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Glückliche Arbeitslose
Die Arbeitslosenzahlen sind im Juni um
rund 120 000 auf knapp vier Millionen gesunken. Insgesamt gab es in den
letzten vier Monaten 740 000 Erwerbslose weniger, wie Kanzleramtsminister
Friedrich Bohlen vergangene Woche verkündete. Der Wirtschaftsaufschwung
sei damit "auf dem Arbeitsmarkt angekommen". Und: Der Trend werde sich
bis zu den Bundestagswahlen im Herbst unvermindert fortsetzen. Dann sei
mit einer Zahl deutlich unter vier Millionen zu rechnen.
Der Rückgang dürften allerdings
vor allem auf die Spendierfreudigkeit der Bundesregierung zurückzuführen
sein. Nach Angaben des DGB wurden zwei Drittel der neuen Jobs durch zusätzliche
Mittel bei ABM-Stellen, Fortbildung und Arbeitsförderung geschaffen.
Im vergangenen Jahr hatte die Regierung die Ausgaben für Arbeitsprogramme
drastisch gesenkt, u.a., um das Staatsdefizit vor dem Euro-Beitritt zu
reduzieren.
Von einem Aufschwung der Konjunktur mit
positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ist auch nach Meinung des Deutschen
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin nichts zu sehen.
Als wichtigste Gründe nannte das Institut die schwache Inlandsnachfrage
und die Asienkrise, die sich noch negativ auf Europa auswirken werde.
Noch mehr Handys
Euphorisch ist zu viel gesagt, aber Handynutzer
reagierten auf die bevorstehende Einführung eines Ortstarifs im Deutschen
Telekom MobilNet (T-Mobil) durchaus erfreut. Bei T-Mobil sind tagsüber
Einsparungen von bis zu 64 Prozent möglich; statt 1,89 Mark kostet
die Minute jetzt 68 Pfennig. Der Abendtarif von 39 Pfennig pro Minute bleibt
allerdings derselbe. Das klingt für Handy-Feinde zwar immer noch nicht
besonders billig, aber wer unbedingt überall erreichbar sein will,
profitiert von dem Kampf um Mobilfunkkunden und die Vorherrschaft im Handymarkt.
So dürfen sich Kunden der Telekomtochter
ab dem 31. August ein bestimmtes Festnetz aussuchen, mit dem sie dann zum
Ortstarif sprechen können. Wer oft nach Köln telefoniert, kann
sich nun auch als Berliner für das Ortsnetz Köln entscheiden.
Laut T-Mobil-Unternehmenschef Kai-Uwe Ricke will die Firma mit diesem Vorstoß
dem Konkurrenten Mannesmann Mobilfunk die Marktführung streitig machen.
Dessen D2-Netz hat zur Zeit 4,5 Millionen Kunden und liegt damit deutlich
vor T-Mobil.
Mit der Tarifsenkung will T-Mobil "den
Mobilfunkmarkt zum Massenmarkt machen", erklärte Ricke die Strategie
des Konzerns. Der Ausbau des Handymarkts ist auch wegen der zu erwartenden
Konkurrenz durch neue Technologien - zum Beispiel bei "Internethandys"
- äußerst attraktiv.
Aber Handynutzer sollten sich nicht zu
früh über die neuen Tarife freuen. Denn nach Informationen der
Berliner Morgenpost soll die Regulierungsbehörde für Telekommunikation
und Post kurz davor stehen, Funknetzbetreibern eine Ausnahmegenehmigung
zu erteilen, nach der Kunden - anders als im Festnetz - nur über den
Anbieter telefonieren dürfen, mit dem sie den ursprünglichen
Vertrag geschlossen haben. Da demnächst auch ein vierter Netzbetreiber
(neben T-Mobil, Mannesmann und E-Plus Mobilfunk) den Einstieg in den deutschen
Handy-Markt plant, gilt es jetzt, möglichst bald möglichst viele
Kunden vertraglich an T-Mobil zu binden.
Boykotte gegen Schweizer Banken
Der Geiz der Schweizer Großbanken
zeigt Folgen: Mitte vergangener Woche hat ein Ausschuß hochrangiger
US-Finanzbeamter unter dem Vorsitz des Finanzchefs der Stadt New York,
Alan Hevesi, ein Ende vergangenes Jahr verhängtes Moratorium zu Sanktionen
gegen Schweizer Banken aufgehoben. Somit ist es künftig einzelnen
US-Bundesstaaten freigestellt, Boykottmaßnahmen zu beschließen
oder bereits beschlossene Sanktionen in Kraft treten zu lassen.
Die Bundesstaaten New York, Kalifornien,
New Jersey haben bereits in den vergangenen 15 Monaten Gesetzesvorlagen
oder verbindliche Richtlinien eingebracht. Darin werden öffentlichen
Körperschaften Geschäftsverbindungen mit Schweizer Banken untersagt,
solange diese eine Entschädigung von Opfern der Shoah und deren Angehörigen
verweigern oder auch nur verzögern. Der kalifornische Finanzminister
Matt Fogg kündigte nach der Aufhebung des Moratiums an, künftig
auf neue Geschäfte mit Schweizer Geldinstituten, inklusive deren Niederlassungen
und Tochtergesellschaften in den USA, zu verzichten. Auch der Bundesstaat
Pennsylvania kündigte vergangene Woche entsprechende Maßnahmen
an.
Um diplomatische Spannungen mit der Schweiz
zu vermeiden, versuchte die US-Regierung am vergangenen Wochende zu beschwichtigen:
Man sei gegen die angekündigten Sanktionen, hieß es aus Washington.
In einer zuvor von Schweizer Banken veröffentlichten Erklärung,
die vom Schweizer Bundesrat unterstützt wurde, war vor "Erpressung"
und "Extremisten" gewarnt worden.
Zucker für Schering
Die höchste Geldstrafe, die nach dem
brasilianischen Verbraucherschutzgesetz möglich ist, wurde gegen eine
Tochtergesellschaft des Pharmakonzerns Schering verhängt. Rund 4,5
Millionen Mark soll der deutsche Multi nach dem Willen des Justizministeriums
in Brasilia zahlen, da sich Anti-Baby-Pillen des Konzerns als völlig
wirkungslose Zucker-Tabletten erwiesen haben. Der Pharma-Riese wies die
Vorwürfe zurück; ein Verschulden der brasilianischen Tocherfirma
liege nicht vor, erklärte ein Firmensprecher in Berlin. Man habe zu
Testzwecken ein Placebo für die Anti-Baby-Pille hergestellt, einige
davon seien unerklärlicherweise in den Handel gelangten. Schering
räumte aber gleichzeitig Fehler im Umgang mit der falschen Pille ein.
Die Firma habe Beschwerden für Einzelfälle gehalten; mittlerweile
seien jedoch bis zu zwei Tonnen der Pille auf den Markt aufgetaucht.
Frauen, die während der Einnahme des
Placebos schwanger wurden, sollen nun entschädigt werden. Ob auch
Abtreibungen bezahlt werden, gab der Konzern nicht bekannt. Schwangerschaftsabbrüche
sind in Brasilien illegal.
GM-Streik
Der Streik bei dem US-Autokonzern General
Motors (GM) wird voraussichtlich für das Unternehmen sehr teuer werden.
Nach Angaben des Konzerns belaufen sich die Kosten für den Arbeitskonflikt
bereits auf über zwei Milliarden Mark. Die zwei GM-Werke in Flint
(Michigan) werden seit dem 5. Juni bestreikt. Der Produktionsstopp hat
zeitweise zur Schließung von 26 der 29
GM-Montagewerke in den USA und Mexiko geführt.
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Die Nachrichten wurden von Landgraf,
Schacht und Söhler zusammengestellt
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