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Nachrichten
Freiheitliches Funktionärsschwinden
Jörg Haiders Freiheitlicher Partei
Österreichs (FPÖ) gehen langsam die Funktionäre aus. Nach
dem Fall Peter Rosenstingl, der als Nationalratsabgeordneter Gelder veruntreut
hat und bislang erfolglos mit internationalem Haftbefehl gesucht wird,
folgt jetzt der Fall Bernhard Gratzer. In zwei vermutlich aus Brasilien
abgeschickten Briefen beschuldigt Rosenstingl den niederösterreichischen
FPÖ-Vorsitzenden und Fraktionschef, von Fraktionsgeldern und Parteikrediten
Provisionen kassiert zu haben. Gratzer hat sich zu diesen Vorwürfen
nicht geäußert, sondern verschwand ebenfalls. Angeblich ist
er auf Mauritius in Urlaub. Haider sieht sich durch diesen Vorfall in seinem
Anliegen bekräftigt, zukünftig Parlamentarier der FPÖ einen
Vertrag unterzeichnen zu lassen, nach dem sie sich zur Einhaltung der Parteilinie
verpflichten. Das aber stößt innerhalb der Partei auf Kritik.
Ein Abgeordneter, der mutmaßte, ein solcher "Knebelvertrag" sei vermutlich
rechtswidrig, wurde daraufhin allerdings mit sofortiger Wirkung aus der
FPÖ geworfen.
Unruhiger Frieden
Die marching season in Nordirland hat traditionsgemäß
mit gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Unionisten, Nationalisten
und Polizei angefangen. Am vergangenen Sonnabend marschierten Mitglieder
des pro-britischen Verbandes "Orange Order" durch das größtenteils
protestantische Portadown. Obwohl die Marschroute auch durch katholische
Wohnviertel führte, verlief die Parade Presseberichten zufolge einigermaßen
ruhig, bis einige Hundert Gegendemonstranten in der als Hochburg der irischen
Nationalisten bekannten Garvaghy Road auf einige hundert Unterstützer
des "Orange Order" trafen. Bei den anschließenden Kämpfen wurden
Steine und Molotowcocktails geworfen, elf Polizisten und drei Zivilisten
wurden nach offiziellen Angaben verletzt.
Der Sommer gilt als Hochsaison der traditionellen
Märsche, die oft auf heftigen und gewalttätigen Widerstand der
Gegenseite stoßen und eine große Herausforderung für das
Friedensabkommen darstellen. Deshalb war der irische Ministerpräsident
Bertei Ahern knapp eine Woche nach dem Votum der irischen wie nordirischen
Bevölkerung für das mit Großbritannien ausgehandelte Abkommen
mit katholischen Bewohnern der Garvaghy Road zusammengekommen. Unruhen
bei den Märschen, appellierte Ahern, würden eine große
Gefahr darstellen. Auch Gerry Adams, Präsident der IRA-nahen Sinn
Féin, erklärte am Sonabend, daß die Sicherung eines "friedlichen
Juli in der Garvaghy Road und in anderen Gegenden" zu den wichtigsten Aufgaben
des Neuanfangs gehöre.
Sorry
Am 26. Mai fand in Australien der erste
"Sorry Day" statt. Landesregierungen, Kirchen und sogar die Polizei entschuldigten
sich bei den Ureinwohnern Australiens, den Aborigines, für brutale
Besiedlungspolitik des vorigen Jahrhunderts und die bis in dieses Jahrhundert
fortgeführte Zwangsassimilation. Obwohl rein symbolischen Ebene lief
- von Entschädigungen oder Landrückgabe war nicht die Rede -
wurde der Sorry Day trotzdem von der australischen Bundesregierung unter
Premierminister John Howard boykottiert.
Suharto light oder Reformasi total?
Die neue indonesische Regierung unter Präsident
Bacharuddin Jusuf Habibie wagt vorsichtige Reformen - in der Hoffnung,
so die Proteste einzudämmen. So wurden am 27. Mai zwei prominente
politische Gefangene entlassen und bisher verbotene Gewerkschaften legalisiert.
Außerdem erklärte Habibie, er habe sich mit den Abgeordneten
der Volksvertretung darauf geeinigt, binnen Jahresfrist Neuwahlen abzuhalten.
Vorher aber müßten das politische System und die Parteienlandschaft
"liberalisiert" werden. Neben den bisher zugelassenen drei Parteien sollen
sich weitere für eine Beteiligung an den Wahlen bewerben können.
Das gelte aber nicht ohne Einschränkung: Parteien, die sich "ethnisch"
oder religiös definieren, sollen in der indonesischen Parteienlandschaft
keinen Platz haben. Amien Rais, einflußreicher Oppositionspolitiker
und Vorsitzender der islamischen Organisation Muhammadiya Ulama, will sich
damit allerdings nicht abfinden. Er bezeichnete die Wartezeit bis zu dem
geplanten Urnengang als zu lang und sprach sich statt dessen für einen
Termin innerhalb der nächsten zwei Monate aus.
Auch auf den Straßen des Landes gingen
die Proteste weiter. In Jakarta forderten mehrere Hundert Studenten Habibies
Rücktritt und eine "Reformasi total". Währenddessen waren auf
der Insel Sumatra erneut Unruhen und Plünderungen zu verzeichnen.
Daß die Situation in dem Land weiterhin kritisch bleiben wird, zeigte
sich auch im Bankensektor des Landes: Bank Central Asia, das größte
private Geldinstitut des Landes wurde unter staatliche Zwangsverwaltung
gestellt, weil die Kunden massenhaft ihre Konten geräumt und die Bank
damit zur Zahlungsunfähigkeit gebracht hatten. Michel Camdessus, Präsident
des Internationalen Währungsfonds, gibt sich dennoch zuversichtlich.
Die Situation sei zwar unklar, die neue Regierung sei aber "reformorientiert".
Nach Camdessus kommt Indonesien innerhalb der Asienkrise eine Schlüsselrolle
zu, die künftige Entwicklung in der Region sei stark von dem Inselreich
abhängig.
Es rappelt in Südkorea
Am Pfingstsonntag wurden in Seoul nach
Polizeiangaben rund 510 Studenten bei einer Demonstration festgenommen.
Am selben Wochenende kündigte die südkoreanische Regierung Maßnahmen
gegen die Anführer der Streiks der letzten Woche an. Mehrere Hunderttausend
Arbeiter waren am Mittwoch in einen zweitägigen Streik getreten, um
gegen geplante Massenentlassungen zu protestieren. 143 Gewerkschaftsführer
erhielten daraufhin am Freitag polizeiliche Vorladungen. Wenn sie diesen
nicht nachkommen, droht ihnen die Inhaftierung. Angesichts wachsender Unruhen
versucht die Regierung unter anderem, mögliche Bündnisse zwischen
Arbeitern und Studenten zu verhindern. Der 1996 illegalisierte Studentendachverband
Hanchongryon hatte zwei Tage vor den Verhaftungen angekündigt, sich
verstärkt um Bündnisse mit Arbeitern zu bemühen.
Kabilas Parlamentsplanung
Ein Jahr nach dem Sturz Mobuto Sese Sekos
als Staatschef des mittlerweile in Kongo umbenannte Zaire hat sich Kongos
Präsident Laurent-Désiré Kabila für ein Übergangsparlament
entschieden, dessen Abgeordnete er selber ernennen wird. Das Parlament
soll einen Verfassungsentwurf und Regeln für die Wahlen im kommenden
Jahr verabschieden. Bereits vorher hatte Kabila eine Wahlregelung angekündigt,
der zufolge Personen, die bereits unter Mobutu legal politisch tätig
waren, nicht kandidieren dürfen.
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Die Nachrichten wurden von Hempel
und Schacht zusammengestellt
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