten.
Nichts gewußt und doch alles in
Ordnung
Der britische Außenminister Robin
Cook und andere hohe Beamte sollen von Waffenlieferungen der englischen
Firma Sandline nach Sierra Leone nicht nur gewußt, sondern diese
auch genehmigt haben. Sandline lieferte 30 Tonnen AK-47-Sturmgewehre an
die Gefolgschaft des Präsidenten Ahmad Tejan Kabbah, der, nachdem
er von Putschisten gestürzt worden war, im Februar dieses Jahres mit
Hilfe von nigerianischen Militärs dominierten Ecomog-Einheiten wieder
in sein Amt gelangte. Auf den Vorwurf, das Waffenembargo nicht eingehalten
zu haben, behauptete Sandline, sowohl Beamte des Foreign Office als auch
der britische Botschafter in Sierra Leone seien über die Lieferungen
informiert gewesen. Nachdem Cook bei Bekanntwerden der Vorwürfe erklärt
hatte, von dem Waffenexport nichts gewußt zu haben, legitimierte
er später vor dem britischen Unterhaus die Exportbewilligung damit,
daß die Waffenlieferungen einen gewählten Präsidenten wieder
in sein Amt befördert hätten. Den Telegrammwechsel zwischen ihm
und dem Botschafter in Sierra Leone wollte er dennoch nicht offenlegen.
Rebellen gegen die Menschlichkeit
Die Truppen des einstigen kongolesisch-zairischen
Rebellenführers und heutigen Präsidenten Kongos, Laurent Kabila,
sollen für die Massaker an ruandischen Hutu-Flüchtlingen verantwortlich
sein. Diesen Vorwurf gegen Kabilas Truppen erhob die Untersuchungskommision
der Vereinten Nationen (UN) in ihrem am 30. Juni veröffentlichten
Bericht. Die Soldaten Kabilas sollen im November 1996 und Mai 1997 Hutu-Flüchtlinge
im Nordwesten des damaligen Zaire systematisch verfolgt und getötet
haben. Die UN-Untersuchungskommission prüft noch, ob es geplant war,
die Flüchtlinge umzubringen. Bodenproben ergaben die Existenz von
Massengräbern. Die Streitkräfte der Alliance des Forces Démocratiques
pour la Libération de Congo-Za•re gruben aber offenbar kurz vor
dem Eintreffen der UN-Kommission die Toten aus und schafften sie beiseite.
Als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet der UN-Bericht außerdem
die Tatsache, daß viele Flüchtlinge in unwirtliche Regionen
getrieben und von der Versorgung abgeschnitten wurden.
Peitschen und Knüppel
Gholam Hussein Karbaschi, der Bürgermeister
der iranischen Hauptstadt Teheran, beschuldigte vor Gericht das eigene
Land der Folter. Am vergangenen Sonntag erklärte Karbaschi, ein Vertrauter
des modernistisch-islamistischen Präsidenten Mohammad Khatami, von
Zeugen seien mittels Folter Aussagen erpreßt worden. Als Beleg zitierte
er aus einem Brief eines ehemaligen Mitarbeiters: "Ich wurde im Gefängnis
so schwer mit Peitschen und Knüppeln geschlagen, daß ich kaum
noch laufen konnte." Der Bürgermeister steht wegen Betrug, Veruntreuung
und Verschwendung öffentlicher Mittel vor Gericht. Das von Vertretern
eines traditionalistischen Islamismus initiierte Verfahren gilt als Schlag
gegen den Kurs Khatamis.
In memoriam Roberto Calvi
Ein italienischer Richter hat nach einer
Meldung des Guardian Weekly angeordnet, die Überreste von Roberto
Calvi, dem Ex-Präsidenten des Banco Ambrosiano, zu exhumieren. Calvi
war vor 16 Jahren erhängt unter der Londoner Blackfriarsbrücke
aufgefunden worden. Geklärt werden soll, ob Calvi Selbstmord begangen
hat. Nach Schätzungen des britischen Autors Charles Raw wurden aus
der Banco Ambrosiano zwischen 1976 und 1981 etwa 250 Milionen Dollar an
die Loge P2 abgezweigt, die sich Ende der siebziger Jahre zur Parallelregierung
in Italien gemausert hatte. Für rund sieben Millionen Dollar Schmiergeld
an die Sozialistische Partei unter Craxi (seit einigen Jahren im tunesischen
Exil) und Martelli hatte sich Calvi kurz vor dem Bankrott der Bank einen
50-Millionen-Dollar-Kredit des staatlichen Ölkonzerns ENI gekauft.
Diese Operation war von P2-Chef Licio Gelli eingefädelt worden, der
kürzlich untertauchte, um sich den italienischen Behörden zu
entziehen.
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Die Nachrichten wurden von Beier,
Friedrichs und Hempel zusammengestellt
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