Bei Anruf Entlassung
Mobilcom. So schnell kann eine Sanierung erfolgreich sein. Die Hälfte der Stellen wird gestrichen, und schon ist das Unternehmen wieder flott. Das glaubt jedenfalls der Vorstand der schwer angeschlagenen Mobilcom AG. Er will 1 850 der derzeit 4 200 Vollzeitstellen kürzen und damit jährlich 130 Millionen Euro einsparen. Zudem soll auf den geplanten Aufbau eines UMTS-Netzes vorerst verzichtet werden, gleichzeitig will man aber an der für 8,4 Milliarden Euro erworbenen Lizenz festhalten.
Die erste Belohnung für den rigiden Plan folgte prompt. Nach Informationen der Financial Times Deutschland wollen die wichtigsten Gläubigerbanken eine für diese Woche fällige Kreditrückzahlung in Höhe von 4,7 Milliarden Euro bis Ende Oktober stunden. Mobilcom war durch den Rückzug des Großaktionärs und Hauptfinanziers France Télécom Anfang September in die Krise geraten (Jungle World, 40/02). Durch die Stundung gewinnt das Unternehmen nun Zeit, um sich mit seinem ehemaligen Partner über Schadensersatzforderungen und die Übernahme von Schulden zu einigen.
Die Polizei grämt sich
Militante Aktion. Es ist immer wieder erstaunlich, wie nostalgisch die radikale Linke ist. Schon die Namen der im Klandestinen wirkenden Gruppen sprechen da eine deutliche Sprache. Vergangene Woche meldete sich eine »Kämpfende Brigade Wolfgang Grams« zu Wort. Die bisher nicht in Erscheinung getretene Formation bekannte sich in einem Schreiben zu zwei fehlgeschlagenen Brandanschlägen auf Polizeiautos in Schwerin. Die an den Autos angebrachten Brandsätze zündeten nicht und konnten entfernt werden. Der Generalbundesanwalt Kay Nehm zog die Ermittlungen an sich.
Das mutmaßliche RAF-Mitglied Wolfgang Grams war 1993 in Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern beim Versuch seiner Festnahme ums Leben gekommen. Nach Darstellung der Behörden hat sich der zuvor angeschossene Grams selbst getötet. Seine Eltern bezweifelten diese Version des Tathergangs und führten einen erfolglosen Rechtsstreit durch alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof. Sie nahmen an, ihr Sohn sei von den Einsatzkräften des Sonderkommandos erschossen worden.
Pastorale Hilfe
Sexualisierte Gewalt. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, hat man sich offensichtlich auf der Deutschen Bischofskonferenz gedacht, die in der vorigen Woche zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda zusammentrat. 16 Leitlinien gegen Kindesmissbrauch wurden dort beschlossen. So sollen Anlaufstellen eingerichtet werden, an die sich Betroffene wenden können. Bei einem erhärteten Verdacht können Priester beurlaubt werden. Den Opfern sollen »menschliche, therapeutische und pastorale Hilfen angeboten« werden. Dass sich das Opfer eines Priesters allerdings von einem anderen Priester helfen lassen will, darf bezweifelt werden.
»Grundsätzlich fällt die täterorientierte Ausrichtung der Leitlinien auf«, kritisiert die Initiative Kirche von Unten, die die Leitlinien immerhin einen »ersten Schritt in die richtige Richtung« nannte. Die katholische Kirche hat bislang 47 Fälle sexueller Gewalt von Priestern gegen Jugendliche und Kinder in den vergangenen 30 Jahren eingeräumt. »Jeder einzelne Fall ist schon ein Skandal«, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Karl Lehmann und betonte, dass das Ausmaß der Fälle in Deutschland weit geringer sei als in den USA. Selbst beim priesterlichen Kindesmissbrauch sind die Deutschen also besser als die Amis.
Karsli klagt
Antisemitismus. Er kann es nicht lassen. Jamal Karsli, der wegen seiner antiisraelischen Attacken berüchtigte ehemalige Abgeordnete der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen, stilisiert sich erneut zum Opfer. Vorige Woche hat er eine Unterlassungsklage gegen Paul Spiegel, den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, und gegen dessen Stellvertreter Michel Friedman eingereicht. Er habe wegen seiner Kritik an Israel »am eigenen Leibe die Wirkung einer mächtigen zionistischen Lobby erleiden müssen«, sagte er am vorigen Freitag in Düsseldorf. Ziel seiner Klage sei es, Spiegel und Friedman gerichtlich untersagen zu lassen, ihm weiterhin Antisemitismus vorzuwerfen. Karsli sagte, er werde zu Unrecht in die »rechtsradikale Ecke« gedrängt.
Aber warum nur gleicht sein Vokabular der einschlägigen Nazi-Diktion? So spricht er ständig von einer »zionistischen Lobby«, die ihn bedränge. Vergangene Woche bezichtigte er Ariel Sharon, eine »Politik der ethnischen Säuberungen« zu betreiben, und nannte ihn einen »Kriegstreiber«.
Alles Nazis außer Adolf
NS-Vergleiche. Den Anfang machte Helmut Kohl, Herta Däubler-Gmelin zog nach und Christoph Stölzl vollstreckte. Die Nazi-Vergleiche in Deutschland reißen nicht ab, es scheint eine politische Bewegung im Entstehen zu sein. Allerdings ist momentan noch unklar, ob tatsächlich auch die NS-Vergleiche gezogen wurden, die in der vergangenen Woche der Jungle World zugespielt wurden. Demnach soll die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer angesichts des guten Wahlergebnisses der SPD in Ostdeutschland gesagt haben: »Der Schröder führt sich im Osten auf wie der Frank damals in Polen.« Der Radrennfahrer Jan Ullrich soll unbestätigten Gerüchten zufolge seinen Ausstieg aus dem Team Deutsche Telekom so begründet haben: »Das Team ist doch so schwach wie die Wehrmacht in Stalingrad.« Und Laurenz Meyer, der Generalsekretär der CDU, soll über Katrin Göring-Eckart, die mögliche neue Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, gesagt haben: »Da ist doch der Name Programm.« Diese Meldungen konnten aber bisher nicht bestätigt werden.