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Nachrichten

Stars in Potsdam 

Die US-Filmstars, die auf der Berlinale fehlen, trifft man demnächst in Potsdam. Nachdem Sony zugesagt hat, Filme mit internationaler Starbesetzung in Babelsberg zu produzieren, werden bereits in diesem Jahr Julia Roberts, Susan Sarandon, Ed Harris und Robin Williams erwartet, die für die vier 1998er-Produktionen des japanischen Medienkonzerns verpflichtet wurden. Gleichzeitig wurde die Gründung eines Kapitalfonds beschlossen, an dem sich das Sony-Tochterunternehmen SPE, die Commerzbank sowie die Investitionsbank des Landes Brandenburg beteiligen. Damit sollen für einen Zeitraum von sieben Jahren rund 140 Millionen für Filmproduktionen zur Verfügung stehen. 

Sony entschied sich für den Produktionsstandort, um künftig auf dem europäischen Filmmarkt stärker präsent zu sein. Außerdem ist in Potsdam alles günstiger als in Hollywood. 

Waigel korrigiert 

Um die absehbare Steuerverschuldung von Theatern abzuwenden, hat Bundesfinanzminister Theo Waigel seine Bereitschaft erklärt, den umstrittenen "Sponsoren-Erlaß" zu korrigieren. "Wir werden einen Weg finden, daß beim Goethe-Institut oder bei Theatern und anderen kulturellen Einrichtungen kein steuererheblicher Tatbestand entsteht", erklärte er. So sollen entgegen einer Regelung vom Juli 1997 keine Steuern anfallen, wenn ein Sponsor lediglich im Programmheft oder auf Plakaten genannt wird. 

Pro Heisig 

Die IG Medien hat den von 58 Unterzeichnern eines Offenen Briefs angegriffenen Künstler Bernhard Heisig in Schutz genommen. "Es kann doch nicht wahr sein, daß ein bildender Künstler, dessen Werk über Jahrzehnte - auch von der westlichen Kunstkritik - als respektabel und von internationalem Rang eingestuft wurde, heute deswegen geächtet wird", so Klaus Geldmacher, der Bundesvorsitzende der Fachgruppe Bildende Kunst in der IG Medien. "Und dies allein aufgrund der Tatsache, daß er Bürger der DDR war, nicht lauthals gegen die Staatsmacht opponierte, sondern als zeitgenössischer Maler durchaus auch offizielle Anerkennung fand. Hier wird ein Mann wegen seiner Vergangenheit und Herkunft abgeurteilt, nicht sein künstlerisches Werk. Die Aufforderung, keinen öffentlichen Auftrag an Bernhard Heisig für ein künftiges Regierungsgebäude zu vergeben, ist beschämend und wird genährt entweder von beruflichem Neid oder politischem Ressentiment, dem sich viele Bürger der DDR immer wieder ausgesetzt sehen." 

Bullenporno 

Früher waren Bullen Schweine und wurden notfalls abgeknallt, heute dürfen sie sogar selbst mitbumsen: Für einen Zehner soll ein hochrangiger Münchner Polizeibeamter als Pornodarsteller gejobbt haben, und zwar in einem Film, der von einer ehemaligen Sympathisantin der RAF gedreht wurde. Das Münchner Polizeipräsidium bestätigte einen entsprechenden Bericht des Magazin Focus. Das Verhalten werde mißbilligt, der Beamte habe sich aber dienst- und strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen. Es handele sich um eine einmalige und nicht steuerpflichtige Tätigkeit. 

Pulp oder Fiction 

Damit der Schauspieler und Scientologe John Travolta im Film "Primary Colors" seine Rolle als US-Präsident möglichst sympathisch rüberbringt, soll Bill Clinton den Schauspieler mit dem Versprechen gelockt haben, er werde sich dafür einsetzen, daß Scientology in Deutschland als Religion anerkannt wird. So zumindest stellt es John Travolta in einem Interview mit der amerikanischen Zeitschrift George dar. Nach den Worten Travoltas soll Clinton gesagt haben: "Ihr Programm hört sich großartig an. Ich würde Ihnen gerne bei Ihren Problemen in Deutschland helfen." Und Travolta weist darauf hin, daß einer "blind sein muß", wenn er nicht sieht, "daß der Film Clinton in ein gutes Licht rückt". 

PC-Chinesisch 

Bislang verstehen Computerprogramme noch kein gesprochenes Chinesisch. Um dies zu ändern, sucht eine Gruppe von Wissenschaftlern des New Yorker Thomas-Watson-Labors gemeinsam mit IBM-Mitarbeitern in Peking nach einer Möglichkeit, wie die Programme die verschiedenen Intonationen im Chinesischen unterscheiden können. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner aktuellen Ausgabe. Schon beim Englischen muß die Software eine großes Spektrum von Modulationsvarianten verschiedener Sprecher erkennen können, für das Chinesische, wo das Problem noch komplexer ist, da ein Wort eine unterschiedliche Bedeutung hat, wenn es in hoher, tiefer, ansteigender oder abfallender Tonlage gesprochen wird, konnte bislang noch kein Spracherkennungsmodus gefunden werden. So bedeutet je nach Tonhöhe die Silbe "ma", "rauh", "Mutter", "Pferd" oder "Frage". Um dies in einem Programm verarbeiten zu können, hat die Forschergruppe um den Wissenschaftler Julian Chen damit begonnen selbst so kurze einsilbige Worte wie "ma" zu zerlegen und in zwei Teilen getrennt zu analysieren. Für die Analyse greift das Programm auf Datensätze mit allen verschiedenen Tonhöhen zurück, in denen Vokale wie "a" oder "i" gesprochen werden können und gleicht sie mit dem gehörten Beispiel ab. Erst danach erfolgt die Analyse des "m", woraus der Computer dann die korrekte Bedeutung des ganzen Wortes ermitteln soll. 400 Sprecher aus allen Regionen Chinas haben bereits ihre Sprachproben abgegeben. 

Abbado ab 

Kaum ist bekannt geworden, daß Claudio Abbado nach 2002 nicht mehr als Chefdirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters zur Verfügung steht, zerreißt man sich in der Hauptstadt das Maul über ihn. Als Zwischenträgerin des Klatschs betätigt sich die Berliner Zeitung: Abbado habe in Berlin gar nicht richtig Deutsch gelernt (als ob man hier richtig Deutsch spräche), außerdem habe er die Zuhörer gelangweilt, weil es ihm "mehr als um klare Konturen" um das "Spiel der Klangfarben" gegangen sei. Der Abbado-Hörer kennt diesen Stil spätestens seit seinen genialen Mahler-Interpretationen; die Berliner erlauben sich erst dann, beim Gähnen die Hand nicht mehr vor den Mund zu halten, da der Künstler ihrer häßlichen Stadt den Rücken kehrt. Und eigentlich wollen sie doch nur Karajan zurück. 

  •  Die Nachrichten wurden von Ripplinger und Runge zusammengestellt 
 

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