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Nr. 51/2002 - 11. Dezember 2002
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Mal Waldron ist tot

Jazz. Nicht selten war es der Mitte der sechziger Jahre aufkommende Free Jazz, der Hard-Bop-Jazzer zwang, sich selbst in den Arsch zu treten und sich mit den neuen Formen der Improvisation auseinander zu setzen. Bei Mal Waldron war es ein bisschen anders. Der Pianist hatte sich als Sideman von Billie Holiday, Max Roach und Eric Dolphy bereits einen Namen gemacht, als er im Jahr 1963 wegen einer Überdosis einen Nervenzusammenbruch erlitt und daraufhin mit Elektroschocks behandelt wurde. Er überlebte, konnte aber nicht länger am Piano sitzen.

Mühsam brachte er sich das Spielen wieder bei, und was er seit 1969 an neuen Stücken veröffentlichte - der New Yorker war mittlerweile nach München übergesiedelt - war einzigartig. Er spielte einen dezidiert unmelodiösen, dunkel grollenden, sich auf rhythmische Patterns beschränkenden Jazz, der aufwühlte wie schwarzer Kaffee. Seine Platten widmete er damals den Black Panthers, und 1998 konnte er sein erstes Album auf einem Majorlabel veröffentlichen.

Am 2. Dezember starb Mal Waldron in Brüssel. Er wurde 77 Jahre alt.



Sail Away

Hans Hartz ist tot. Freiheit, Abenteuer, Natur und ein gutes Bier. Wer abends nach Hause kommt und von den ersten drei Dingen mal wieder nichts mitbekommen hat, kann sich wenigstens ein Bier aus dem Kühlschrank holen und von dem Rest träumen. So funktioniert zumindest die berühmte Werbung von Beck's mit dem Segelschiff auf hoher See. Und wer kennt ihn nicht, den Song dazu, »Sail Away«, wo einer mit windgegerbter Stimme singt: »Sail away, you can fly« usw.?

Das Traurige an der Sache ist, dass der Song eigentlich von Hans Hartz stammt, der in den Achtzigern mit »Die weißen Tauben sind müde« einen veritablen Hit hatte, dem ansonsten aber nicht mehr so viel gelang. Außer eben diesem Song für Beck's. Dieser Hans Hartz, der Mann mit der Reibeisenstimme, musste seinen Job als Beck'sbiersongsänger dann aber an Joe Cocker abgeben, weil der eben noch rauer und männlicher singen kann. Eine wahre Tragödie das Ganze, so etwas nennt man: Ausgebeutet durch die Werbeindustrie.

Nun ist Hans Hartz im Alter von nur 59 Jahren gestorben. Wir erheben unsere Flaschen Beck's, legen eine Platte von den Beck's Pistols auf und singen leise: »Sail Away«.



Mach's noch einmal, Dieter!

Bestseller. Immer noch ist Dieter Bohlens junger Klassiker »Nichts als die Wahrheit« an der Spitze der Bestsellercharts des Spiegel. Aber schon wird weiter geplant. Es soll ein Sequel zum beliebtesten Buch der Deutschen seit langem geben. Die Klatschjournalistin Katja Keßler, die bereits »Nichts als die Wahrheit« mitgeprägt hat, soll auch dieses Mal wieder dabei sein. Der Arbeitstitel des anstehenden Meisterwerks lautet: »Hinter den Kulissen«. Ein guter Titel, lässt er doch jetzt schon erahnen, dass auch weiterhin viel schmutzige Wäsche von Dieter Bohlen gewaschen wird und es vor allem wieder um Schmuddeleien gehen wird. Was hinter den Kulissen alles vorgefallen sein wird: Sex mit Ludern aller Art vor dem Auftritt und Sex mit Ludern aller Art nach dem Auftritt.



Der Sensible

Erweckungserlebnis. DJ Ötzi, der mit bürgerlichem Namen Gerry Friedle heißt und der sich aus völlig unerfindlichen Gründen DJ nennt, obwohl er bislang nur als Interpret des international erfolgreichen Idiotenlieblingssongs »Anton aus Tirol« auffiel, hat angedroht, ab sofort Balladen zu singen. Der seriösen Musikzeitschrift Gala berichtete er, dass er seit der Geburt seiner Tochter Lisa-Marie von der Idee besessen ist, nun auch seine sanfte Seite in der Öffentlichkeit zeigen zu können. Damit alle mitkriegen, welch weiches Herz in dem krachledernen Mann steckt, der bislang bloß für die Gaudi beim Aprés-Ski zuständig war. Eine Platte mit Weihnachtsliedern von DJ Ötzi gibt es dann ja vielleicht im nächsten Jahr.



Letzte Fragen

Pur. An dieser Stelle wollen wir Ihnen unseren unschlagbaren Leserservice bieten und Ihnen gleichzeitig das Gefühl geben, 28 Euro gespart zu haben. Denn so viel kostet der Schmöker »Pur«, den der Verlag Edition Artco anpreist und dessen Anschaffung man sich nach dem Überfliegen dieser Meldung sparen kann. Der Verlag bewirbt sein Werk folgendermaßen: »Ein Photoband von bestechender Ästhetik rund um das Thema Pur.« Und weiter: »Was ist Pur? Was ist nicht Pur? Warum ist etwas Pur?« Außerdem ist in der Anzeige zu lesen, dass sich mit diesen entscheidenden Fragen, »internationale Schriftsteller und Philosophen« auseinander setzen.

Nun gut, was sie zum Thema Pur zu sagen haben, ist vielleicht nicht uninteressant, doch wir können die gestellten Fragen genauso philosophisch wertvoll in Kürze beantworten. Also: Was ist Pur?

Eine schlimme Band aus dem Bundesland der Kehrwocheneinhalter. Außerdem die zweitliebste Band des Bundeskanzlers Gerhard Schröder (seine Favoritengruppe sind die Scorpions). Was ist nicht Pur? Alle Musiker mit einem Schuss Restehrgefühl. Warum ist etwas Pur? Das ist allerdings eine schwer zu beantwortende Frage. Vielleicht sollte man also doch einen Blick in das Buch werfen.



Jemand, den man hassen muss

Kanon. Dieter Schwanitz, der Bestsellerautor (»Der Campus«) und berüchtigte »Bildungs«-Professor, hat ein neues Werk herausgegeben, das wieder ganz der Autoritätsgeilheit der Deutschen entgegenkommen dürfte. Nachdem Schwanitz bereits ziemlich erfolgreich einen völlig nutzlosen Literaturkanon unter die Leute brachte, soll es jetzt um musikalische Pflichtware gehen. Nach »Alles, was man lesen muss« kommt jetzt »Alles, was man hören muss«. Dass Burzum und die Happy Flowers hier nicht vertreten sein werden, versteht sich von selbst.



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