Walser tritt nach
Walser-Debatte. Einer geht noch. Martin Walser hat anscheinend eine Fortsetzung seines Romans »Tod eines Kritikers« im Giftschrank oder im Kopf. Der zweite Teil soll sich mit den Auseinandersetzungen um seinen letzten Roman beschäftigen, angefangen mit der Aktion von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der den Roman in einem Offenen Brief als antisemitisch brandmarkte, bis hin zu den immer noch nicht völlig abgeflauten Debatten um Walsers Geschichtsbild.
Walser scheint die Gunst der Stunde nutzen zu wollen. Sein Roman mag umstritten sein, gar eine üble antisemtische Schimpftirade gegen den Kritikerstar Marcel Reich-Ranicki, allein, die Verkaufszahlen sind bombastisch, und noch immer klebt das Buch ganz vorne in den Bestsellerlisten fest. Also gleich noch einmal, ein wenig nachtreten kann ja nicht schaden. Der Suhrkamp-Verlag sieht das jedoch vorerst noch anders: »Wir hatten genug Ärger, ich brauche keine Nachdebatte«, meint der Leiter des Verlags, Günter Berg. Na ja, wir werden sehen (siehe die Literaturbeilage dieser Ausgabe, »Am Wannsee«).
Gegen Geld hat der Suhrkamp-Verlag schließlich kaum etwas einzuwenden, und auch wenn der nächste Walser wieder nichts bieten wird außer dummem Zeug: Geld wird er schon einbringen.
Heinz von Foerster ist tot
Konstruktivismus. Heinz von Foerster war einer dieser Denker im Zwischenraum. Er war Physiker, aber vor allem Philosoph, er war Konstruktivist, Kybernetiker und Systemtheoretiker, alles in persona. In seinem Werk kommt man schnell von der Auseinandersetzung mit der Quantenphysik zu Vorstudien für das Werk Luhmanns. Wahrheit ist, was wir für Wahrheit halten, aber eigentlich ist alles um uns herum etwas, was wir uns mit unserem beschränkten Geist erfunden haben, so ungefähr lautet seine konstruktivistische Theorie. »Es ist doch ein unglaubliches Wunder, wie alles hier lebt, es gibt Musik, Farben, Gerüche, Klänge. All das sind konstruierte Relationen; sie kommen nicht von außen, sie entstehen im Innern. Das ist doch etwas Unglaubliches«, lautet so ein Satz von ihm.
Heinz von Foerster ist letzte Woche in seinem Haus in Pescadero, Kalifornien, verstorben.
Mann im Mond
Moonwalk. Nicht nur, dass Michael Jackson anscheinend mit dem Musikmachen aufhören und stattdessen mindestens so gut schauspielern will wie Elizabeth Taylor, nein, er will auch noch so richtig hoch hinaus. Nämlich ins All. Um auf dem Mond seinen Moonwalk zu steppen, also dort, wo er auch hingehört. Das berichtet zumindest die Popzeitschrift Intro.
Wolle ohne Wolle
Freundschaftsbändchen. In der Megashow des ZDF, der »Goldenen Stimmgabel«, ist es passiert: Wolfgang Petry hat seine Freundschaftsbänder, die er Tag und Nacht am linken Handgelenk trug, abgestreift. Für die Fans, und von denen gibt es viel zu viele, ist das richtig hart. Denn die müssen nun denken, dass ihr Idol sie nicht so richtig lieb hat. Was sollen sie auch sonst denken?
Petry selbst sieht das freilich anders. Die längst ziemlich speckig gewordenen Bändchen, an denen wohl so manche eklige Schweißkruste klebt, sollen schließlich zu Gunsten der Fluthilfe-Aktion »Ich helfe dir« versteigert werden, also für einen superguten Zweck. Dagegen kann ja wohl niemand etwas haben.
»Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf, Futter ins Maul«, so Petry, doch die meisten Fans denken eher so wie die Anhängerin, die während der unglückseligen Veranstaltung meinte: »Man kann alles versteigern, aber nicht seine Freundschaftsbänder.« Irgendwie ist an dieser Aussage ja schon etwas dran. Unter moralischen und ethischen Gesichtspunkten ist Petrys Verhalten mehr als zweifelhaft, schließlich: Haben seine Fans ihm denn etwas getan? Dabei fiel es Wolle laut »Stimmgabel«-Moderator Dieter Thomas Heck überhaupt nicht leicht, seinen historischen Schritt zu vollziehen. »Man merkte: Es ging ihm nah«, meinte er und wollte sogar Tränen in Wolles Augen entdeckt haben.
In Wahrheit kann man sich jedoch ziemlich sicher sein, dass Petry heilfroh ist, sich seines Wollknäuels entledigt zu haben, das mit seiner zuletzt immensen Größe wohl wie eine Art Hantel sein Handgelenk beschwerte. Und schön, nein, schön sah dieses Gebaumel schließlich auch nicht aus.
Buhaaaaaa!!!!!
Weltmeisterwitz. Nun ist es raus. Der offiziell beste Witz der Welt, das ergab eine Internet-Abstimmung mit zwei Millionen Bewertungen, die Teil einer Humorstudie der englischen Universität Hertfordshire war, ist dieser hier, erfunden von einem Psychiater aus Manchester:
»Zwei Jäger sind im Wald unterwegs, als einer von ihnen zusammenbricht. Er scheint nicht mehr zu atmen. Der andere Jäger holt sein Handy hervor und wählt den Notruf: 'Mein Freund ist tot', stößt er hervor, 'was soll ich tun?' Er bekommt den Rat: 'Beruhigen sie sich. Versichern sie sich als erstes, dass er wirklich tot ist.' Einen Moment ist es still, dann ertönt ein Schuss. Zurück am Telefon fragt der Jäger: 'Okay, was jetzt?'«
Da wird uns also immer gepredigt, der Humor der Engländer sei einfach unschlagbar, die Rede ist vom witzigsten Volk der Welt, und dann so etwas. Ist ja wohl eher fad, dieser Witz, oder? Kaum gut genug, ihn sich zu merken.