Jungle World, 26. März 1998
NachrichtenTim Maia tot"Ich rate niemandem, dieses Gesöff zu trinken", erklärte der brasilianische Sänger und Komponist Tim Maia kurz nach seinem Auftritt bei der großen Werbeshow eines Bierherstellers vor laufender Fernsehkamera. "Das von der Konkurrenz ist viel besser!" Maia, der letzte Woche im Alter von 55 Jahren in Rio de Janeiro an Herzversagen starb, war wegen solcher und ähnlicher Aktionen zum Publikumsliebling avanciert. Obwohl er immer wieder en détail erzählte, wie hinter den Kulissen der Unterhaltungsbranche geschoben und betrogen wurde und die Plattenfirmen ihn anschließend boykottierten, verkauften sich seine Platten millionenfach, denn die Boykotte dauerten nur so lange, bis ein neues Werk Maias fertig war, dann rissen sich die Konzerne wieder um ihn. Finanziell erfolgreich machte das den aus ärmlichen Verhältnissen Stammenden, der achtmal wegen Einbrüchen und Drogenvergehen im Gefängnis saß, nicht: Seine Konzerteinnahmen wurden grundsätzlich gepfändet. Weshalb, war ganz Brasilien klar: "Ich rauche nicht, trinke nicht, nehme auch kein Kokain - lüge aber manchmal ein bißchen." Lernschluß Was man in Deutschland bis zum 12. Schuljahr nicht gelernt hat, das lernt man im letzten Jahr auch nicht mehr, jedenfalls im Fach Mathematik. Dies geht aus "Timss II" hervor, einer internationalen Mathematik-Leistungsstudie, hervor. Anders als in Physik, wo es auch im letzten Schuljahr noch "Erkenntnisgewinne" gibt, bleiben die in der 13. Klasse aus, was allerdings auch am Lehrplan liegen könnte: Der sieht nur vor, das bereits verhandene Wissen zu vertiefen und zu ergänzen. Aber auch die deutsche Art, Mathe zu unterrichten, so der Bildungsforscher Rainer Watermann, sei ineffektiv: Im Vordergrund stehe das sture Einüben von Routine anstatt des kreativeren Findens verschiedener Lösuungsmöglichkeiten. In Singapur hat man unterdessen auf ähnliche Untersuchungen reagiert, Erziehungsminister Teo Chee Hean kündigte an, den Unterrichtsstoff um bis zu 30 Prozent zusammenzustreichen. "Die Schüler sollen weniger und dafür besser lernen", reagierte er auf die zunehmende Kritik an den Unterrichtsmethoden in seinem Land. Dort wurde bisher großen Wert auf das Auswendiglernen großer Stoffmengen gelernt, nun sollen die Schüler zu Kreativität ermuntert werden. Die geplante Bildungsreform hat einen wirtschaftlichen Hintergrund, denn immer wieder beschwerten sich Arbeitgeber über die Leistungen der Schulabgänger, denen es an Teamfähigkeit und Kreativität mangelt. Harry Klein befördert Wenn Derrick am 18. September dieses Jahres mit der Folge "Das Abschiedsgeschenk" endgültig in Pension geht, dann steht sein Nachfolger bereits fest: "Der Kommissar" übernimmt, ebenfalls am Freitagabend, den Kampf gegen das Verbrechen. Gespielt wird der Leiter einer Münchener Mordkommission von Peter Kremer, allerdings scheint das ZDF nicht damit zu rechnen, daß der ähnlich lange wie Horst Tappert, der seit 1974 genau 281 mal Derrick war, im Amt bleibt. Fernsehspielchef Hans Janke erklärte, den Titel der neuen Serie bewußt neutral gewählt zu haben, um dem Sender die Möglichkeit zu geben, "die Titelrolle, wenn notwendig, leichter umzubesetzen". Derricks Assistenz Fritz "Harry, fahr schon mal vor" Wepper wird trotz des Endes von Derrick (der nur pensioniert, und nicht wie üblich erschossen wird) nicht arbeitslos, sondern macht Karriere. Unter seinem "bestens eingeführten" Seriennamen "Harry Klein" soll er in einer gleichnamigen Krimiserie Fälle lösen. Und Horst Tappert, dessen "Derrick" in über hundert Länder verkauft wurde und in Deutschland von bis zu neun Millionen Zuschauern eingeschaltet wurde, geht im wirklichen Leben auch nicht in Pension, das ZDF produziert demnächst mit ihm als "Charakterdarsteller" drei Specials für den europäischen Markt. Werbung liebt Computerfritzen Die meisten Printmedien stöhnen über einen drastischen Umsatzrückgang im Anzeigengeschäft, dabei schaltet die Industrie reichlich Werbung. Allerdings hauptsächlich in Computerzeitschriften, wie eine von Vogel Computer Presse (VCP) erhobene Statistik zeigt. "Die werbungtreibende Industrie sieht in den Computerzeitschriften nach wie vor das wichtigste und überzeugendste Transportmittel für ihre Werbung", kommentierte Andrea Ferkinghoff, Leiterin von VCP, die Zahlen. In den ersten beiden Monaten des Jahres 1998 wurden in Computerzeitschriften fast 6 000 Anzeigenseiten plaziert, 58 Millionen Mark kostete die Firmen diese Werbung.
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