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Nr. 48/2002 - 20. November 2002
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Alles wird besser, weil ...

... am heutigen Mittwoch Weltlebertag ist. Endlich erfährt die Leber, das am meisten missachtete und unterbewertete Organ des Menschen, ihre verdiente Würdigung.

Denn auf ihre Art versöhnt sie, das weiche, duldsame Ding, am Ende diverser Spaltprozesse Substanzen miteinander, gegen deren Vereinigung der Magen noch erfolgreich sich zur Wehr gesetzt hat. Die unterschiedliche Herkunft, Farbe und Konstistenz der konsumierten Schnäpse hat plötzlich keine Relevanz mehr. Alle kommen hernach in ihr zusammen und bilden ein harmonisches Ganzes. Im Subjekt selbst bringt die Leber derart etwas zustande, vor dem die Gesellschaft versagt: praktizierten Internationalismus. Zwischen Widerstreitendem stiftet sie Frieden und vereint so in sich das Yin und das Yang, das Apollinische und das Dionysische, den Highland Single Malt und den Jägermeister.

Mehr noch: Nicht nur schafft die Leber Einheit, wo zuvor noch das Chaos waltete. Wie der fortschrittliche Teil der Arbeiterklasse ist auch die Leber rot und groß und kämpft täglich erfolgreich gegen einen übermächtigen Feind. Doch im Unterschied zu jenem besiegt diese den Feind täglich aufs Neue. Mit König Alkohol macht sie kurzen Prozess, wie einst Robespierre mit dem konterrevolutionären Adelspack. Sie ist, so gesehen, das revolutionärste Organ der Gegenwart.

Zugegeben, aus der Leber fertigt der Klassenfeind auch grausame biologische Waffen wie beispielsweise die Pfälzer Leberwurst. Doch wie für die Linke gilt auch für die Leber: Die Dialektik zählt. Darüber hinaus nämlich ist die Leber auch »des Himmels wertvollste Gabe an die Gans, ohne sie wäre dieser Vogel nicht imstande, uns mit Straßburger paté zu versorgen« (Ambrose Bierce).

thomas blum



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