Alles wieder gut
Deutsch-amerikanisches Verhältnis. George W. Bush, der Präsident der USA, hat doch noch gratuliert. Zwar nicht Gerhard Schröder zu seinem Wahlsieg, dafür aber Deutschland zum Tag der deutschen Einheit. In einem Brief an Bundespräsident Johannes Rau schrieb Bush vorige Woche: »Amerika feiert mit Deutschland diesen bedeutenden Tag.« Und er betonte: »Das Ende des Kommunismus und der Fall der Berliner Mauer waren ein großer Erfolg für unsere beiden Nationen.« Im Gegenzug lobte Rau die Rolle der USA bei der Überwindung der Teilung Deutschlands und beteuerte: »Wir stehen zu unserer Verantwortung und zu unseren Verpflichtungen.«
Es geht also wieder aufwärts im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Vorige Woche telefonierte Außenminister Joschka Fischer mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Colin Powell. Das Gespräch sei in »guter und freundschaftlicher Atmosphäre« geführt worden, es sei um die Beziehungen der beiden Länder zueinander und um den Irak-Konflikt gegangen, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Walter Lindner.
Allenthalben wurde nach besten Kräften abgewiegelt und befriedet. Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Holbrooke, sagte in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, es handele sich nicht um eine Krise im deutsch-amerikanischen Verhältnis, sondern um »eine Zänkerei zwischen Männern, die sich nicht so gut verstehen«.
Doch trotz der zur Schau gestellten neuen Harmonie lehnt Schröder einen Krieg gegen den Irak weiterhin ab. An dieser Haltung habe sich auch nach der Bundestagswahl nichts geändert, sagte er bei seinem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in Paris am vorigen Donnerstag.
Tübinger Friedensideen
Boykottaufruf. »Keine Warenimporte aus den israelischen Siedlungen auf besetztem Gebiet in die EU!« Diese Forderung erheben derzeit der AK Palästina Tübingen, das Friedensplenum Tübingen, die Friedensgruppe Reutlingen und einige andere deutsch-palästinensische Gruppen in einem Aufruf und sammeln Unterschriften, die an das Auswärtige Amt übergeben werden sollen. Behauptet wird u.a., »ein vor allem von Israel torpedierter Friedensprozess« habe zur Intifada geführt. Damit klar ist, worauf man hinauswill, wird noch festgestellt: »Da Israel eine Kennzeichnung der Waren aus den besetzten Gebieten (vor allem Früchte, Gemüse, Wein, Blumen und Kosmetika) ablehnt, besteht bei allen aus Israel importierten Produkten die Möglichkeit, dass sie aus den völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen stammen.«
Für die Initiative gegen Antizionismus und Antisemitismus ist »die historische Analogie zum nationalsozialistischen Boykott am 1. April 1933: 'Deutsche wehrt Euch - Kauft nicht beim Juden' offensichtlich«. 60 Jahre nach Auschwitz sei die Kampagne »Ausdruck antisemitischer Normalität in Deutschland«. Sie zeige, »dass dem Tübinger Friedensplenum offenbar jedes Mittel recht ist, Israel zu bekämpfen«. Die palästinensischen Selbstmordattentate würden »mit keiner Silbe erwähnt«.
Verschiedene Mitglieder des Friedensplenums verwahrten sich inzwischen im Schwäbischen Tagblatt dagegen, »in die äußerste rechte Ecke gestellt zu werden«. Es handele sich um eine »üble Diffamierung«. Andernorts fand die Kampagne positive Resonanz. Das evangelische Missionswerk verbreitet den Aufruf nach Informationen des Schwäbischen Tagblatts bereits im Internet, der Lutherische Weltbund macht ihn sich auch zu Eigen. Fehlen eigentlich nur die Islamisten vom Muslim-Markt, aber die boykottieren Israel ja schon länger.
In Handschellen zur Schule
Schulschwänzer. Das Rätsel von Pisa scheint gelöst. Eine in der vorigen Woche vorgestellte Studie der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung und der Frankfurter Hertie-Stiftung liefert einen möglichen Grund dafür, warum deutsche Schüler so schlechte Leistungen erbringen. Sie gehen einfach nicht zur Schule! Von den rund zwölf Millionen Schülern in Deutschland schwänzt demnach rund eine halbe Million regelmäßig den Unterricht.
Besonders dramatisch sei die Situation an den Haupt- und Sonderschulen. »Hier fehlen durchschnittlich zehn bis zwanzig Prozent der Schüler regelmäßig mehrere Stunden in der Woche unentschuldigt«, sagte Annette Czerwanski, die Projektleiterin der Bertelsmann-Stiftung, der Süddeutschen Zeitung. Eine Folge sei, dass inzwischen neun Prozent eines Jahrgangs in Deutschland die Schule ohne Abschluss verließen. Das notorische Schwänzen sei »ein Prozess zunehmender Entfremdung von der Schule«, Schule und Leben drifteten immer mehr auseinander.
Der beste Vorschlag zur Lösung dieses Problems kam, wie nicht anders zu erwarten war, aus der Lernhochburg Bayern. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) wies darauf hin, dass die bayerischen Polizisten schon seit langem dazu angehalten würden, Schwänzer aufzugreifen und in die Schule zu bringen.
Schluss mit Kesseln
Insolvenz. Die Krise der IT-Branche scheint nun auch die Comicbranche erreicht zu haben. Am vorigen Mittwoch meldete die Achterbahn AG, der Verlag, in dem die Werner-Comics erscheinen, dass sie wegen einer drohenden Zahlungsunfähigkeit die Insolvenz beantragt hat. Neben der Aktiengesellschaft seien der Buch-, Musik- und Filmverlag und diverse Tochterfirmen betroffen. Die rund 80 Mitarbeiter des Betriebs sind nun von der Arbeitslosigkeit bedroht. Bleibt ihnen wohl nur ein kräftiger Schluck Flens.