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Nr. 52/2002 - 18. Dezember 2002
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Kunst? Bullshit!

Turner Prize. Wie in jedem Jahr gibt es auch diesmal wieder eine Debatte um die Verleihung des Turner Prize in London. Kunstinteressierte in aller Welt reden sich die Köpfe darüber heiß, ob der jeweils aktuelle Preisträger die Auszeichnung verdient habe oder nicht. Das Lustige daran ist, dass hier noch ein echter Kulturkampf ausgefochten wird, obwohl Kunst ansonsten kaum mehr irgendwo anzuecken scheint.

Im letzten Jahr war es der Turner-Prize-Gewinner Martin Creed, der sich von selbst ernannten Kunstkennern der Stammtischfraktion sagen lassen musste, dass seine Installation - ein Raum, in dem nichts anderes passierte, als dass ein Licht an- und aus ging - ja wohl alles Mögliche sei, aber bestimmt keine Kunst. Auch der diesjährige Gewinner Keith Tyson durfte sich vom britischen Kulturminister bescheinigen lassen, dass seine Arbeit »Thinker« - ein schwarzer Turm, aus dem ein Brummen dringt - »kalter, mechanischer, konzeptueller Bullshit« sei.



Joschka-TV

Sportler-Soap. Die History-Soap »Schwarzwaldhaus 1902«, in der eine Familie von heute so tun muss, als wäre sie von einer Zeitmaschine um 100 Jahre zurückversetzt worden, lief so erfolgreich im deutschen Fernsehen, dass das Entwicklerteam der Serie damit beauftragt wurde, sich noch was anderes zu überlegen. Das haben sie getan und haben es »Von 0 auf 42« genannt.

In dieser Doku soll gezeigt werden, wie ein paar untrainierte Läufer für den New York-Marathon im Jahr 2003 fit gemacht werden. Wie sie sich abmühen, morgens um 6 Uhr aufstehen, um joggen zu gehen, und vorher ein paar rohe Eier frühstücken, das kann man dann gemütlich vom Sessel aus beobachten.



Kurz gelifpelt

Popbusiness. Liam Gallagher, der Sänger von Oasis und Bruder von Noel Gallagher, hat neue, 31 640 Euro teure Schneidezähne. Die alten waren ihm vor kurzem bei einer Schlägerei in München herausgehauen worden. Liam Gallagher war anschließend nicht nur seine Zähne, sondern auch seine Freiheit los und wurde erstmal verhaftet. Nach der Hinterlegung einer angemessenen Kaution durfte er sich jedoch direkt zum Zahnarzt begeben. Eines kann man Gallagher jedenfalls nicht vorwerfen: dass er nicht einiges dafür tun würde, die Karriere seiner Band durch anständige Skandale zu beflügeln.



Hamburger zu gesund

McDonald's. Wie die Zeit berichtet, geht es nicht nur den Kunden der Fastfood-Kette, sondern auch McDonald's selbst nicht so gut. Die Zahlen könnten durchaus besser sein, und deswegen musste nun sogar McDonald's-Chef Jack Greenberg zurücktreten. Für das Problem des Unternehmens hat Robert Passikoff von der Marktforschungsagentur Brand Keys freilich eine reichlich seltsame These, und zwar die: »McDonald's hat versucht, zu gesundes Essen zu verkaufen.«

Greenberg habe, so der Marktforscher, versucht, in McDonald's-Filialen extra frische oder gar fettarme Burger anzubieten, außerdem sollen in manchen Restaurants sogar vereinzelt Salatblätter gesichtet worden sein. »Gesundes Essen bei McDonald's? Das wird doch niemals glaubhaft«, sagt Passikoff weiter. »Sie gehen zu McDonald's, wenn Sie etwas Fettiges, Salziges wollen - schnell und billig.«



Abgeschrieben

FAZ. Ausgerechnet bei der Rezension von Jörg Friedrichs Buch »Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940 bis 1945«, in dem der Autor die Bombardierung Dresdens mit Hiroshima und Nagasaki vergleicht und auch sonst allerlei angebliche Tabus brechen möchte, war es mit der Seriosität der FAZ nicht so weit her. So druckte sie nach Angaben der Süddeutschen Zeitung eine Rezension von Horst Boog, dem ehemaligen wissenschaftlichen Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamts, ab, die bereits Tage vorher, nur unwesentlich anders, in der rechtsextremen Jungen Freiheit zu lesen gewesen sein soll. Unfall oder Absicht?



Realität des Splatter

Horror. Im Film »Cannibal Holocaust«, der das Vorbild für »Blair Witch Project« war, macht sich eine Gruppe halbseidener Forscher in den finstersten Urwald auf, um dem Geheimnis eines Kannibalen-stamms nachzugehen. Sie kehren nie in die so genannte Zivilisation zurück, und das einzige, was von ihnen außer abgenagten Knochen zurückbleibt, ist ein Videotape, auf dem zu sehen ist, wie sie zu Tode kamen. Der Snuff-Film, also ein Film, auf dem die tatsächliche Tötung eines Menschen zu sehen ist, soll dagegen ein Mythos sein, davon geht zumindest das Standardwerk zum Thema »Killing for culture« von David Kerekes & David Slater aus. Vielleicht müssen sie ihr Buch nun nochmals überarbeiten. Denn ein gewisser Armin M. aus Rotenburg an der Fulda soll, wie es die Bild-Zeitung in Sensationsreportagen bereits ausgiebig dargelegt hat, einen 41jährigen Berliner nicht nur getötet und gegessen haben, sondern die Taten zugleich auf Video aufgenommen haben.

Das Grauenerregende an dieser Tat ist auch, dass sie anscheinend mit der vorherigen Einwilligung des Opfers geschehen ist, das sich auf eine Kontaktanzeige im Internet gemeldet haben soll.



Zurück das Ganze

Fusionsstopp. Die Holtzbrinck-Verlagsgruppe darf vorerst doch nicht die Berliner Zeitung übernehmen. So entschied es das Bundeskartellamt, das eine marktbeherrschende Stellung des Verlags, dem bereits der Tagesspiegel gehört, in Berlin befürchtet. Holtzbrinck will sich durch diese Entscheidung jedoch nicht einschüchtern lassen und sämtliche Instanzen durchlaufen, um doch noch marktbeherrschend zu werden.



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