Die Burger-Diät
Missverständnis. Wenn man als Mikrowellenhersteller in den USA vergisst, in den Bedienungsanleitungen seiner Mikrowellen zu vermerken, dass man als Mikrowellenbenutzer in dem Gerät möglichst keine Hamster herumtollen lassen sollte, während man darin gleichzeitig seine Suppe aufwärmt, kann dies schnell zu Problemen führen. Der ehemalige Hamsterbesitzer könnte sich nämlich einen Anwalt besorgen, 10 Millionen Dollar Schadensersatz für seinen zart gegarten Hamster fordern - wegen fehlenden Informationen in der Mikrowellenanleitung - und auch noch Recht bekommen.
In eine Reihe ähnlicher bizarrer Rechtsfälle könnte sich nun der stellen, an dem ein Anwalt in Manhattan und McDonald's beteiligt sind. Acht New Yorker Teenager unter Leitung ihrer Eltern wollen damit durchkommen, vor Gericht glaubhaft darzulegen, dass sie nichts davon wussten, dass fettige Burger und noch viel fettigere Fritten picklig und vor allem dick machen. »Ich habe immer geglaubt, dass McDonald's gesund für meine Kinder ist«, gibt einer der Väter der jugendlichen Rollmöpse zu Protokoll. Genauso könnte man auch sagen: »Ich habe immer geglaubt, Marlboro verringert das Risiko, an Krebs zu erkranken.«
Egal, klasse Aktion jedenfalls. Da machen jahrelang Greenpeace, französische Bauernführer, Ökos, Vegetarier, Veganer, Teestubenhocker und anderes Volk gegen McDonald's mobil mit Sit-Ins und anderem Zeug, und da kommt nun diese Horde völlig Größenwahnsinniger daher und zeigt, wie man es richtig macht. Es geht um eine Schadensersatzforderung in Milliardenhöhe, und das dürfte selbst der Klopsbraterfirma weh tun. Die Speckis aus New York samt ihren Eltern küren wir jedenfalls zu den Radikalen der Woche.
Baby-Baumeln
Michael Jackson. Wenn man bedenkt, dass Michael Jackson einmal »King of Pop« genannt wurde, ist es ganz schön traurig, feststellen zu müssen, mit was er heutzutage für Schlagzeilen sorgt: Mit seiner Nase und damit, seinen jüngsten Sohn über die Balkonbrüstung seiner Hotelsuite gehängt zu haben. Letzteres tat er letzte Woche in Berlin. Sogar die Polizei sah sich daraufhin veranlasst, Ermittlungen einzuleiten. Michael hat sich für seinen »fürchterlichen Fehler« inzwischen öffentlich entschuldigt.
Stop!
Fusion. Wie es aussieht, kann die Holtzbrinck-Gruppe vorerst doch nicht die Berliner Zeitung übernehmen. Das Bundeskartellamt hat dagegen etwas, weil dem Verlag bereits der Tagesspiegel gehört und eine marktbeherrschende Stellung in Berlin drohen würde. Mal abwarten, wie lange es dauert, bis Holtzbrinck diese Bedenken beim Bundeskartellamt ausgeräumt hat.
Kleiner Scherz
Penisskandal. Mit folgender Meldung bewegen wir uns auf gefährlichem Terrain. Man muss nun aufpassen, was man schreibt, denn es geht um den Penis von Kai Diekmann, dem Chefredakteur der Bild, der auch so aussieht wie man sich den Chefredakteur der Bild vorstellt. Über den Penis von Kai Diekmann sollte man besser keine Witze machen. Schon wenn man nun schreiben würde: »Kai Diekmann hat ein kleines Problem«, würde man sich dem Verdacht aussetzen, den Herrn Chefredakteur diffamieren zu wollen. Deshalb schreiben wir: Kai Diekmann hat ein großes Problem. Ihm gefiel es überhaupt nicht, dass auf der Satireseite der Taz, der »Wahrheit«, zu lesen war, er habe sich seinen Penis verlängern lassen, und das auch noch mit Fleischteilchen einer Leiche. Diekmann zog deswegen vor Gericht und verlangte 30 000 Euro Schmerzensgeld von der Taz, weil der Spaß einfach mal aufhört, sobald es um seinen Penis geht. Das Gericht sah es jedoch als erwiesen an, dass jeder Trottel außer Diekmann erkennen könne, dass auf der »Wahrheit« der Taz eben alles andere als die reine Wahrheit steht. Deswegen muss die Taz gar nichts zahlen, darf aber nicht wiederholen, was sie über Diekmanns Unterleibsgeschichten herausgefunden hat.
James Coburn ist tot
Hollywood. James Coburn war einer der Hollywood-Recken vom alten Schlag. Er war viril und keiner, der freiwillig nach dem Essen zuhause den Tisch abräumt. Geboren wurde er am 31. August 1928 in Laurel, Nebraska. Geschauspielert hat er später für so einige der ganz großen amerikanischen Regisseure, für Sam Peckinpah etwa, für John Sturges oder Walter Hill. Viele Western und Kriegsfilme waren darunter, in »Todesmelodie« von Sergio Leone spielte er mit, aber vor allem war er Pat Garrett, der unter der Regie von Sam Peckinpah Billy the Kid jagte. Nun aber ist er in den ewigen Jagdgründen gelandet, denn Anfang letzter Woche ist er im Alter von 74 Jahren in Beverly Hills gestorben.
Innenansicht
Anatomie als Kunst. Als Gunter von Hagens Ausstellung »Körperwelten« in Deutschland gezeigt wurde, rannten die Deutschen in Scharen in diese, um plastinierte Leichen in komischen Verrenkungen zu sehen. Von Hagen, der Anatomie-Professor mit dem Beuys-Hut, ist Künstler, Scharlatan und vor allem enorm erfolgreich. Besonders, was das Auslösen von Skandalen angeht. Nun hat er schon wieder einen verursacht, nachdem er trotz Verbot öffentlich eine Leiche in London seziert hat. Vor Fernsehkameras und 650 Zuschauern legte er los und zerschnippelte die Leiche eines 72jährigen Deutschen fachgerecht. »Demokratisierung der Anatomie« nennt von Hagen seine Aktion, der britische Ärzteverband dagegen spricht von »respektloser Sensationshascherei«. Was genau von Hagen mit seiner Tat bezwecken wollte, bleibt tatsächlich schleierhaft. Was er wohl meint mit »Demokratisierung der Anatomie«? Dass wir demnächst selbst Hand an unsere tote Oma legen sollen?