Lechz! Guido!
Guido Westerwelle. Stalker sind Typen, die es geil finden, ein absolutes Idol zu haben, dem sie dann hinterherreisen, aufs Klo folgen oder in dessen Müll sie nach Trophäen forschen. Ihr als gottgleich Angebeteter könnte die Hähnchenknochen ja persönlich abgenagt haben.
Normalerweise sind die Opfer des Stalker-Phänomens richtige Stars wie Madonna, Björk oder Steffi Graf, gerade im Unnahbaren liegt wohl der Reiz, das regt die Phantasie an. Meist werden Frauen verfolgt, weil vor allem Männer zum Stalkertum neigen. Da erstaunt es nun um so mehr, dass es jetzt anscheinend Guido Westerwelle erwischt hat, dass ausgerechnet er das Begehren eines Stalkers auslöste.
Nach Angaben der Bild-Zeitung soll Westerwelle vor Gericht einen Beschluss erwirkt haben, dass eine 33jährige Frau, die sich in ihn verguckt hat, ihm nicht mehr näher als 100 Meter kommen darf. Die liebeshungrige Juristin arbeitete in den Jahren von 1999 bis 2001 in der FDP-Zentrale. Den Job habe sie aber nur angenommen, um dem Objekt ihrer Begierde so nah wie möglich zu sein. Außerdem bekam Westerwelle dauernd E-Mails und Geschenke von ihr, bis ihr dann irgendwann Hausverbot erteilt wurde.
Anscheinend wurde nun also auch das Stalkerwesen von der Krise erfasst. Anstatt sich um anständige Stars zu bemühen, kümmern sie sich um Westerwelle.
Klein, aber wichtig
Artenschutz. Die Kleinen werden die Großen sein, das sind doch mal gute Aussichten fürs nächste Jahr. Denn das Insekt des Jahres wird im Jahr 2003 weder das riesige Wiener Nachtpfauenauge noch die in Massen vorkommende Miniermotte sein, sondern die Feldgrille. Denn der Feldgrille, die Sandmagerrasen und Heideflächen liebt, fehlen die Lebensräume. Aussterben lassen möchte man sie aber nicht. Die Feldgrille ist zwei Zentimeter groß, schwarzbraun und liebt Wärme.
War nicht so gemeint
Versöhnung. Eminem, der Skandalrapper und neuerdings auch Filmstar, will es nach Angaben der News Of The World nochmals mit seiner Exfrau Kim Mathers versuchen. Nachdem er sich vor kurzem erst wieder mit der Mutter seiner Tochter Hailie versöhnte, planen die beiden nun angeblich ihre zweite Hochzeit. Das ist vor allem insofern spektakulär, da Eminem nicht nur in Interviews gehörig über Mathers herzog. Auch in seinen Stücken ging er nicht gerade zimperlich mit ihr um. Unter anderem geht es in einem seiner Tracks darum, wie sein rappendes Alter Ego mit seiner eben um die Ecke gebrachten Exfrau im Kofferraum durch die Gegend düst.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass Eminem sich öffentlich und zu Tränen gerührt bei seiner Mutter, »der alten Schlampe«, entschuldigt, und vorbei ist es mit dem mühsam aufgebauten Image des bad boy.
Pop und Politik
Gilberto Gil. Wie heißt die Kulturministerin Deutschlands? Na, hätten Sie es gewusst? Nachdem das Kulturministerium beim Vorgänger von Christina Weiss noch ein wenig Glamour hatte, scheint nun in Zeiten der Rezession und Opernschließungen der Lack ab zu sein. Unattraktiver als das Kulturministerium dürfte nur noch das Wirtschaftsministerium sein. Andererseits, was wäre gewesen, wenn Herbert Grönemeyer der neue deutsche Kulturminister geworden wäre? Hätte er als Mann des Volkes, als Popstar, nicht das Amt des Kulturministers retten können? Das hätte zumindest mehr Spannung versprochen, als immer nur Verlegern oder Philosophen diesen Job zu geben.
Doch, nein, irgendwie kann man sich das, was in Brasilien nun passiert ist, in Deutschland einfach nicht vorstellen. Dafür fehlt einfach der Mut zum Glamour und zu unkonventionellen Entscheidungen, und dafür ist die Lobby der Ärmelschonerträger viel zu mächtig.
In Brasilien dagegen haben sie sich nun etwas getraut, und es wurde niemand anders als Gilberto Gil zum Kulturminister ernannt. Also nicht nur ein Popstar, der im eigenen Land eine große Nummer ist, dessen Namen man im Ausland aber trotzdem buchstabieren muss. Sondern ein Weltstar, eine Legende, und einer mit politischen Absichten außerdem. Gilberto Gil hofft, so hat er es bereits verkündet, dass nun »der Tropicalismo im Kulturministerium ankommt.« Damit ist die hauptsächlich von ihm und seinem berühmten Freund Caetano Veloso gegründete Tropicalia-Bewegung gemeint, die in den Sechzigern entstand und die schon früh eine Art musikalische Globalisierung zum Ziel hatte. Das Ziel ist also vor allem, dass es demnächst im Kulturministrium anständig groovt.
In den Sechzigern galten Gil und Veloso noch als Dissidenten. Ende 1968 wurden sie von der Militärregierung verhaftet und mussten ins Exil. Zurück in Brasilien und nach dem Ende der Diktatur im Jahr 1985 ging Gilberto Gil in die Politik. Er wurde Stadtrat in Salvador, gründete die Umweltschutzstiftung Onda Azul und vertrat die Grünen im Parlament.