And the Winner Is ...
MTV Music Awards. Falls es jemanden interessiert, bei den diesjährigen MTV Music Awards wurde wieder jede Menge bunter Preise verteilt. Folgende Künstler bekamen einen solchen und dazu wahrscheinlich auch einen feuchten Händedruck ihres jeweiligen Plattenbosses: Eminem, der wirklich auf dem Weg ist, der Elvis des dritten Jahrtausends zu werden, schließlich gewann er auch schon im letzten Jahr; Pink, die weibliche Eminem, die ganz gelungen die ungezogene Zicke verkörpert, die ihr Zimmer nie aufräumt und den Jungs in den Arsch tritt; die Red Hot Chili Peppers, die es erstaunlicherweise immer noch gibt und die wahrscheinlich auch noch für die nächsten zehn Jahre gut genug für einen MTV Music Award sind; außerdem konnte unser aller Liebling, der gottesfürchtige Xavier Naidoo, in der Kategorie »bester deutscher Act« absahnen. Wer zum »besten Luxemburger Act« gekürt wurde, ist nicht bekannt. Richtig aufregend ist eigentlich keiner dieser Awards, es hätte aber schlimmer kommen können.
Hinzuzufügen wäre noch, dass die diesjährige Verleihung in Barcelona stattfand und Puff Daddy alias P. Diddy mit ein paar müden Witzen und ganz vielen faden Sprüchen durch das Programm führte, einen Preis bekam er dafür nicht.
The Queen is Not Amused
Monarchie und Alltag. Kommen wir zu den wirklich wichtigen Dingen und begeben uns direkt an den englischen Hof. Für Antideutsche ist er ein harter Brocken. Immer wenn sie sich darüber freuen, dass die englische Boulevardpresse mal wieder eine wunderbare Hetzkampagne gegen Deutschland oder die deutsche Fußballnationalmannschaft oder deutsche Touristen oder deutsche Geschäftsleute oder deutsche Schäferhunde lanciert, muss man sie dezent darauf hinweisen, dass es zumindest eine Entsetzlichkeit hierzulande nicht gibt: ein Königshaus.
Schließlich gibt es ja wohl wirklich nichts Unnötigeres als eine Familie, die denkt, sie könne sich alles erlauben, die in Saus und Braus lebt und zu rein gar nichts nütze ist. Und das in einem Land, in dem die Bevölkerung diese Familie völlig unverständlicherweise auch noch über alles liebt. Doch es gibt noch Hoffnung. Und zwar darauf, dass sich das Problem vielleicht doch einmal von selbst erledigen könnte. Was derzeit wahrscheinlicher denn je ist. Denn all die Geschichten, die aus der englischen Boulevardpresse genauso wie aus den seriösen Blättern zu uns herüberwehen, haben es wirklich in sich.
Da wäre zum einen Charles, der Prince of Wales, der unter Verdacht steht, die Vergewaltigung eines Kammerdieners durch einen seiner engsten Mitarbeiter vertuscht zu haben. Sonst noch was? Jawohl! Denn fröhlich winkt zu allem Überfluss auch noch Prinzessin Diana aus ihrem Grab. Ihr ehemaliger Butler, Paul Burell, der in England inzwischen so bekannt ist wie die Königin selbst, droht nicht mehr nur damit, allerlei Pikanterien zu veröffentlichen, die er in seiner aktiven Zeit so mitbekommen hat. Nein, er tratscht bereits fröhlich herum. Von einer ganzen Reihe an Liebhabern ist da die Rede, die er damals in die Gemächer der Prinzessin eingeschleust haben will. Und - oh my god! - unter ihnen sollen nicht nur Blaublütige gewesen sein.
Hinzu kommen noch einige Ungereimtheiten anderer Art. So wollte die Königin besagtem Butler den Diebstahl von 300 Dingen aus dem Besitz Dianas vorwerfen. Doch plötzlich möchte sie von diesen Verdächtigungen nichts mehr wissen. Denn, so kann angenommen werden, Burell drohte wohl damit, im Falle einer Anklage seine Klappe nicht mehr zu halten und auszupacken. Nicht nur über die Liebhaber, sondern vor allem über die Vergewaltigung bei Hofe, und darüber, wer davon was nun wirklich wusste.
Nur weiter so, kann man zu der ganzen Geschichte nur sagen. Es geht voran, Geschichte wird gemacht. Nimmt Prince Charles nicht vielleicht sogar Heroin?
Länger saufen
Sperrstunde. Diese nun folgende Meldung konterkariert die vorangegangene allerdings gehörig. Man könnte allerdings auch einwenden: »Das ist Dialektik, Baby.« Denn es steht bereits fest, dass es demnächst nicht mehr nur in Englands Königshaus rund um die Uhr hoch her gehen wird, sondern auch in den Pubs des Landes nach 23 Uhr. Die Sperrstunde, man mag es kaum glauben, wird nämlich aufgehoben. Die Macher von Schulbüchern für den Englischunterricht dürften bereits über ihren Korrekturfahnen sitzen.
Das zukünftige Ende der Sperrstunde kann man allerdings auch so interpretieren, dass der kulturelle Verfall des Landes endgültig nicht mehr aufzuhalten ist. Schließlich gehört die Sperrstunde ja zu England wie die Krone sonntags auf den Kopf der Königin oder die CSU nach Bayern.
Es wird dann alles so banal auf der Insel. Den Euro führen sie wahrscheinlich irgendwann auch noch ein, und über die Sache mit dem Linksverkehr könnte man ja auch nochmal reden. Demnächst wird man jedenfalls nicht mehr fünf Minuten vor 23 Uhr sein Guinness runterkippen, um daraufhin schnell nochmal zur Bar zu hechten, weil gleich das berüchtigte »Last orders, please!« ertönt. Eine wahre Kulturrevolution deutet sich hier an. Fehlt bloß noch, dass englische Köche demnächst anfangen, auf Pfefferminzsauce zu verzichten.
Vera den ganzen Tag
Zeitschrift. Unnötiges zum Schluss. Die unnötigste Fernsehsendung der Welt, »Vera am Mittag«, gibt es jetzt auch als Zeitschrift am Kiosk.