Gut für alle
USA. »Sie haben Geld. Sie haben Muskeln. Sie haben Macht. Werden Portlands Hafenarbeiter das alles an Strichcode-Scanner verlieren?«, schrieb Chris Lydgate in einem kritischen Artikel über den Streik der Hafenarbeiter an der US-Westküste. Am Wochenende wurde eine Vereinbarung zwischen der mächtigen Dockergewerkschaft ILWU und Unternehmern abgeschlossen, die den seit Ende September schwelenden Arbeitskampf beenden soll. Sie sieht der BBC zufolge vor, den Unternehmern den Einsatz Arbeitskräfte sparender Technologien zu gestatten, während den Arbeitern Lohn- und Rentenerhöhungen zugestanden werden; sechs Jahre lang soll die Vereinbarung gelten. Sie muss aber noch von den Dockern ratifiziert werden. Die Gewerkschaft fürchtet, dass ihre Macht durch den Einsatz neuer Technologien reduziert wird; neue Jobs am Computer dürften kaum als »waterfront jobs« angesehen werden, für welche die ILWU zuständig ist.
Am 9. Oktober hatte US-Präsident George W. Bush nach einem zehntägigen Arbeitskampf die Öffnung von 29 Häfen an der Westküste gerichtlich erzwungen (Jungle World, 44/02). Nun zeigte er sich entzückt: »Die Vereinbarung ist gut für die Arbeiter, gut für die Unternehmer, und sie ist gut für Amerikas Wirtschaft.«
Erfolg für Musharraf
Pakistan. Sechs Wochen vergingen zwischen der Wahl und der Regierungsbildung, aber für den Präsidenten Pervez Musharraf haben sich die zähen Verhandlungen gelohnt. Denn nicht der Kandidat der islamistischen MMA oder der bürgerlichen Oppositionspartei PPP, sondern Zafarullah Khan Jamali wurde am Donnerstag der vergangenen Woche vom Parlament zum Premierminister gewählt. Er gehört der ML-Q an, die Musharraf nahe steht, und kündigte an, einige Minister aus dessen Militärregierung in sein Kabinett zu übernehmen.
Jamali verfügt jedoch über keine stabile Mehrheit. Unter den 172 der 342 Abgeordneten, die für ihn stimmten, waren zehn Mitglieder der PPP. Auch mit der dauerhaften Loyalität der kleineren Parteien und so genannter Unabhängiger kann Jamali, dessen Partei selbst nur 77 Abgeordnete zählt, nicht rechnen. Musharraf muss sich nun aber zumindest nicht mit einem antiamerikanischen islamistischen Premier arrangieren, und die Schwäche der Regierung stärkt ihn als Präsidenten, der die Leitlinien der Politik weiterhin bestimmen kann.
Islamistisches Geständnis
Indonesien. Nach Ansicht der indonesischen Polizei ist der Bombenanschlag in Bali, bei dem am 12. Oktober fast 200 Menschen getötet wurden, aufgeklärt. Der am Donnerstag der vergangenen Woche festgenommene mutmaßliche Anführer der Attentäter habe seine Beteiligung an der Planung und Durchführung des Terrorakts gestanden, erklärte der indonesische Polizeichef Da'i Bachtiar. Der 35jährige Imam Samudra, ein mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation Jamaa Islamiya, gab demnach auch zu, vor zwei Jahren an Anschlägen auf Kirchen beteiligt gewesen zu sein, bei denen 19 Menschen ums Leben kamen. Samudra wurde mit Hilfe der Aussagen des Bombenlegers Amrozi verhaftet, der seine Beteiligung an dem Anschlag nach Polizeiangaben ebenfalls gestand.
Die islamistische Jamaa Islamiya soll eng mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbunden sein, und Samudra hielt sich zwei Jahre lang in Afghanistan auf. Über internationale Verbindungen machte er jedoch keine Aussagen. So bleibt auch weiter ungeklärt, wie sich die Terroristen große Mengen des bei dem Anschlag verwendeten Militärsprengstoffs C4 beschaffen konnten.
Der Prinz und die Armen
Saudi-Arabien. Nun ist es offiziell, auch in Saudi-Arabien gibt es Armut. »Wir müssen das Problem eingestehen und die Strategie sofort anwenden«, erklärte Kronprinz Abdullah, der wegen der Erkrankung König Fahds derzeit das Königreich regiert, nach einem Besuch im Armenviertel der Hauptstadt Riad am Donnerstag der vergangenen Woche. Um welche Strategie es sich handelt, erläuterte der Kronprinz nicht. Er will zunächst eine Kommission einsetzen und forderte die reichen Saudis auf, ihren armen Mitbürgern mehr zu helfen.
Zuverlässige Statistiken über die sozialen Verhältnisse gibt es nicht, die Arbeitslosigkeit wird jedoch auf über 20 Prozent geschätzt. Die üblichen Probleme einer Klassengesellschaft werden in Saudi-Arabien durch das Machtmonopol des Königshauses verschärft, das jährlich rund 20 Prozent der Ölexporteinnahmen dem Staatshaushalt entzieht. Dass ohne die Protektion eines der etwa 6 000 Prinzen, deren finanzielle Erwartungen häufig deutlich über dem in der Welt Üblichen liegen, keine Geschäfte möglich sind, behindert auch ausländische Investitionen.
Symbol für alle
Russland. Sie ziert afghanische Wandteppiche und die Fahne Mocambiques. Ein Wodka ist nach ihr benannt, aber den Islamisten der libanesischen Hizbollah gilt sie als Symbol des Kampfes gegen die Ungläubigen. Die Rede ist von der Kalaschnikow, deren 55. Geburtstag am Freitag der vergangenen Woche in der Fabrik Izmasch von russischen Industriellen und Ministern gefeiert wurde.
Die Geschichte der Waffe spiegelt die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte wider. Michail Kalaschnikow, der 1941 im Krieg gegen Deutschland verwundet wurde, erfand das Sturmgewehr, das allerdings erst seit 1947 serienmäßig produziert werden konnte. Die Kalaschnikow wurde zur Waffe antikolonialer Kämpfer und sozialistischer Revolutionäre in aller Welt. Seit den neunziger Jahren jedoch entwickelte sie sich zum Markenzeichen islamistischer Gotteskrieger, auch Ussama bin Laden posiert gern mit ihr. Für Russland ist sie heute vor allem eines der wenigen profitablen industriellen Exportprodukte. 70 Millionen Kalaschnikows wurden bereits hergestellt.