Schlecht geklaut
Prozess. Winona Ryder steht vor Gericht. Angeklagt ist sie wegen vorsätzlichen Diebstahls. Winona Ryder? Die Schauspielerin? Der Star? Ja. Denn sie hat geklaut, ganz profan geklaut. Also nicht wie andere Promis Steuern hinterzogen oder einen Fotografen krankenhausreif geschlagen. Auf dem Boden soll sie gekniet haben, mit einer eigens mitgebrachten Schere habe sie die Diebstahlsicherung abgetrennt und dann Socken, Accessoires und einen Stoffhut, alles in allem im Wert von lumpigen 5 500 Dollar, eingepackt. Für diese Tat drohen ihr nun bis zu drei Jahre Haft.
Was ist da drüben, in Hollywood, eigentlich los, muss man sich nun fragen. Verdienen die Stars nichts mehr, sodass sie sich für Peanuts derart entwürdigen müssen? Winona Ryder, Traum unserer Slackerjahre, und Slacker waren wir ja alle mal, brauchst du vielleicht ein wenig Geld? Für dich würden wir immer noch alles tun.
Haste mal 250 Pfund?
Punk. Punk? Was ist eigentlich nun wirklich los mit Punk? Das! Am 10. November wird Joe Strummer, der ehemalige Vorsteher der Clash, in London ein Konzert mit seiner aktuellen Band, den ziemlich vernachlässigbaren Mescaleros, geben. Aber nicht etwa punkig im Pub um die Ecke, sondern im Londoner Royal Opera House, in dem bisher nur ein Popstar überhaupt auftreten durfte, nämlich die inzwischen in unerträglicher Weise nach höheren Weihen strebende Björk. Aber es kommt noch viel dicker. Denn begleiten werden Strummer ausgerechnet die Schmusebacke mit der schlechten Haut, Bryan Adams, und Brian May von Queen. Die teuersten Tickets kosten 250 Pfund.
Der DJ von Run DMC ist tot
Mord. Ab sofort gilt Jam Master Jay nicht nur als einer der legendärsten Hip Hopper überhaupt, er kann sich außerdem noch auf einer schwarzen Liste eintragen lassen, der Liste ermordeter Hip Hopper.
Gewalt und Gangrivalitäten werden im Gangsta-Rap nur allzu gern romantisiert, aber schließlich will diese Form des Hip Hop ja die Realität abbilden und so sieht sie in amerikanischen Großstädten nun einmal aus. Dauernd werden Hip Hopper zu Opfern der Zustände, die sie gleichzeitig in ihrer Musik verhandeln. Nur die spektakulärsten Fälle bekommt man hierzulande überhaupt mit, die Morde an Tupac Shakur etwa oder an Notorious B.I.G., die beide nie wirklich aufgeklärt wurden.
Auch im Fall von Jam Master Jay tappt man noch völlig im Dunkeln. Zumal der 37jährige Mitbegründer von Run DMC alles andere als ein Hater war und mit den Gangstarap-Klischees nie etwas zu tun haben wollte. Run DMC verstanden sich immer als religiös motiviertes Trio, das sich gegen Drogen und Streetcrime aussprach. Was auch damit zusammenhängt, dass Run DMC als Pioniere des Hip Hop der alten Schule gelten, also in Zeiten groß wurden, in denen sich Hip Hop insgesamt als politisch bewusster Audruck der Schwarzen in den USA etwas aufbauen statt zerstören wollte.
Was nicht heißt, dass Spaß bei ihnen zu kurz kommt. Mit »It's Like That« hatten sie ihren ersten Hit, mit »My Adidas« verarbeiteten sie ihre Liebe für entsrechende Klamotten und bescherten dem Konzern nicht nur Gewinne, sondern auch Glaubwürdigkeit in Sachen Streetwear. Ein richtiger Hit wurde 1986 ihr gemeinsamer Song mit der zu jener Zeit völlig abgemeldeten Rockband Aerosmith: »Walk This Way«. Mit Aerosmith waren Run DMC gerade erst wieder auf Tour, als der Mord passierte. Jam Master Jay, der DJ des Trios, der mit bürgerlichem Namen Jason Mizell hieß, wurde in seinem New Yorker Plattenstudio mit einem Kopfschuss getötet.
Eher Schmerz als Herz
Schlager. Wenn es um die Erhöhung der Abozahl geht, ist der taz nichts zu peinlich. Neben der FAZ und der Bild-Zeitung wird auch sie einen eigenen Kandidaten zur nächsten deutschen Vorauswahl für den Grand Prix Eurovision 2003 nach Kiel schicken. Und? Denken Sie nun auch: Wow, crazy! Die taz mal wieder, so was von abgefahren! Nein, auch Sie werden denken, meine Güte, wie tief kann man denn noch sinken?
Die Leidenschaft des taz-Redakteurs Jan Feddersen für den Schlager ist erstmal sein Problem. Doch seit der Mann meint, dauernd Bücher über den Schlager schreiben zu müssen und sich auch noch als Experte für Schlagerfragen ausrufen zu lassen, ist eine kritische oder wenigstens ironische Berichterstattung zum Schlager in der taz offiziell verboten worden. Mit Grausen erinnern wir uns noch an seinen weinerlichen Artikel über die verkannte Kelly Family und daran, wie Joy Fleming bei ihren Auftritten Würde attestiert wurde, obwohl sie aussah wie Catwiesel in der Zehnfachpackung.
Und nun schlagert Feddersen so richtig zu. Die FAZ wird in die Vorentscheidung, das steht jetzt schon fest, den »Jungen mit der Gitarre« schicken, über den Kandidaten der Bild steht vielleicht was im Buch Dieter Bohlens. Der Schlagerstar der taz steht noch nicht fest. Wie wäre es denn mit Zlatko oder mit Guildo Horn?
Schlimm, schlimm, schlimm
Zeitungskrise. »FAZ entlässt schon wieder 10 000 Mitarbeiter«, »FR auch«, »Die WAZ-Gruppe will die SZ kaufen«, »die WAZ-Gruppe will die SZ doch nicht kaufen«, »Ex-BamS-Chefredakteur wird Chefredakteur der FAZ«, »Die Abokurve der taz steigt wieder«, »die Abokurve der taz sinkt wieder«. So, oder zumindest so ähnlich, lauten seit einigen Wochen die Schlagzeilen auf den Medienseiten. Man blickt dabei einfach nicht mehr durch, wo wie viel gekürzt wird, wo welche Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden und wer nun wen demnächst übernehmen wird. Deshalb haben wir, da uns das alles nicht betrifft, beschlossen, uns aus dem Ganzen herauszuhalten. Sollen sie doch machen, pleite gehen und Chefredakteure auswechseln, wie sie wollen. »Aber was haben Sie mit dem schwarzen Anzug denn hier zu suchen, lassen Sie das, kleben Sie sich den Kuckuck doch an die eigene Stirn! Hilfe! Chefredakteur! Chefredakteur! ... Chefredakteur?«