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Bapaks Kinder begehren auf 

Indonesien: Die Bevölkerung protestiert, die Armee übt schon mal die Aufstandsbekämpfung 

Wann immer in Indonesien sich Protest gegen den seit 1965 das Land beherrschenden Präsidenten Suharto regt, spricht dieser von "kommunistischer Subversion" - die er konsequent unterdrücken ließ; etwa eine halbe Million Menschen kamen bei der Repression in den sechziger Jahren ums Leben. Und angesichts der aktuellen politischen und ökonomischen Krise des Landes scheint es wieder soweit zu sein: Verstärkt kommt es in Indonesien zu Plünderungen oder Auseinandersetzungen mit der Armee. Und die bereitet sich auf einen Aufstand und dessen Niederschlagung vor. In der vergangenen Woche setzten Soldaten bereits Schußwaffen ein - zu Warnschüssen, um die angeblichen Kommunisten auseinanderzutreiben. 

Proteste gegen Preiserhöhungen, die Regierung und Suharto sind mittlerweile an der Tagesordnung. Seit dem Kurssturz der Börse von Jakarta im vergangenen Jahr hat die Landeswährung Rupiah gegenüber dem US-Dollar etwa 80 Prozent an Wert verloren. Das macht sich vor allem durch die drastische Verteuerung von Konsumgütern bemerkbar. Die Regierung behauptet zwar, seit Jahresbeginn seien die Preise "nur" um sechs Prozent gestiegen, unabhängige Beobachter sprechen aber von einer zehnmal höheren Rate. Aus Angst davor, die Lebensmittel am nächsten Tag nicht mehr bezahlen zu können, kommt es zu Hamsterkäufen. Oder zur Stürmung von Märkten und Geschäften. 

Solche Aktionen konzentrieren sich vor allem auf Java - die dichtest besiedelte der mehr als 13 000 indonesischen Inseln, von denen nicht mal jede vierzehnte bewohnt ist. Daß Anfang Februar auch auf der weiter östlich gelegenen Insel Sulawesi mehrere tausend Menschen zu Protesten auf die Straße gingen und Geschäfte mit Steinen bewarfen, zeigt jedoch, daß Suharto vor einem ernsten Problem steht. Wenige Tage später zogen in Jakarta, der auf Java gelegenen Hauptstadt, starke Armeekräfte auf. Schwarzgekleidete Soldaten der Eliteeinheit Kopassus seilten sich vor allem in der Innenstadt aus Hubschraubern ab. 

Laut Oberstleutnant Nachrowi, dem Sprecher des örtlichen Militärkommandos, eine "Routineübung" zur Aufstandsbekämpfung. Zuvor hieß es, die Soldaten sollten einen "unkontrollierten Migrationsstrom" in die Metropole, die bisher weitgehend von den Protestaktionen ausgenommen blieb, verhindern. 

Die Bevölkerung hofft offenbar, in der Hauptstadt noch die beste Versorgungslage vorzufinden oder sich dort im informellen Sektor mit irgendwelchen Jobs über Wasser halten zu können. Denn zu den verteuerten Importgütern wie beispielsweise Reis, Sojabohnen und Weizen kommt eine Dürre, die die Erträge der indonesischen Landwirtschaft reduziert und die Lage noch verschärft. Knapp sind auch Kautschuk und Palmöl. Beide Güter werden lieber exportiert, weil es dafür auf dem Weltmarkt US-Dollar gibt. Wie der nördliche Nachbar Malaysia hat auch die indonesische Regierung ein Ausfuhrverbot verhängt. Nur wer mindestens 80 Prozent des produzierten Kautschuks bzw. Palmöls dem Binnenmarkt zur Verfügung stellt, darf ins Ausland verkaufen. 

Die Lage für General Suharto ist weniger rosig. Denn neben den internen Protesten setzt der Internationale Währungsfonds (IWF) den Staatschef unter Druck. Würde er die im Oktober 1997 und Mitte Januar 1998 unterzeichneten Abkommen nicht einhalten, gäbe es seitens des IWF auch keine Kredite - und Indonesien, mit mehr als 120 Milliarden Mark bei ausländischen Banken verschuldet, wäre bankrott. Die Programme, für deren Umsetzung IWF-Chef Michel Camdessus Suharto "persönlich verantwortlich" macht, sehen unter anderem eine drastische Kürzung des Staatshaushalts sowie die Einstellung von Subventionszahlungen vor. 

Daneben sollen auch Wirtschaftsmonopole fallen und der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden. Für den 76jährigen "Bapak", das "Väterchen", ein herber Schlag, denn die meisten Firmen mit Monopolstellung, die bisher hohe staatliche Zuschüsse kassierten, sind im Besitz seiner sechs Kinder: so der Handel mit Gewürznelken, Orangen, Papier, Zement und Tropenholz sowie der Straßenbau- und Tourismussektor. Seit dem 1. Februar 1998 allerdings sind einige Monopolstellungen gefallen, eine zweite Welle wird zum 1. Juni folgen. 

Die wirtschaftliche Entwicklung scheint somit absehbar: Für den Großteil der rund 200 Millionen Indonesier wird sich die soziale Situation in nächster Zukunft noch verschlechtern. Zugleich wird das an Bodenschätzen reiche Inselreich für Investoren attraktiv, gerade Deutschland hat in der Vergangenheit intensive politische und wirtschaftliche Kontakte mit Indonesien gepflegt. 

Unklar hingegen bleibt die weitere politische Entwicklung. Der australische Wissenschaftler Garry Rodan vom Asien-Forschungszentrum für sozialen, politischen und wirtschaftlichen Wandel glaubt, daß sich parallel zur ökonomischen Entwicklung eine "demokratische Zivilgesellschaft" in der gesamten Region herausbilden werde. 

Zwar würde versucht, unter Verweis auf "asiatische Werte" im Gegensatz zu "dem, was als 'westlicher Liberalismus' bezeichnet wird", eine solche Tendenz abzuwürgen, doch ein Bündnis von Arbeiterorganisationen und der entstehenden Studentenbewegung berge prinzipiell das Potential für eine Demokratisierung, schreibt Rodan im Journal of Contemporary Asia. Dabei zeigen die autoritären Tiger-Regimes in Ostasien, daß kapitalistische Entwicklung nicht zwingend Demokratisierung mit sich bringen muß. 

In Indonesien dürfte jedenfalls entscheidend sein, ob sich Suharto weiterhin an der Macht halten kann. Die Oppositionspolitikerin Megawati Sukarnoputri, von der Regierung als "kommunistische Verschwörerin" bezeichnet, stellt sich hinter die Proteste und behauptet schon länger, auch das Militär teilweise hinter sich zu haben. Suharto ist mehrmals mit der Militärführung aneinandergeraten. 1996 und 1988 setzte er jeweils die Oberbefehlshaber des Heeres ab, und auch in der Regierungspartei Golkar hat er das Gewicht der Militärs geschwächt. Gleichzeitig amtiert mit General Try Sutrisno ein Armeevertreter als Suhartos Stellvertreter. Sutrisno gilt zwar als "profillos", wenn der 76jährige Präsident allerdings stirbt, wäre er automatisch dessen Nachfolger. 

Im Zeichen der aktuellen ökonomischen Krise stellt sich die Armee bisher aber demonstrativ hinter Suharto, dessen Wiederwahl durch den Volkskongreß, ein 1 000köpfiges Wahlgremium, für den 10. März 1998 vorgesehen ist. Sollte sich bis zu diesem Datum auch nur ansatzweise ein Aufstand andeuten, dürfte seine siebte Amtszeit so anfangen wie die erste: mit einem Blutbad.

  •  Dirk Hempel

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