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Nr. 52/2002 - 18. Dezember 2002
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Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Zuschriften bitte an: briefe@jungle-world.com oder per Post an die Redaktion.


Jungle World allgemein

Suche nach Ordnung

Nun ist es soweit. So genannte linke deutsche Zeitungen suchen nach Ordnung. Die Ordnung findet sich in der herrschenden Meinung, insbesondere der US-Administration, die, in einer totalitären Sprache, die neue Ordnung als Doktrin verordnet. Als ob die Geschichte nie existiert hat und als ob die Entwicklung der so genannten westlichen Zivilisation eine war, die gefälligst als Beispiel für Menschen aus anderen kulturellen Bereichen zu gelten hat. Arroganter kann man eigentlich kein Herrenmenschengefühl raushängen lassen. Von der Hexenjagd bis zur Judenvernichtung, dem Abwurf der Atombombe, dem Einsatz von Agent Orange in Vietnam, dem Einsatz von Urangeschossen im Irak. Ach, ich vergaß, alles die Schuld von Ussama bin Laden, den Palästinensern, Nordkoreanern, Beduinen und den ganzen Schurken im Irak. Schurkenstaat? Ein solchen Sprachgebrauch hat es seit den Nationalsozialisten nicht mehr gegeben.

mustafa darwish



Jungle World, 49/02: »Untotes ist nicht sexy«

Ungeeignete Thematiken

Die Inhalte kommen nach Maßgabe ihrer Aufbereitung zum Anekdotischen vor, rangieren also auf gleicher Ebene, auf der die Autorin eine Beziehung zwischen der von Heinrich bevorzugten Anzugfarbe und der Einbandfarbe seiner Bücher für mitteilenswert hält. Konsequenterweise weiß der Artikel dann auch von Heinrich-Schüler Thiessen nur das für Partygequassel Aufmerksamkeit heischende, weil ulkige Faktum seiner Dissertation über Rock'n'Roll zu berichten. Ärgerlicherweise fehlt damit jene Aufmerksamkeit für die im Heinrichschen Umfeld, weniger für den Meister selbst, nicht untypische Manier, geistreich, pointensüchtig und formulierungsverliebt auch Thematiken zu traktieren, die sich dafür gewiss nicht eignen. So geht Thiessen und seinem Herausgeber (Argument-Redakteur Tilman Reitz) folgende Ungeheuerlichkeit locker durch: »Und als ob ein Volk im Nachhinein sich einreden wollte, die Konzentrationslager seien Erholungslager gewesen, büßt es, indem es seine Ferien im Lager verbringt. Kaum anders lässt sich die Mode des Camping in den fünfziger und sechziger Jahren erklären.« (Thiessen in: »Das Paradies ist anderswo - und die Hölle sowieso«)

frank mlinewski



Jungle World, 48/02: »Viele Präzedenzfälle«

Organhandel

Ich möchte darauf hinweisen, dass ca. 148 Kliniken (Stand 1994) verstorbenen Patienten die Gehirnhaut entnommen haben und der Firma B.Braun AG in Melsungen für einen Preis von 30 Mark zuführten. Einem verurteilten Sektionsgehilfen in Berlin wurden von der Firma in einem Zeitraum von drei Jahren ca. 58 000 Mark gezahlt. Die Braun AG hat das daraus entstandene Produkt Lyrodura zur Abdeckung von Brandwunden auch nach Japan veräußert. Dort sind bisher 70 Menschen an infizierter Lyrodura verstorben. Die Bauer AG hat inzwischen einen Prozess verloren und muss den Hinterbliebenen mehrere Millionen Euro Entschädigung zahlen.

detlef töpsch



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