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Nr. 42/2002 - 09. Oktober 2002
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CNN und ABC News vor der Fusion

Synergetik der Bilder

Nachrichten sind Nachrichten sind Nachrichten. Diese traurige Erkenntnis offenbart sich nun auch den beiden amerikanischen TV-News-Imperien CNN und ABC News, denn sie denken seit einigen Wochen intensiv über eine Fusion nach. Die Vorstände beider Unternehmen sind sich in den letzten Wochen einig geworden, dass es in einigen Bereichen des News-Business keinen Sinn habe, bestimmte Ereignisse von zwei Teams covern zu lassen, wenn eines auch reichen würde.

Michael Eisner, Vorstandsvorsitzender des Walt-Disney-Konzerns, zu dem ABC News gehört, will zwar definitive Entscheidungen nicht bestätigen, meint jedoch: »Wir haben mit CNN darüber diskutiert, wie man effizientere Wege findet, Nachrichten zu übermitteln.« Schließlich stehen beide Unternehmen unter erheblichem wirtschaftlichen Druck. Der Mutterkonzern von ABC News hat Schwierigkeiten, weil seit dem 11. September letzten Jahres Mickey Mouse und die anderen Pappnasen in den Freizeitparks des Konzerns nicht mehr ziehen, CNN wiederum leidet besonders unter der Werbeflaute und hatte im letzten Jahr Einnahmeverluste von 100 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahr. Auch die Legenden rund um CNN, herübergerettet noch vom Golfkrieg 1991, verblassen langsam. Der konservative Konkurrent Fox News schafft in den USA höhere Quoten und hat CNN auch im Weißen Haus als Lieblingssender abgelöst.

Eine Gesetzmäßigkeit bei Fusionsgesprächen ist es, dass beide Seiten möglichst laut darüber schwadronieren, welche Synergieeffekte eine Zusammenlegung für das jeweils eigene Unternehmen bringe. So möchte ABC News das Korrespondentennetz von CNN in aller Welt nutzen, denn schon seit Jahren gilt: Ein Land, in dem sich kein CNN-Büro befindet, ist eigentlich vollkommen uninteressant. CNN hat immerhin 41 Büros, ABC News dagegen nur zehn.

Unklar ist hingegen noch, wie man die neuen Gemeinsamkeiten auf den Bildschirm übertragen soll. Wird in Zukunft der ABC-News-Anchorman Peter Jennings auch auf CNN auftreten, oder wird der CNN-Welterklärer Jonathan Mann auch die Zuseher von ABC News beglücken? Und wer wird demnächst dafür zuständig sein, Slowenien und die Slowakei miteinander zu verwechseln? Man weiß es nicht.

Im Endstadium einer Fusion sollen die beiden Sender aus ihren jeweiligen Muttergesellschaften, AOL Time Warner bei CNN und Walt Disney bei ABC News, herausgelöst werden und als eigene Gesellschaft Nachrichten produzieren. In der neuen Gesellschaft soll CNN 75 Prozent der Anteile erhalten, das kleinere ABC News nur 25 Prozent.

Ein Problem allerdings könnte die Fusion noch verhindern: Die Belegschaft von CNN wird schlechter bezahlt als jene von ABC News. Vorsorglich erhielten die ABC-Angestellten schriftliche Aufforderungen ihres Vorstandes, Gehaltskürzungen in Kauf zu nehmen und durch die Einsparungen auch die Position des Unternehmens bei Fusionsverhandlungen zu stärken.

Noch ist der Deal der beiden Giganten nicht über die Bühne gegangen, verhandelt wird aber weiter. »Wir werden immer wieder darüber nachdenken, wie man Journalismus und Business verbessern kann«, so CNN-Chef Walter Isaacson. Das Nachdenken dürfte so schnell kein Ende nehmen.

martin schwarz



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