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Nr. 50/2002 - 04. Dezember 2002
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Frankfurter Fatwa

In den achtziger Jahren war Jürgen Todenhöfer Bundestagsabgeordneter und Emissär der afghanischen Mujaheddin. In den Neunzigern wechselte er zum Burda-Verlag und brachte es zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Dazwischen veröffentlichte er seine Memoiren, die im Schicksalsjahr 1989 unter dem schönen Titel »Ich denke deutsch« erschienen.

Wenn es um seine alten Kameraden geht, greift Todenhöfer noch heute ins politische Geschehen ein. So kritisierte er den Krieg gegen die Taliban als »Katastrophe«. Kürzlich wandte er sich in einem Brief an Mohammed Tantawi, den Scheich der al-Azhar Universität von Kairo, und bat ihn, etwas für das ramponierte Ansehen des Islam zu tun, der im Westen inzwischen als »grausamer, alles Zivilisatorische verzehrender Feuerball« wahrgenommen werde. »Sie sollten«, schrieb Todenhöfer, »klarstellen, dass religiös begründeter Terror kein heiliger Krieg, sondern eine Beleidigung des Namens Gottes ist.«

Das Wort des Ehrenmujaheddin hat auch an der al-Azhar Gewicht, die als bedeutendste Fatwafabrik der Sunniten gilt. »Wir sind nicht damit einverstanden«, antwortete Tantawi, »dass sich jemand inmitten unschuldiger Frauen und Kinder in die Luft sprengt. Wer sich aber inmitten von Soldaten, die ihn töten wollen, oder inmitten einer Armee, die seine Heimat vergewaltigt, in die Luft sprengt, ist ein Märtyrer.«

Man müsse aber unterscheiden zwischen »vorgeschriebenem Jihad« und »aggressiver Gewalt, die das Land anderer besetzt«. Zu lesen war diese Erklärung, die scheinbar als Verurteilung des Terrors beginnt, um am Ende implizit Israel als wahren Terroristen zu brandmarken, in der letzten Woche in der Frankfurter Allgemeinen, als Aufmacher des Feuilletons, versehen mit der redaktionellen Unterzeile: »Zur Menschlichkeit des Islam«.

Der afghanische Mujaheddinführer Abu Sayyaf war ein Freund Todenhöfers. Würden die Mujaheddin von heute den Rat des Scheichs beherzigen und von Angriffen auf Zivilisten, insbesondere auf deutsche, absehen, sie dürften, wie die »Zeitung für Deutschland« signalisiert, hierzulande auf ähnliche Sympathien hoffen wie die Helden des afghanischen Befreiungskampfes.

deniz yücel



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