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Nachrichten

Rationalisierung im Boom I 

Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland hat rund fünf Prozent mehr umgesetzt, aber 209 000 (3,2 Prozent) weniger Mitarbeiter beschäftigt als im Jahr zuvor. Nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes wurden im früheren Bundesgebiet rund drei Prozent aller Stellen abgebaut, in Ostdeutschland waren es 4,2 Prozent. Der Umsatz stieg umgekehrt proportional: im Westen um knapp fünf Prozent, im Osten um acht Prozent. So hat die deutsche Chemieindustrie 1997 ihren bisher höchsten Profit eingefahren. Mit 8,5 Milliarden Mark DM liegt der Nettogewinn um eine Milliarde höher als im Vorjahr. 

Auch die Nettoumsatzrendite übertrifft mit 4,5 Prozent den alten Höchststand von 1988. Wesentlich zum Profitwachstum haben die sinkenden Lohnstückkosten beigetragen. Die Produktivität je Arbeitnehmer stieg seit 1991 um etwa 40 Prozent, die Löhne und Gehälter stiegen im selben Zeitraum hingegen nur um etwa 21 Prozent. 

Kassenkampf bei Banken: Rationalisierung II 

Die Fusions-, Privatisierungs- und Rationalisierungswelle in der Boombranche Bankgewerbe läuft weiter auf Hochtouren. Die Fusion der Bayerischen Vereins- mit der Hypobank dürfte 7 000 Stellen kosten. Bei der Commerzbank sollen zunächst 1 400 der 26 000 Stellen gestrichen werden. Die Bank plant, entlassene Mitarbeiter in einer Beschäftigungsgesellschaft zu reduzierten Löhnen für 18 Monate als Leiharbeiter weiter zu beschäftigen. Die Deutsche Bank will in den nächsten drei Jahren rund 9 000 ihrer weltweit 76 000 Beschäftigten entlassen. Bei den Sparkassen stehen 35 000 bis 40 000 Arbeitsplätze in den technischen Abteilungen auf der Abschußliste. 

Insgesamt werden in den nächsten Jahren nach einer Schätzung der DAG 140 000 Stellen abgebaut werden. Die Banken konzentrieren sich zunehmend auf die lukrativsten Bereiche des Finanzgeschäfts, am Schalter werden höchstens noch Trinkgelder verdienen. So wird überall vorrangig Personal in den Filialen abgebaut, während im Consultingbereich und im Investmentbanking neue Stellen geschaffen werden. Der Kassenkampf nimmt härtere Formen an: Die deutsche Monopolkommission und der Verband privater Banken fordern unisono, die öffentlichen Banken, insbesondere die Landesbanken, zu privatisieren. Hintergrund ist die von den Großbanken angestrebte Nettokapitalrendite von 20 Prozent, die sich nur mit Konzentrationsprozessen und Erschließung weiterer Marktbereiche erreichen läßt. 

Kapitale Auswirkungen der Krise in Südostasien 

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird wegen geringerer Importe der Tigerstaaten1998 voraussichtlich um 0,3 bis 0,5 Prozent geringer ausfallen als bisher erwartet. Weitere Währungsabwertungen infolge der Krise, insbesondere des Dollar und des Yen, stehen noch aus, so daß sich das BIP nach einer Schätzung des Economist um ein Prozent geringer erhöhen dürfte als vorausgesagt. Die realen Produktionsrückgänge in der Krisenregion werden dagegen mit ein bis drei Prozent relativ gering ausfallen. Das amerikanische und europäische Kapital profitiert unterdessen massiv von der Krise, und das nicht nur als Kreditgeber. Durch die abgesackten Währungen und Aktienkurse werden die Firmen in Südostasien immer billiger. Der koreanische Autoproduzent Daewoo mußte eine Kooperation mit General Motors eingehen und steht kurz vor der Übernahme. Büros, Grundstücke und Unternehmen kosten in Thailand, Indonesien und Malaysia nur noch die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Um ihre Verschuldung abzubauen, ihre Eigenkapitalbasis aufzustocken und ihre Kreditwürdigkeit wiederherzustellen, müssen die asiatischen Unternehmen derzeit Anlagevermögen und Unternehmensteile weit unter ihrem Wert verscherbeln. Betroffen sind auch die Produzenten von Luxusgütern aus Europa. BMW mußte seit Jahresbeginn Verkaufseinbußen von 50 bis 70 Prozent in Thailand, Indonesien und Malaysia hinnehmen. 

Seitenwechsel 

Der bekannte Gentechnik-Kritiker und Biochemiker Jens Katzek arbeitet zukünftig für das Saatzuchtunternehmen KWS (Kleinwanzlebener Saatzucht AG) in Einbeck/Niedersachsen. Katzek war über ein Jahrzehnt beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) beschäftigt und als Berater in der EU-Kommission tätig. Zuletzt war er beim BUND Leiter des Fachreferats internationale Umweltpolitik und Gentechnik. Bei KWS wird Katzek nun Leiter der Abteilung Unternehmenskommunikation. Die Firma gehören zu den führenden Unternehmen von genmanipuliertem Saatgut, über ihr Tochterunternehmen PLANTA ist die KWS direkt mit dem Chemiemulti Hoechst verbunden. Mit dem Job wechselte Katzek auch seine Meinung. Im Gegensatz zum BUND gebe es bei KWS einen "anderen Toleranzspiegel" beim differenzierten Umgang mit der Gentechnik. Für die Welternährung und Gesundheitspolitik biete die Gentechnik nach Ansicht des bekehrte Wissenschaftler mehr Chancen als Risiken. Umwelt- und Verbraucherverbände würden in ihrem "Schwarzweiß-Bild" Risiken der Gentechnik überbewerten und positive Entwicklungen unterschlagen. 

DGB will für mehr Arbeit streiten 

Mit "parteipolitischer Zurückhaltung" will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aktiv in den Bundestagswahlkampf eingreifen und mit einem Acht-Millionen-Mark-Budget für eine "andere Politik" werben. Ab Mitte April soll die Kampagne "Wir streiten für Arbeit und soziale Gerechtigkeit" gestartet werden. DGB-Chef Dieter Schulte betonte, daß die politischen Koordinierungsaufgaben des Dachverbandes für die Mitgliedsgewerkschaften immer wichtiger würden. Auch IG Metall-Chef Klaus Zwickel verkündete, daß seine Gewerkschaft sich mit einer sieben Millionen Mark teuren Kampagne ebenfalls "in die Politik einmischen" werde, ohne dabei eine Wahlempfehlung auszusprechen. Ein Schritt weiter ist da die niedersächsische IG Metall: Sie hat Ministerpräsident Gerhard Schröder auf drei Veranstaltungen in Folge eingeladen. 

Ausnahmsweise keine Meldepflicht 

Wer arbeitslos ist, lahme Füße hat und kurz vor dem Rentenalter steht, hat künftig eine Sorge weniger. Sechs Wochen nach Einführung der verschärften Meldepflicht für Arbeitslose hat die Bundesregierung die Regelung wieder etwas entschärft: Kranke, Behinderte und Arbeitslose über 55 Jahre müssen sich ab sofort nicht mehr alle drei Monate persönlich beim Arbeitsamt erscheinen, um ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld oder -hilfe zu bewahren. Von der Ausnahmeregelung sind etwa eine Million ältere Arbeitslose, 200 000 Behinderte und 100 000 Kranke betroffen. 

  •  Die Nachrichten wurden von Jochen Baumann,Susanne Fröhlich und Anton Landgraf zusammengestellt  
 
 
 

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