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Gedenkstein auf Zeit 

Über 1 000 Punks und Antifas demonstrierten in Magdeburg zum Gedenken an den vor einem Jahr ermordeten Punk Frank Böttcher 

Für die Magdeburger AntifaschistInnen sind der Mord an Frank Böttcher und der Überfall auf die Wohnung seines Bruders keineswegs Höhepunkte neonazistischer Gewalt, sondern "stehen in einer langen Kontinuität rassistischer und faschistischer Angriffe und gehören in der Stadt zum Alltag".Zur Erinnerung an den ersten Todestag von Frank Böttcher, einem 17jähriger Punk, der am 8. Februar vergangenen Jahres von einem gleichaltrigen Nazi-Skinhead im Magdeburger Stadtteil Neu-Olvenstedt mit sieben Messerstichen ermordet worden war, gingen am letzten Sonntag in der Domstadt rund tausend Menschen auf die Straße. Worüber PassantInnen allerdings geteilter Meinung waren: Während vor allem ältere BürgerInnen ihre Unterstützung zum Ausdruck brachten, hatten andere klare Vorstellungen: "Die Punks sollte man alle erschießen." 

Der Demonstrationszug war kaum in Gang gekommen, da wurden die rund 1 000 TeilnehmerInnen, meist Jugendliche aus der Punk-Szene, von 50 Neonazis angegriffen. Die Neonazis hatten sich unter den Augen der BeamtInnen des Sondereinsatzkommandos vermummt und damit begonnen, Steine zu sammeln. Die Polizei griff schließlich ein, 48 Neonazis seien in Unterbindungsgewahrsam genommen worden, erklärt ein örtlicher Polizeisprecher später. 

Während aus der Demonstration heraus erste Steine flogen, legten Peter Böttcher - vor einigen Wochen hatten Rechtsradikale seine Wohnung angegriffen und dabei den 23jährigen Gordon G. schwer verletzt - und seine Familie und Freunde am Grab von Frank Böttcher auf dem Westfriedhof Blumen nieder, beobachtet von zivilen PolizistInnen. 

Schon zwei Tage vor der Demonstration hatte die Bürgerinitiative Zivilcourage, die vor allem aus Magdeburger KünstlerInnen, Intellektuellen und BürgerrechtlerInnen besteht, an den Mord erinnert. Mit bescheidenem Erfolg: Nur rund 200 Menschen zeigten an den Lesungen und Theatervorführungen Interesse. 

Am Samstag hatten etwa 60 AntifaschistInnen an der Endhaltestelle Neu-Olvenstedt, wo Frank Böttcher ermordet wurde, einen Gedenkstein aufgestellt: "Nichts und niemand wird vergessen." Ob der jedoch lange dort bleiben wird, ist unwahrscheinlich: Schon während der Aufstellung provozierten rechtsgerichtete Jugendliche aus dem Stadtteil die AntifaschistInnen. Wenige Stunden später versuchten Neonazis bereits, den Stein wieder zu entfernen, das große Polizeiaufgebot an diesem Wochenende verhinderte dies jedoch vorerst. 

Am Sonntag schien zunächst alles ruhig zu bleiben. Obwohl die Scheiben einiger Banken sowie einer Tankstelle zerstört wurden, setzte die Polizei lange Zeit auf Deeskalation. Erst nach einer Zwischenkundgebung vor dem Westfriedhof eskalierte die Situation jedoch. Während die meisten DemonstrantInnen wieder Richtung Innenstadt zurückgingen, wollte eine Gruppe von rund 300 Antifas und Punks in Neu-Olvenstedt bleiben. Mehrere hundert PolizeibeamtInnen hinderten sie jedoch daran, insgesamt wurden über 150 DemonstrantInnen festgenommen. 

Die OrganisatorInnen bewerteten ihre Demonstration trotzdem als Erfolg. Selbst die Polizei erklärt, sie sei mit dem Verlauf "weitgehend zufrieden", die GewalttäterInnen seien nicht aus Magdeburg gekommen. 

Unterdessen organisieren Neonazis in der Region weitere Aktionen. So verteilten Mitglieder der rechtsextremen DVU während der Proteste von Arbeitslosen am letzten Donnerstag Propaganda-Flugblätter. Zudem mobilisieren Neonazis und rechte Skinheads auf einen Parteitag der Republikaner, der DSU sowie der rechtsextremn Demokratischen Erneuerung: Am kommenden Sonntag, den 15. Februar, wollen DSU und Republikaner in der Stadthalle im nahe Magdeburg gelegenen Zerbst die gemeinsame Landesliste für die sachsen-anhaltinischen Landtagswahlen aufstellen. AntifaschistInnen rufen bereits zu Gegenaktionen auf.

  •  Korinna Klaasen, Magdeburg
 

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