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Nr. 51/2002 - 11. Dezember 2002
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Alles wird schlechter, weil ...

... in der EU die Zigarettenwerbung verboten wird. Eigentlich könnte ich auf die Zigarettenwerbung wie aufs Rauchen selbst verzichten; Spaß macht das Qualmen nicht mehr, seit man dabei angesehen wird wie ein Ölschiffreeder. Aber ein solches Verbot will uns auch etwas sagen, und es wird wohl mal wieder etwas Ekliges sein.

Nicht nur der Tabak, sondern auch die Verbindung des Rauchens und der Identitätsbildung kam aus der neuen Welt. Ein paar Generationen lang war es eine schöne theatralische Kunst, die nach außen wie nach innen wirkte. Mitteleuropa steuerte einen zweiten Aspekt bei; das Rauchen begleitete das intellektuelle Gespräch, die widerständige Kontemplation. Die meisten Biografien wären noch langweiliger, wenn man die Geschichten ums Rauchen rausschmeißen würde.

Nun will sich die Gesellschaft das Rauchen abgewöhnen, die ersten Maßnahmen kamen wieder aus der neuen Welt. Europa steuert diesem manischen Versuch der Selbstentwöhnung das Lebensmodell eines neuen Kleinbürgertums bei, das vor lauter Selbstsorge kaum noch denken kann und gleichzeitig seine Lust auf Macht, andere sagen dazu »Gestaltung«, moralisch aufbläht.

Das Werbeverbot ist also eine Maßnahme, um die IIlusion einer Fürsorge des Staates für seine Bürger zu vermitteln, und es ist ein Geschenk an das neue Kleinbürgertum, in dem die Selbstsorge und das »Gestalten« zusammen kommen. So selbstverständlich, wie Kriege im Namen der Menschlichkeit erscheinen, so konsequent muss es Zensur im Namen der Gesundheitsvorsorge befürworten. Den Mythos eines durch Tabak beförderten intellektuellen Gesprächs braucht man hier sowieso nicht mehr.

georg seesslen



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