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Nachrichten
Gewalt erfreut
Der Berliner Unionspolitiker Roland Gewalt
war "erfreut" und sprach von einer abschreckenden Wirkung. Der Polizeigewerkschafter
Klaus Eisenreich entdeckte gar eine "gute Botschaft" für seine Truppe:
"Steinewerfen ist kein Kavaliersdelikt." Weil die Hauptstadt-Sicherheitspolitiker
daran keinen Zweifel lassen wollen, wurde vergangene Woche ein 27jähriger
Mann zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung verurteilt.
Der Grund: Er soll während der Krawalle am 1. Mai eine Flasche in
Richtung Polizei geworfen haben. Mit der Entscheidung des Amtsgerichts
Tiergarten wurde seit den Auseinandersetzungen im Prenzlauer Berg am 1.
Mai bereits zum dritten Mal wegen der Beteiligung an den militanten Aktionen
eine Haftstrafe verhängt.
Abschiebung in die Istanbuler Folterstube
Zum zweiten Mal innerhalb eines Vierteljahres
soll der 38jährige Kurde Süleyman Yadirgi in die Türkei
abgeschoben werden. Nach der ersten Abschiebung im März war der Menschenrechts-Aktivist
aus dem Bonner Kurdistan-Zentrum noch am Flughafen in Istanbul festgenommen,
eine Woche gefangengehalten, gefoltert und mit dem Tode bedroht worden.
Nach seiner Freilassung tauchte Yadirgi unter, Mitte Mai konnte er nach
Deutschland fliehen. Mit frischen Folterspuren wiegte er sich in dem Glauben,
hierzulande Asyl finden zu können. Falsch gewiegt. Als er einen Asylfolgeantrag
stellen wollte, wurde Yadirgi auf der Kölner Außenstelle des
Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge
festgenommen. Seine Chancen, einer zweiten Abschiebung auf eben die Istanbuler
Polizeistation zu entgehen, wo er schon einmal gefoltert wurde, sind schlecht,
meint Albrecht Kieser von der Kölner "kein mensch ist illegal"-Gruppe:
Ausländerbehörde und Bundesamt glauben den türkischen Behörden,
die behaupten, Yadirgi sei keinerlei Verfolgung ausgesetzt.
Sachsen-Anhalts Parlament taucht ab
Jetzt, nachdem alles vollbracht ist, nachdem
die Volksfront von Sozialdemokraten und PDS-Kommunisten mit der Wahl Reinhard
Höppners zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt vergangene
Woche amtlich ist, soll es still werden im Magdeburger Landtag. Nur noch
zweimal, im Juni und im Juli, wird das Gremium zusammenkommen, bevor sich
Gerhard Schröder am 27. September zum Kanzler krönen lassen will.
Damit wirklich nichts schief geht und die PDS-regierten Sozis nicht der
"Rote-Hände-Kampagne" des Unionspfaffen Peter Hintze weitere Nahrung
bieten, sollen auch die Haushaltsberatungen erst im Oktober stattfinden.
Schließlich wolle man nicht in den Wahlkampf geraten, erläutern
die Sozialdemokraten ganz unverhohlen den unfreiwillig-freiwilligen Urlaub.
Bayerns Saubermänner fordern Schnupperknast
Auch bayrische Sicherheitspolitiker haben
so ihre Vorstellungen darüber, wie die steigende Delinquenz von Jugendlichen
eingedämmt werden könnte. Nur noch in Ausnahmefällen sollen
demnach künftig Heranwachsende nach dem Jugendstrafrecht be- und verurteilt
werden. Eine entsprechende Gesetzesinitiative haben die bayrischen Bundesratsdelegierten
vergangenen Freitag in der Länderkammer eingebracht. Außerdem
sollen die Gerichte bei schwersten Verbrechen Heranwachsender Strafen bis
zu 15 Jahren verhängen, selbst wenn das Jugendstrafrecht angewendet
wird. Gedacht ist auch daran, neben einer Bewährungsstrafe einen sogenannten
Einstiegsarrest einzuführen.
Eine Front mit der DVU
Nun scheint es beschlossene Sache: Nach
Angaben des DVU-Sprechers Bernhard Dröse hat sich die rechtsextreme
Partei mit den ein wenig weniger rechtsextremen Republikanern in Sachsen-Anhalt
zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Die beiden wollen nun mit einer
gemeinsamen Liste zur Bundestagswahl antreten. Keineswegs!, reagiert man
beim Bundesverband der Republikaner. Weder in Sachsen-Anhalt noch in anderen
Bundesländern sei eine Zusammenarbeit mit der DVU vorgesehen, sagte
Rep-Präsidiumsmitglied Gerhard Tempel. "Daß ganze Landesverbände
umkippen, kann ich mir nicht vorstellen." Dabei kann von "umkippen" gar
nicht die Rede sein. Zwar spricht sich der Rep-Vorsitzende Rolf Schlierer
vehement gegen eine Zusammenarbeit mit der DVU aus, dessen Vorgänger
und Gegenspieler, der mittlerweile parteilose Rechtsextremist Franz Schönhuber,
hat jedoch angekündigt, bei der Europawahl für die DVU zu kandidieren.
Und während Schönhuber in so manchem Rep-Verband zum Parteifeind
Nummer eins avanciert ist, sind die Sachsen-Anhalter Reps durchaus positiv
auf ihren einstigen Vorsitzenden zu sprechen. Die Bundeszentrale in Berlin
ließ hingegen wissen, allen an der Kooperation beteiligten Mitgliedern
drohe ein Parteiausschlußverfahren.
Kleine Siege über Kanther
Nach mehr als zweijähriger juristischer
Auseinandersetzung ist er nun endlich unter Dach und Fach, der bescheidene
erste "Sieg über Kanther in der Asylpolitik seit fünf Jahren",
wie pro asyl vergangene Woche den Vertrag bezeichnete, den der Frankfurter
Anwaltsverein und das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer
Flüchtlinge jetzt unterzeichnet haben. Demnach sollen Asylsuchende,
die auf dem Flughafen von Frankfurt/Main ankommen, nicht nur eine kostenlose
"asylrechtskundige Beratung über die Erfolgsaussichten eines etwaigen
Rechtsmittels" erhalten, sondern auch "Hilfe bei der Formulierung des beim
Gericht zu stellenden Antrags". Künftig steht Anwälten und Anwältinnen
ein fester Geldsatz für Beratung und auch Formulierungshilfe zur Verfügung.
Damit dürften die geringen Chancen für Flüchtende, nicht
nach ihrer Ankunft innerhalb einer Woche wieder abgeschoben zu werden,
leicht steigen. Trotz des Abkommens, das auch auf anderen Flugplätzen
Anwendung finden soll, bleibt die Flughafenregelung mit ihren kurzen Fristen
für pro asyl ein "Lotteriespiel" und muß abgeschafft werden.
Keine Gnade den Ladendieben
Ein geradezu handfest ausgetragener Konkurrenzkampf
herrscht derzeit in Deutschlands Kaufhäusern. Weil sich in der Frankfurter
Hertie-Filliale gleich Beschäftigte dreier Detekteien die Füße
platt stehen, werden zunehmend unschuldige Kunden und Kundinnen verdächtigt
und Diebstähle regelrecht inszeniert. Das zumindest berichtet der
Detektiv Mohammed L. Und der hat allen Grund, sich zu beschweren: Kollegen
einer konkurrierenden Firma hatten den Mann als Ladendieb verdächtigt,
am Ausgang festgehalten und dann auch noch brutal zusammengeschlagen. Hertie-Geschäftsleiter
Konrad Krüger zeigt sich mit dem zunehmenden Konkurrenzkampf zufrieden:
"Wir wollen schon einen gewissen Wettbewerb haben, damit die sich auch
anstrengen."
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Die Meldungen wurden von W-D.
Vogel und U. Dillmann zusammengestellt
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